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Produktinformation
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Ineinander und miteinander verwoben sind die Erzählstränge -- die erzählenden Personen wechseln ständig oder die Erzählerin greift ein -- ohne Rücksicht auf den Leser. Erzählt wird eine Geschichte der Brutalität, der "Gier", der Vereinnahmung bis zum Tod. Wobei sich diese beiden Begriffe -- Frauen und Häuser -- derart ineinander verweben und zu austauschbaren "Objekten" werden, dass die Erzählerin oft selbst nicht mehr unterscheiden kann, von welchem der beiden Begriffe sie eben erzählt. Der Mann als besitzergreifender Eindringling in Häuser und Frauen, der Mann aber letztlich auch als Opfer seiner Umgebung, des -- kaum angedeuteten -- politischen Umfeldes, der neuen Gesellschaft, in der Besitz wichtiger ist als alles andere. Nicht zuletzt dokumentiert Jelinek mit der Beschreibung des Baggersees, in dem die Leiche der 16-jährigen Gabi liegt -- einer der eindringlichsten Teile des Romans -- den Zustand der Gesellschaft dieses Landes.
Ein schwer lesbarer Roman, ein "stilloser" Roman, der dem Leser einiges abverlangt, der jegliche humane Einstellung bewusst im Keim erstickt, der die Menschen als Täter und Opfer zeigt, und der letztlich dem Leser keinerlei Spielraum lässt -- zu eindringlich und despotisch zeichnet er die Wirklichkeit. --Lisbeth Legat
So ist eben auch dieses Buch. Der Leser hat immer wieder die Neigung, es in die Ecke zu werfen, sich angewidert abzuwenden. Wenn man es nicht tut, so wird man nicht fröhlich von diesem 'Unterhaltungsroman'. Er unterhält nicht. Vielleicht ist der Autorin dadurch die eindringlichste Gesellschaftskritik gelungen, die man verfassen kann. Literatur, die sich mit menschenunwürdiger Existenz und dem Verschwinden jeglicher Emotion aus einer gesellschaftlichen Situation auseinandersetzt, sollte eben diese Qualitäten auch aufweisen. Sie sollte menschenunwürdig, emotionslos und anödend sein. Dabei muß man sagen, daß Jelinek durchaus auch 'unterhaltsame' Passagen in ihr Werk einbaut. Diese sind in gewohnter Art bitterböse und manchmal auch wirklich komisch. Dieser Effekt verstärkt sich durch die Trostlosigkeit des Buches, in die er eingebettet ist, nochmals. In die verworrene Handlung webt die Jelinek dabei einen Tatbestand, der an Grausamkeit und Ekelhaftigkeit kaum zu überbieten ist.
Warum sollte man das Buch dann lesen? Vielleicht weil es sich hier um ein 'herausgewürgtes' Stück Literatur (Zitat E. Jelinek) handelt, das auch den Leser zu Brechreizen bringen kann und gerade dadurch ein Aha-Erlebnis ermöglicht. So wie dieses Buch ist, sollte das Leben nicht sein. Gott sei dank ist es zumeist auch nicht so. Um sich von der Verlogenheit der Kleinbürgerlichkeit abschrecken zu lassen, eignet sich das Werk. Wer das nicht möchte, sollte das Buch besser nicht lesen. Wer darin etwas von der eigenen Lebensauffassung erkennt, wird nach der mühsamen Lektüre von 'Gier' froh sein, durchgehalten zu haben, trotz aller Langatmigkeit und gelegentlicher erzählerischer Schwächen. Ein gewagtes literarisches Expiriment, mit allen damit verbundenen Risiken, daher aber doch die Mühe wert, denn man sollte sich nie darüber wundern, was es im 'wirklichen' Leben so alles an Abscheulichkeiten gibt.
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