Komplizierte Problemstellungen und Themen anhand von Geschichten zu erklären ist eigentlich sehr lobenswert und interessant, so hatte Thomas Müller mit seinem ersten Buch Bestie Mensch anhand Erfahrungen aus seinem eigenen Leben versucht auch seine "grundlegenden" Theorien zu vermitteln, dass er dabei jedoch häufig auf die trockeneren fachlich-theoretischen Erläuterungen verzichtet hat ist der größte Kritikpunkt an seinen Büchern. In gierige Bestie unternimmt er erneut diesen Versuch und verknüpft seine Erkenntnisse auf dem Gebiet von Workplace Violence mit einer thrillerartigen Handlung. Genau genommen ist das Buch damit eine Reaktion auf Müllers Vortragsreihen zum Thema und Kapitel 46 seines Bestsellers Bestie Mensch.
Müllers Erzählung beginnt mit einer (fiktiven?) Reise nach Genf, wo er als Berater für einen international brisanten Fall herangezogen wurde. Erst bei seiner Ankunft erfährt er dabei, worum es bei diesem Fall überhaupt geht, denn ein langjähriger und hochtalentierter Mitarbeiter eines nicht genannten Schweizer Unternehmens hat hochsensible Daten aus dessen Datenbanken gestohlen, welche er nun droht zu veröffentlichen, um das Unternehmen welches ihm übel mitgespielt hat zu ruinieren. Von Seiten der Konzernleitung ist klar dass die Daten unter allen Umständen gesichert oder vernichtet werden müssen, wobei es Müller erst nach Monaten gelingt mit Ello Dox in Kontakt zu treten und ein Treffen mit diesem zu arrangieren. Verhandlungen mit dem 55jährigen, der 7 Sprachen spricht und derart tief verbittert ist, dass er glaubt nichts mehr zu verlieren zu haben gestalten sich allerdings als sehr schwierig oder gar unmöglich...
Was ist Workplace Violence lautet die Frage welche Gierige Bestie stellt und sozusagen in der Nebenhandlung umfangreich beantwortet. Gewalt am Arbeitsplatz ist etwas sehr subtiles, im Grunde eine Form von Mobbing oder auch Belastung des Mitarbeiters weit über die Norm hinaus, bis dieser keine andere Möglichkeit mehr erkennt als sich zur Wehr zu setzen und das nicht selten in einem Amoklauf. Es ist Thomas Müllers derzeit größtes Anliegen über die Gefahren durch Forderungen von 110%iger Leistung aufzuklären. Doch es ist die Form die er dafür gewählt hat, an welcher es so manches auszusetzen gibt.
Ein Buch mit verschiedenen Beispielen wie Bestie Mensch, nur eben alleine auf Mobbing und Workplace Violence bezogen hätte womöglich weit mehr Anklang erreicht als der Versuch einen lehrreichen Pseudo-Thriller zu schreiben, der zudem von Fehlern geprägt ist, die man sogar mit Wikipedia-Recherchen aufdecken kann. So ist Lucretia Borgia nie die Tochter Pius II. gewesen, sondern Alexander VI. dessen Familie gewisse Ähnlichkeiten zur modernen Mafia aufzuweisen hatte und außerdem auch den "Fürsten" Cesare Borgia hervorbrachte, ebenso wie es keine chinesischen Geishas gibt (Seite 73). Auch ist dieser Thriller-Aspekt von Gierige Bestie nichts was man als besonders gelungen bezeichnen kann, auch wenn das Werk insgesamt seinen Zweck erfüllt und tatsächlich Wissen vermitteln kann, wenn man das zugeben will.
Fazit:
Ein Bestseller wie er im Buche steht, kein gelungener Thriller, kein gutes Sachbuch, vielleicht gerade einmal eine mittelmäßige Erzählung, aber dank "heißer" Thematik und kontroverser Aufmachung gut verkauft. Dem ungeachtet gelingt es Müller allerdings sein Anliegen und so manchen Leser vielleicht doch entsprechendes Grundwissen über Workplace Violence zu vermitteln.