Der Cast von "Gigantisch" hat mich spontan dazu verleitet, mir diesen Film aus dem Regal zu ziehen, weil ich dachte, ein Film mit John Goodman ("Roseanne", "The Big Lebowski"), Zooey Deschanel ("500 Days of Summer", "Per Anhalter durch die Galaxis"), Paul Dano ("Little Miss Sunshine", "Das gute Herz") und Zach Galifianakis ("Hangover", "Stichtag") kann ja gar nicht schlecht sein. Die Story klang ebenfalls recht schräg und ungewöhnlich und Regieneulingen wie Matt Aselton soll man ja auch mal eine Chance geben. Was Gigantisch" einem aber dann in 98 Minuten liefert, ist weit weniger, als man hätte erwarten können, da die Geschichte um einen 28jährigen Matratzenverkäufer, der seit seiner Kindheit den Wunsch hat, ein chinesisches Baby zu adoptieren, so willkürlich erzählt wird, dass sowohl Timing als auch angestrebte Skurrilität weitestgehend auf der Strecke bleiben. Hätte der Film nicht seine relativ bekannten und versierten Darsteller als Zugpferd, hätte man wohl kaum Notiz von ihm genommen.
Brian (Paul Dano) arbeitet in einem Matratzengeschäft als Verkäufer, als er eines Tages die Tochter von Al Lolly (John Goodman) kennen lernt. Kunstsammler Lolly hat gerade eine Matratze bei ihm gekauft und schickt Tochter Harriet "Happy" Lolly (Zooey Deschanel) zum Bezahlen vorbei. Der schüchterne Verkäufer und die Tochter aus reichem Hause finden Gefallen aneinander. Im Gegensatz zu Happy weiß Brian ziemlich genau, was er will. Während Happy sich treiben lässt, keinen konkreten Berufswunsch hat und dank des Geldes ihres exzentrischen Vaters auch nicht zwingend arbeiten muss, hat Brian seit seiner Kindheit den Traum, ein chinesisches Baby zu adoptieren, und arbeitet hart daran, diesen Traum zu verwirklichen. Das wiederum verunsichert Happy, die sich vor lauter Schreck für einen Kochkurs in Paris einschreibt. Somit scheint die Beziehung der Beiden vorbei, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Brians Familie (u. a. Edward Asner, "Lou Grant") steht jedoch voll hinter Brians Plänen, auch wenn Brian neben seinem erfolgreichen Vater und Bruder einen eher unspektakulären Lebensweg gewählt hat. Doch was haben die wiederholten Angriffe eines scheinbar Obdachlosen (Zach Galifianakis) auf Brian zu bedeuten? Und warum lässt sich Al Lolly nur liegend im Auto umherfahren? Auf diese und viele andere Fragen liefert "Gigantisch" leider keine zufriedenstellende Antwort.
Man merkt dem Film an, wie sehr er sich um verschrobene Charaktere, witzige Eigenheiten und ungewöhnliche Ereignisse bemüht. Und das ist auch schon ein Problem des Films, er wirkt bemüht und täuscht Vieles nur vor. Die Handlungsstränge sind vielfältig und verworren, viel wird angerissen, wenig erklärt. So bekommt man zum Beispiel nicht den Hauch einer Antwort darauf, warum Brian wiederholt sehr brutal von diesem Obdachlosen zusammengeschlagen, schwer verletzt und sogar angeschossen wird. Brian scheint den Mann zu kennen, aber es wird nie klar, woher und warum der Kerl so aggressiv und gewaltbereit auf Brian reagiert. Durch die zwar stringente, aber dennoch wirre Erzählweise werden auch eher mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Dazu tauchen so viele Nebencharaktere auf, deren Rollen zwar angerissen, aber nicht weiter beleuchtet werden, dass das irgendwann einfach nur noch ermüdend ist.
Die Darsteller sind über jeden Zweifel erhaben, das Drehbuch (ebenfalls von Matt Aselton) ist es leider nicht. Dano liefert eine etwas zielstrebigere Version seines erprobten schüchternen Einzelgängers ab, wirkt dadurch aber eher verwirrend ambivalent als glaubwürdig. Deschanel scheint sich langsam aber sicher auf Rollen festzulegen, in denen sie nicht sonderlich gut wegkommt. Immer ist sie die Frau, die den Kerl, der sie toll findet, verletzt. Die alten Hasen, Goodman und Asner, liefern wie immer souveräne Leistungen ab, bleiben aber auch eher als seltsame Spinner in Erinnerung, deren Rollen im Film unklar bis überflüssig sind. Denn Vieles von dem, was hier gesagt und getan wird, macht nicht wirklich Sinn und ist bei aller vermeintlichen Skurrilität letztendlich doch nur unsinnig und bei weitem nicht so witzig, wie der Regisseur sich das wohl gedacht hat. Irgendwie wartet man immer darauf, dass der Film jetzt mal richtig Gas gibt oder wenigstens komisch oder charmant wird. Nichts davon passiert, die 98 Minuten werden recht schnell ziemlich zäh und lassen den Zuschauer am Ende ratlos zurück. Einerseits möchte man des Regisseurs Mut zu seiner ungewöhnlichen Geschichte Respekt zollen, andererseits kann man nicht darüber hinwegsehen, dass der Film Vieles von dem, was er gerne wäre, nur unzureichend vortäuscht und somit eigentlich ein ziemlich wirrer und belangloser Independentfilm ohne Aussage ist.
Wenig zu bieten hat auch die Scheibe selbst: Ton in deutsch und englisch in DD 5.1, deutsch auch in DD 2.0, Untertitel in deutsch, dazu Trailer des Films, Deleted Scenes und eine Bildergalerie. Schön wäre hier doch gewesen, wenn sich in einem Extra die Auflösung der Beziehung von Brian und dem Obdachlosen präsentiert hätte. Leider wird das wohl immer ein Rätsel bleiben.
"Gigantisch" ist somit weit weniger gigantisch, als sein großspuriger Titel vermuten lässt. Er ist sogar nur ziemlich durchwachsen. Die erzählte Geschichte ist letztendlich unspektakulär und das, was dieser Film wirklich gebraucht hätte, bekommt er leider nicht: Originalität und das handwerkliche und kreative Können des Regisseurs, aus Stars und Story das Bestmögliche rauszuholen. Der Humor und die Verschrobenheit der Figuren verlaufen weitestgehend im Sande und lassen bestenfalls vermuten, was für ein klasse Film "Gigantisch" hätte werden können. Vielleicht gelingt es Regisseur Aselton ja mit etwas mehr Berufserfahrung, den Film zu machen, den man in "Gigantisch" zwar erahnen, aber noch nicht sehen kann. Somit trotz Erstlings-Bonus leider nur zwei von fünf verpatzten Chancen, die aus Gigantisch" ein wirres und sinnfreies Indie-Drama machen, dass das Ansehen leider nicht lohnt.