Eines vorweg: Ich möchte das Buch keinesfalls absichtlich schlecht reden, nur um mich von den Topbewertungen abzuheben.
Klar, das Buch ist äußerst anspruchsvoll geschrieben, der Schreibstil des Autors war auch letztlich der Grund, wieso ich es überhaupt zu Ende gelesen habe, an der Geschichte kann es definitiv nicht liegen.
Natürlich zeigt das Buch auch sehr deutlich, wozu Misstrauen im Stande ist, ganze Familien zu ruinieren usw.
NUR: Muss das alles in einem so derart zähen Tempo beschrieben werden, sodass man nach geschätzten 200 Seiten das Gefühl hat, die Ereignisse hätten sich auch innerhalb weniger Minuten zutragen können? Für 300 Seiten Lesestoff passiert überraschend wenig, auch das teils vorhersehbare Ende kann dieses Werk nicht mehr retten.
Weiters liegt hier offensichtlich eine Themenverfehlung vor, denn was vielversprechend beginnt, nämlich den Fokus voll und ganz auf das tragische Verschwinden von Amy zu richten, verblasst immer mehr und gerät im Laufe des Buchs immer mehr zur Nebensächlichkeit. Cook schweift nicht nur einmal völlig von der eigentlichen Grundgeschichte ab, am Ende weiß man als Leser mehr über Eric`s Kindheit und seine Beziehung zu Meredith und Keith, als über das eigentliche Verbrechen, was, wie und ob Amy etwas zugestoßen ist.
Für mich ist das Buch nicht als "Psychothriller" zu bezeichnen, denn Gänsehaut hatte ich nie.
"Das Gift des Zweifels" ist definitiv geeignet für Leute, die sich ernsthaft mit Familienproblemen und dem kleinen Wörtchen "Misstrauen" auseinandersetzen wollen. Wer einen Thriller erwartet, der temporeich und angsteinflößend erzählt wird, sollte hiervon die Finger lassen.
Keine Frage: Die Sprache, die diesem Werk zu grunde liegt, ist wunderschön und sehr anspruchsvoll. Und genau deshalb erhält "Das Gift des Zweifels" von mir den zweiten, überaus verdienten Bewertungspunkt.