Bisher war ich immer ein großer ASUS Fan, aber in Anbetracht des Preises und der durchweg positiven Reviews im Netz zu diesem Board, konnte ich nicht widerstehen und habe es mal ausprobiert. Die Komponenten sind: i7-2600, 2x4GB RAM (XMS3), Scythe Mugen 3 in einem LianLi G70 Bigtower.
Wie man an der Wahl des Prozessors sehen kann, möchte ich mit dem Board nicht übertakten. Es ging mir um ein schnelles, stabiles und preisgünstiges Board. Ein Z68 war also nicht der primäre Beweggrund sich für dieses Board zu entscheiden, ein P67 hätte es für mich auch getan.
Lieferumfang
In dieser Preisklasse habe ich an Lieferumfang nicht all zu viel erwartet und ich wurde somit nicht wirklich enttäuscht. Es liegen 4 SATA Kabel bei (2 je Tüte, je ein gewinkeltes und ein gerades Anschlusskabel) in Gigabyte-typischem himmelblau. Oft wird geschrieben, dass nur zwei Kabel beiliegen, also entweder ist es bei mir ein Verpackungsfehler oder es entgeht, dass je Tüte zwei Kabel vorhanden sind. Eine Gehäuseblende liegt selbstverständlich ebenfalls bei und neben dem üblichen Papierkram und CD war es das leider auch schon. Die Gehäuseblende ist zwar eine der billigen Sorte (dünnes Blech und mit fummeligen Massefederchen), aber wenigstens ist es gut lesbar beschriftet (Text, keine Symbole). Persönlich hätte ich mir wenigstens noch ein Slotblech mit zwei weiteren USB Anschlüssen gewünscht. Das Board besitzt 6 fertige USB Anschlüsse auf der Rückseite und dazu nochmal 6 als onboard Stifleisten. Von den onboard USB Anschlüssen benötige ich lediglich zwei für das Frontpanel und zwei für den Cardreader/Frontanschluss, also bleiben erst einmal zwei ungenutzt.
Die Verarbeitung des Boards sieht gut aus. Lediglich der Kühlkörper auf den Spannungswandlern (der längliche, hohe, hinter den Rückanschlüssen) macht einen etwas sehr wackeligen/losen Eindruck. Die Kunststoffstifte mit den Federchen halten den Kühler gerade mal so aufrecht und erzeugen kaum Anpresskraft. Ich denke das werde ich mir beizeiten mal vornehmen sofern die Temperaturwerte es erfordern.
Das Board kommt teilweise etwas "nostalgisch" daher. Gibt es doch tatsächlich noch einen PS2 Komboanschluss (entweder Maus oder Tastatur), eine echte serielle Schnittstelle und ein Druckerport. Über die serielle freue ich mich, aber warum hat man das eigentlich nicht konsequent durchgezogen? Wo sind FDD und IDE Ports? Natürlich sind die nicht vorhanden, denn FDD und IDE würde zusätzliche Controller erfordern. RS232 und LPT sind in jedem SuperIO enthalten und somit kostengünstig als Anschluss zu realisieren. Aber: Das Board ist eben günstig, also sollte man sich darüber nicht beschweren.
Installation
Hier gibt es eigentlich nichts zu bemängeln. Die Dokumentation der Anschlüsse/Pinheader ist wie bei ASUS ebenfalls sehr gut; die Stiftleiste für Frontanschlüsse (also LED, Taster usw...) ist zusätzlich noch farblich unterlegt, somit sind die Anschlussarbeiten sehr schnell erledigt. Der Scythe Mugen 3 kann in jeder Position auf dem Board montiert werden (gemeint ist waagerechter oder senkrechter Luftstrom des Kühlers). Fairerweise muss ich aber auch dazu sagen, dass ich low-profile RAM gekauft habe. Meine alten XMS2 DHXer wären sich mit dem Lüfter (dem Lüfter, nicht dem Körper selbst) ins Gehege gekommen. Der Kühlkörpoer sorgt bei waagerechtem Sitz leider dafür, dass der über dem 1. PEG befindliche 1x Express Sockel halb verdeckt wird und somit ebenfalls nicht benutzbar ist. Somit sind bei meinem Aufbau effektiv 2 der 3 1xExpress Sockel nicht nutzbar (einer durch den Kühler und einer durch die Grafikkarte). Dieses Problem scheint aber durch die Bank weg bei allen Herstellern präsent zu sein. Es dürfte doch mittlerweile bekannt sein, dass man fast nur noch Grafikkarten mit doppelter Breite kaufen kann. Somit kommen wohl nur diejnigen in den Genuss aller Steckplätze, die onboard Grafik verwenden und den Intel Boxed Kühler verwenden ;-)
Auf dem Board befindet sich noch ein mini PCI Express Sockel. Wie ich vermutet hatte, handelt es sich hierbei um einen reinen mSATA Port, der Einsatz von WLAN Karten, bzw Karten die eine einfache Expresslane benötigen, ist somit leider nicht möglich. Das möchte ich aber nicht ankreiden, denn der Hersteller bewirbt das Board ja mit dem Feature mSATA.
Betrieb
Die Lüftersteuerung ist von Haus aus her leider etwas enttäuschend. Da habe ich ehrlich gesagt auch noch kein Board gesehen, was mich persönlich zufrieden stellen würde. Aus diesem Grund habe ich die Gehäuselüfter und den CPU Lüfter wieder an meine zusätzliche Steuerung angeschlossen - damit es unter dem Schreibtisch auch weiter angenehm ruhig bleibt.
Die Startzeit des BIOS ist eher unterdurchschnittlich. Vom Zeitpunkt des Einschaltens bis zum Bootloader benötigt das Board ca. 18 Sekudnen. Das habe ich schon wesentlich schneller gesehen. Einen HTPC würde ich damit auf jeden Fall nicht bauen wollen.
Die Temperaturen verlaufen eher unkritisch. Wobei man dazu sagen muss: Das Gehäuse liefert einen sehr guten Airflow und wir haben derzeit Winter (RT ~22°C). Leider kann ich nicht sagen an welcher Stelle genau sich die Temperaturdiode befindet und wo also genau die abgelesene Temperatur vorherrscht. Meine Vermutung ist aber, dass dies eine im Chipsatz integrierte Diode ist. Gemessen wurde unter Debian mit lmsensors. Lasten wurden mit cpuburn erzeugt (20min).
Idle: 25°C (Systemlüfter niedrig@500U/min)
Idle: 25°C (Systemlüfter hoch@1000U/min)
Last: 34°C (Systemlüfter niedrig@500U/min)
Last: 31°C (Systemlüfter hoch@1000U/min)
Ob die Temperaturen so wirklich stimmen oder ob es sich hierbei um einen Fehler in lmsensors handelt weiß ich leider nicht. Die onboard Kühlkörper werden jedoch nicht wirklich heiß, gerade mal lauwarm (subjektiv gefühlt durch Berührung).
Der onboard Sound ist in Ordnung. Einzig kam bei mir das Problem auf, dass nach Abschalten des Rechners die Lautsprecher vor sich hin quietschten. Fehler lag aber nicht am Board oder den Lautsprechern, sondern an der mangelhaften Erdung über die ATX Blende. Ein paar Streifen Kupferklebeband brachten dies zum Schweigen.
Fazit
Pro:
+ Augenscheinlich eine gute Verabreitung
+ Gute Dokumentation
+ Klassiche Ausstattung für den normalen Anspruch
+ Preis/Leistung ausgezeichnet!
Contra:
- Es hätten gerne ein paar Cents mehr sein dürfen bei den Beigaben von Kabeln/Zugehör
- Wenig vertrauenswürdiger Sitz des Kühlkörpers auf Spannungswandlern (scheint aber der Sache an sich keinen Abbruch zu tun)
- Das Konzept mit älteren Schnittstellen ist nicht konsequent umgesetzt worden
- miniPCI Express leider wirklich nur mit SATA bestückt
- ATX Blende nicht mehr zeitgemäß/zu billig, führt unnötig zu Erdungsfehlern
Man kann mit dem Board grundsätzlich nichts verkehrt machen. Man bekommt ein gut verarbeitetes, stabiles aber auch spartanisches Board eines Markenherstellers. Nicht mehr und nicht weniger. Für mich persönlich wandert durch diesen Kauf Gigabyte auf meine Liste des Vertrauens was Mainboardhersteller angeht (stehen bisher eigentlich nur ASUS und damals noch Abit (R.I.P) drauf).
Auch wenn es so aussieht, dass sich Pro und Contra halbwegs die Waage halten: Für den Preis bekommt man für meine Belange 100% Board - ein Grund genug für 5 Sterne.