Kurzbeschreibung
Garry Disher ist ein australischer Autor, der neben Shortstories und Kinderbüchern auch ultraharte Thriller schreibt. In "Gier" stellt er uns mit dem Einzelgänger Wyatt einen (Anti)-Helden vor, der sich darauf spezialisiert hat, Banken auszurauben, Lohngelder zu stehlen oder Einbrüche durchzuführen. Wyatt hat sich dazu einen emotionslosen Stil angeeignet. Wie schon die bereits erschienenen Pulp Master Bände, kann man auch "Gier" nicht als normalen Krimi einstufen. Denn der gesellschaftkritische Blick aufs heutige Australien kommt in Garry Disher Werken nicht zu kurz. Der 'sympathische' Gangster Wyatt wundert sich bei seinen kriminellen Streifzügen immer wieder, dass selbst seine bürgerlichen Zielscheiben, ihn an krimineller Energie noch überbieten.
Die Rechtsanwältin Anna Reid erzählt Wyatt von $200.000 Schmiergeld im Safe ihres Partners. Geld, um Beamte von der Stadtplanungkommission zu bestechen. Zusammen schmieden sie einen Plan für einen Raubüberfall. In GIER gibt es keine Erlösung, keine Gnade, der Showdown am Ende ist vorprogrammiert. Weitere Wyatt-Bücher sind in Planung!
Der Verlag über das Buch
Nach dem guten Feedback auf Dishers Polizeiroman DRACHENMANN, der dieses Jahr mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde, werden wir Dishers Wyatt-Romane fortführen. Es folgen die Titel RACHE und NIEDERSCHLAG in halbjährlichen Abstand.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Umschlagtext
Wyatt hat noch eine Rechnung mit den Mesics offen - wäre da nicht das Kopfgeld, das das Syndikat für seine Liquidation ausgesetzt hat und Melbourne zu einem unsicheren Pflaster für ihn macht. Wyatt muss den Spieß umdrehen. Über seinen einstigen Mittelsmann Rossiter nimmt er Kontakt zu seinem alten Kumpel Jardine auf, in dessen Schublade jede Menge Pläne nur darauf warten, das operative Geschäft des Syndikats an seinen empfindlichsten Stellen zu treffen. Doch die Karten werden neu gemischt, als der fette Bulle Napper auf den Plan tritt. Napper nimmt nicht nur Rossiters Sohn, einen jungen Neonazi, am Kanthaken, er lässt sich auch gern Insider-Informationen versilbern und hat ein Faible für schnelle Ficks und Erpressung ...
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Garry Disher, geboren 1949, aufgewachsen in Südaustralien. Veröffentlicht Romane, Kurzgeschichten, international gefeierte Kriminalromane und Kinderbücher. 2-malige Auszeichnung mit dem Deutschen Krimi Preis. Der Autor lebt in der Nähe von Victoria.
Auszug aus Gier. Stern Krimi-Bibliothek Band 7 von Garry Disher. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Ein Ruck ging durch Wyatt. In der Auffahrt der Fromes war ein silberner BMW aufgetaucht. Die Scheinwerfer senkten sich, kamen wieder auf die richtige Höhe, als der Wagen auf die Lansell Road fuhr. Wyatt zählte die Köpfe. Frome am Steuer, seine Frau neben sich, die Kinder hinten. Er überprüfte die Zeit - 20.00 Uhr - und sah den BMW Richtung Toorak Road verschwinden.
"Los geht's", sagte Sugarfoot Younger.
Er griff nach dem Schlüssel im Zündschloss, aber bevor er ihn umdrehen konnte, umschlossen Wyatts Finger sein Handgelenk wie eine Stahlklaue. Sugarfoot sah sich um. In Wyatts schmalem Gesicht saßen die Augen eng und entschlossen. "Wir warten", sagte Wyatt.
Sugarfoot riss seine Hand los. "Verdammt, worauf denn?"
"Die Leute vergessen Sachen, Sugar. Sie fangen an zu frieren und kommen zurück, um ihre Mäntel zu holen. Wir warten."
"Aha", sagte Sugarfoot Younger verächtlich.
Er zündete sich eine Zigarette an. Das Streichholz flammte auf, beleuchtete sein klotziges Gesicht, seinen Ekel vor der Welt, Wyatt und dem ganzen Mist drum herum. Er warf das Streichholz aus dem Fenster und fing an, an seinen Haaren zu zupfen, die zu einem kurzen Pferdeschwanz an seinem Hinterkopf zusammengefasst waren. "Erste Lektion", sagte er und blies einen Rauchring gegen die Windschutzscheibe, um die Reaktion der stillen Gestalt neben ihm auf die Probe zu stellen, "schieße nicht über das Ziel hinaus."
Wyatt ging nicht darauf ein. Er hatte das nicht gewollt, hatte nicht gewusst, dass Ivan Younger seinen Bruder schicken würde. Er kurbelte sein Fenster herunter. Es war ein kühler Abend, die Luft roch nach Pflanzen und feuchter Erde. Es waren wenig Autos unterwegs, noch weniger Fußgänger. Von einem unauffällig geparkten Taxi aus beobachteten sie das Frome'sche Anwesen, niemand beachtete sie.
Ein paar Minuten später, als zwei ältere Frauen aus einem nahe gelegenen Haus die Straße betraten, Gesichter und Haar schimmerten schmutzig weiß im Licht der Straßenlaternen, sagte Wyatt: "Schalt die Innenbeleuchtung ein und lies den Stadtplan. Versuch dein Gesicht zu verbergen."
"Verbergen?", fragte Sugarfoot. "Gibt's jetzt auch noch Sprachunterricht?"
Die Frauen spazierten am Taxi vorbei. Als Wyatt sich auf seinem Sitz umdrehte, um sie zu beobachten, warf seine knochige Nase einen hakenähnlichen Schatten über sein Gesicht. Er sah, wie die Frauen an einem kleinen Morris Sedan stehen blieben. Nach einigem Hin und Her wegen der Schlüssel und wer fahren würde, stiegen die Frauen in den Wagen und fuhren davon. Sie würden sich nicht an zwei Männer in einem Taxi erinnern, die nach einer Adresse suchten.
Sugarfoot schaltete die Innenbeleuchtung aus und faltete den Stadtplan zusammen. "Mach schon, Wyatt. Wir hätten längst weg sein können." Er schnippte seine Zigarette weg.
"Noch fünf Minuten", sagte Wyatt.
Er beobachtete die Straße. Er würde die ganze Nacht warten, wenn ein Job das erfordern würde. Großmäuler wie Sugarfoot Younger wurden leicht nervös. Sie waren nie so stabil, wie man es gern hätte. Sie schluckten Aufputschmittel, pfuschten, machten Fehler. Was okay ist, dachte Wyatt, solange man nur nicht mit ihnen arbeitet.
Im Sitz neben ihm seufzte Sugarfoot und verlagerte seine schweren Glieder. Er trug Levis, eine Jeansjacke, ein rotes Bandana um den Hals geknotet und hohe, beschlagene Lederstiefel. Er hätte seinen Stetson aufgesetzt, wenn Wyatt kein Theater gemacht hätte. Mit dem Handrücken streifte er über die Stoppeln an seinem Kinn. Offenbar erstaunt über das Geräusch und die Empfindung, tat er es noch einmal.
Er wird gleich wieder anfangen zu labern, dachte Wyatt, warf einen flüchtigen Blick auf die glanzlosen, flachen Augen. Er kann sich einfach nicht beherrschen.
Als hätte er auf seinen Einsatz gewartet, sagte Sugarfoot Younger: "Kennst du Jesse James? Den Banditen? Okay, pass auf. Er hatte diese beiden Brüder in der Gang, und ihr Nachname war Younger." Er legte seinen Kopf in den Nacken und sah Wyatt an. "Ich schätze, das macht mich und Ivan zu den zweiten Younger Brüdern."
Er beobachtete Wyatt, wartete auf eine Antwort. Wyatt sagte nichts. Er hob nur sein Handgelenk, um die Uhrzeit zu überprüfen. Wie jede seiner Bewegungen war diese flüssig und sparsam.
"Es gibt da diesen Film über sie", sagte Sugarfoot. "The Long Riders. Wie sie dauernd in Auseinandersetzungen geraten, bis sie zurückschlagen. Sie überfallen Züge, Banken, alles Mögliche. Ich habe das Video zu Hause."
Wyatt hatte von dieser Cowboy-Manie gehört. Die war höchstwahrscheinlich für den Namen Sugarfoot verantwortlich, ein Name aus einer alten Fernsehshow, aber er hoffte, dass der, der ihn Bruno Younger gegeben hatte, das ironisch gemeint hatte. Bruno Younger hatte mit einundzwanzig das richtige Alter für einen Cowboy-Punk, aber er war ein schwergewichtiger, brutaler Typ, und Wyatt konnte sich nicht vorstellen, wie er einen Zug von einem Pferderücken aus überfallen würde. (...) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
"Los geht's", sagte Sugarfoot Younger.
Er griff nach dem Schlüssel im Zündschloss, aber bevor er ihn umdrehen konnte, umschlossen Wyatts Finger sein Handgelenk wie eine Stahlklaue. Sugarfoot sah sich um. In Wyatts schmalem Gesicht saßen die Augen eng und entschlossen. "Wir warten", sagte Wyatt.
Sugarfoot riss seine Hand los. "Verdammt, worauf denn?"
"Die Leute vergessen Sachen, Sugar. Sie fangen an zu frieren und kommen zurück, um ihre Mäntel zu holen. Wir warten."
"Aha", sagte Sugarfoot Younger verächtlich.
Er zündete sich eine Zigarette an. Das Streichholz flammte auf, beleuchtete sein klotziges Gesicht, seinen Ekel vor der Welt, Wyatt und dem ganzen Mist drum herum. Er warf das Streichholz aus dem Fenster und fing an, an seinen Haaren zu zupfen, die zu einem kurzen Pferdeschwanz an seinem Hinterkopf zusammengefasst waren. "Erste Lektion", sagte er und blies einen Rauchring gegen die Windschutzscheibe, um die Reaktion der stillen Gestalt neben ihm auf die Probe zu stellen, "schieße nicht über das Ziel hinaus."
Wyatt ging nicht darauf ein. Er hatte das nicht gewollt, hatte nicht gewusst, dass Ivan Younger seinen Bruder schicken würde. Er kurbelte sein Fenster herunter. Es war ein kühler Abend, die Luft roch nach Pflanzen und feuchter Erde. Es waren wenig Autos unterwegs, noch weniger Fußgänger. Von einem unauffällig geparkten Taxi aus beobachteten sie das Frome'sche Anwesen, niemand beachtete sie.
Ein paar Minuten später, als zwei ältere Frauen aus einem nahe gelegenen Haus die Straße betraten, Gesichter und Haar schimmerten schmutzig weiß im Licht der Straßenlaternen, sagte Wyatt: "Schalt die Innenbeleuchtung ein und lies den Stadtplan. Versuch dein Gesicht zu verbergen."
"Verbergen?", fragte Sugarfoot. "Gibt's jetzt auch noch Sprachunterricht?"
Die Frauen spazierten am Taxi vorbei. Als Wyatt sich auf seinem Sitz umdrehte, um sie zu beobachten, warf seine knochige Nase einen hakenähnlichen Schatten über sein Gesicht. Er sah, wie die Frauen an einem kleinen Morris Sedan stehen blieben. Nach einigem Hin und Her wegen der Schlüssel und wer fahren würde, stiegen die Frauen in den Wagen und fuhren davon. Sie würden sich nicht an zwei Männer in einem Taxi erinnern, die nach einer Adresse suchten.
Sugarfoot schaltete die Innenbeleuchtung aus und faltete den Stadtplan zusammen. "Mach schon, Wyatt. Wir hätten längst weg sein können." Er schnippte seine Zigarette weg.
"Noch fünf Minuten", sagte Wyatt.
Er beobachtete die Straße. Er würde die ganze Nacht warten, wenn ein Job das erfordern würde. Großmäuler wie Sugarfoot Younger wurden leicht nervös. Sie waren nie so stabil, wie man es gern hätte. Sie schluckten Aufputschmittel, pfuschten, machten Fehler. Was okay ist, dachte Wyatt, solange man nur nicht mit ihnen arbeitet.
Im Sitz neben ihm seufzte Sugarfoot und verlagerte seine schweren Glieder. Er trug Levis, eine Jeansjacke, ein rotes Bandana um den Hals geknotet und hohe, beschlagene Lederstiefel. Er hätte seinen Stetson aufgesetzt, wenn Wyatt kein Theater gemacht hätte. Mit dem Handrücken streifte er über die Stoppeln an seinem Kinn. Offenbar erstaunt über das Geräusch und die Empfindung, tat er es noch einmal.
Er wird gleich wieder anfangen zu labern, dachte Wyatt, warf einen flüchtigen Blick auf die glanzlosen, flachen Augen. Er kann sich einfach nicht beherrschen.
Als hätte er auf seinen Einsatz gewartet, sagte Sugarfoot Younger: "Kennst du Jesse James? Den Banditen? Okay, pass auf. Er hatte diese beiden Brüder in der Gang, und ihr Nachname war Younger." Er legte seinen Kopf in den Nacken und sah Wyatt an. "Ich schätze, das macht mich und Ivan zu den zweiten Younger Brüdern."
Er beobachtete Wyatt, wartete auf eine Antwort. Wyatt sagte nichts. Er hob nur sein Handgelenk, um die Uhrzeit zu überprüfen. Wie jede seiner Bewegungen war diese flüssig und sparsam.
"Es gibt da diesen Film über sie", sagte Sugarfoot. "The Long Riders. Wie sie dauernd in Auseinandersetzungen geraten, bis sie zurückschlagen. Sie überfallen Züge, Banken, alles Mögliche. Ich habe das Video zu Hause."
Wyatt hatte von dieser Cowboy-Manie gehört. Die war höchstwahrscheinlich für den Namen Sugarfoot verantwortlich, ein Name aus einer alten Fernsehshow, aber er hoffte, dass der, der ihn Bruno Younger gegeben hatte, das ironisch gemeint hatte. Bruno Younger hatte mit einundzwanzig das richtige Alter für einen Cowboy-Punk, aber er war ein schwergewichtiger, brutaler Typ, und Wyatt konnte sich nicht vorstellen, wie er einen Zug von einem Pferderücken aus überfallen würde. (...) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.