.....ich beginne nicht mit dem "aber" sondern mit dem davor. dr. harriet braiker, klinische psychologin mit der therapierichtung "verhaltenstherapie", hat mit ihrem buch "giftige beziehungen" ein kompaktes, gut strukturiertes und lesbares buch geschrieben. thema: beziehungen und ihre giftigen auswüchse. die große stärke ist aber gleichzeitig auch die schwäche des buches. nämlich die klarheit, die auf der einen seite sehr hilfreich ist, um dinge zu erkennen, auf der anderen seite aber zu dem glauben verführt, damit sei das problem in seiner gänze erfasst.
gegliedert ist das buch in zwei große abschnitte: Problembeschreibung und Lösung. Mit anschaulichen Praxisbeispielen schildert sie das Wesen sog. toxischer (giftiger) beziehungen, zitiert studienergebnisse bezüglich des zusammenhanges zwischen körper, geist und seele, leitet dabei schlüssig ab, wie wichtig psychohygiene für die gesundheit ist, zeigt auf, welche faktoren ihr im wege stehen und beschreibt im zweiten teil des buches lösungswege.
schritt für schritt leitet sie den leser durch einige wichtige psychologische grundlagen (persönlichkeitsstörungen, verhaltenstherapeutische paradigmen wie erlernte hilflosigkeit, pos. / neg. verstärkung etc.), die zusammenhänge zwischen verhalten und emotionen in zwischenmenschlichen beziehungen, "giftige prozesse" darin und im zweiten teil "entgiftungsmöglichkeiten" mittels abschwächung, aussonderung und neutralisierung der gifte.
die schwäche des buches liegt m.e. in der grundrichtung der therapeutin, nämlich der verhaltenstherapeutischen sichtweise.
zumindest bei ihr liest man immer wieder von den "opfern" und denen, die etwas verursachen (hier zusammengefasst vier gruppen: menschen mit narzisstischer, passiv aggressiver, emotional instabiler persönlichkeitsstörung und suchtkranke).
an zwei stellen räumt die autorin kurz ein, dass auch die darunter leidenden "opfer" eigene anteile mit in die beziehung bringen, bleibt aber sonst offensichtlich bei der schuldzuschreibung an die an einer bestimmten persönlichkeitsstörung leidenden (sehr deutlich in der namensgebung ihrer therapiegruppe: pmms - people makes me sick / menschen, die mich krank machen).
da ja in der regel nicht dieser personenkreis zu diesem buch greift (menschen mit persönlichkeitsstörungen haben in der regel wenig änderungsmotivation) sondern eben die partner, wäre es aus meiner sicht angemessen gewesen, auch auf deren anteile tiefer einzugehen, nämlich zu allererst mal die bereitschaft, sich auf so eine schwierige beziehung einzulassen, reziproke verhaltensmuster, die so einen partner "magisch" anziehen (wie z.b. s.187 ff. jack mit asthma und allergien, der mit seiner aggressionshemmung "magisch" eine frau mit emotional instabiler ps anzieht, die ihre aggression all zu deutlich und unvermittelt lebt) sowie als wichtigen punkt beziehungserfahrungen in den primärfamilien, die bestimmte persönlichkeitseigenschaften bei den betroffenen hervorbringen, die sie anfällig machen für schwierige beziehungen
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als weiteren kritikpunkt sehe ich - bei aller achtung der verdienste der verhaltenstherapie - die grundaussage der autorin, dass die "moderne" psychologie herausgefunden habe, dass die gedanken die emotionen hervorbringen würden. dies hat man vor ca. 20 jahren so gesehen, mittlerweile ist die "moderne" psychologie davon ein ganzes stück weggerückt (denn wie sollte man z.b. die emotionen des säuglings, der ja wahrscheinlich noch keine gedanken hat, erklären).
trotz dieser kritikpunkte ist das buch in meinen augen sehr lesenswert, es enthält sowohl im erten als auch im zweiten teil wichtige informationen, die eine erste klarheit und handlungsmöglichkeiten bringen können.