- Unbekannter Einband
- Verlag: Rowohlt, (2000)
- ASIN: B006ZYM2J2
- Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.8 von 5 Sternen Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
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Produktinformation
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So ist eben auch dieses Buch. Der Leser hat immer wieder die Neigung, es in die Ecke zu werfen, sich angewidert abzuwenden. Wenn man es nicht tut, so wird man nicht fröhlich von diesem 'Unterhaltungsroman'. Er unterhält nicht. Vielleicht ist der Autorin dadurch die eindringlichste Gesellschaftskritik gelungen, die man verfassen kann. Literatur, die sich mit menschenunwürdiger Existenz und dem Verschwinden jeglicher Emotion aus einer gesellschaftlichen Situation auseinandersetzt, sollte eben diese Qualitäten auch aufweisen. Sie sollte menschenunwürdig, emotionslos und anödend sein. Dabei muß man sagen, daß Jelinek durchaus auch 'unterhaltsame' Passagen in ihr Werk einbaut. Diese sind in gewohnter Art bitterböse und manchmal auch wirklich komisch. Dieser Effekt verstärkt sich durch die Trostlosigkeit des Buches, in die er eingebettet ist, nochmals. In die verworrene Handlung webt die Jelinek dabei einen Tatbestand, der an Grausamkeit und Ekelhaftigkeit kaum zu überbieten ist.
Warum sollte man das Buch dann lesen? Vielleicht weil es sich hier um ein 'herausgewürgtes' Stück Literatur (Zitat E. Jelinek) handelt, das auch den Leser zu Brechreizen bringen kann und gerade dadurch ein Aha-Erlebnis ermöglicht. So wie dieses Buch ist, sollte das Leben nicht sein. Gott sei dank ist es zumeist auch nicht so. Um sich von der Verlogenheit der Kleinbürgerlichkeit abschrecken zu lassen, eignet sich das Werk. Wer das nicht möchte, sollte das Buch besser nicht lesen. Wer darin etwas von der eigenen Lebensauffassung erkennt, wird nach der mühsamen Lektüre von 'Gier' froh sein, durchgehalten zu haben, trotz aller Langatmigkeit und gelegentlicher erzählerischer Schwächen. Ein gewagtes literarisches Expiriment, mit allen damit verbundenen Risiken, daher aber doch die Mühe wert, denn man sollte sich nie darüber wundern, was es im 'wirklichen' Leben so alles an Abscheulichkeiten gibt.
Richtig, Thomas Bernhard. Auch ein Österreicher. Zufall? Ich weiß es nicht, aber ich glaube es nicht. Kafka, wenn auch tschechischer Herkunft, Handke, Bernhard, Jelinek. Welches Land dieser Größenordnung verfügt über eine so große Anzahl von Schriftstellern, die System und Land so hernehmen wie Österreich.
„Gier" ist ein schwer zu lesendes Buch. Und ein schwer zu verkraftendes dazu. Aber ich bin froh, nicht aufgegeben zu haben. Man liest sich fest im Verlauf. Die Parallelen zu Bernhard sind beachtlich. Auch bei Bernhard lohnt sich das Hartnäckigbleiben. Mein Lesevergnügen jedenfalls nahm mit jeder Seite zu. Auch wenn Frau Jelinek wirklich nicht den Eindruck macht, als würde sie sich Gedanken darum machen, dass der Leser oder die Leserin dabei bleibt. Im Gegenteil, sie scheint sich Mühe zu geben, den Leser zu verschrecken, zum Aufgeben zu bringen.
Und es ist einer der ganz wenigen Romane, bei denen der Autor sichtbar wird, als Teil des Romans in Erscheinung tritt. Auch eine Erfahrung beim Lesen.
Ich werde den Roman nicht empfehlen. (Nur durch die vier Sterne.) Die Gefahr der Aufgabe ist groß. Und wer gibt schon gerne auf.
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