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Gielen Dirigiert Mahler, Berg und Schubert
 
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Gielen Dirigiert Mahler, Berg und Schubert [Doppel-CD]

Michael Gielen , Soswr , Gustav Mahler Audio CD
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Komponist: Gustav Mahler
  • Audio CD (20. August 2001)
  • SPARS-Code: DDD
  • Anzahl Disks/Tonträger: 2
  • Format: Doppel-CD
  • Label: Hänssler (Naxos Deutschland Musik & Video Vertriebs-)
  • ASIN: B00005O7YM
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 320.997 in Musik (Siehe Top 100 in Musik)

Disk: 1
1. Symphony No. 6 in A minor (Movements 1-3) - Mahler
Disk: 2
1. Symphony No. 6 in A minor (Movement 4) - Mahler
2. Three Pieces for Orchestra Op. 6 - Berg
3. Andante B minor - Schubert

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Torso des Ganzen 20. September 2010
Von Rolf Blatzheim VINE™-PRODUKTTESTER
Unter der Vielzahl an Einspielungen hat man die Qual der Wahl. Doch was quält einen, wonach sucht man ? Das keine Aufnahme alle Kriterien berücksichtigen kann, förderte seit je her die lebendige Kultur auf Schallplatte und vorrangig im Konzertsaal. Ich suchte nicht das Ultimative, das Nonplusultra -: es war Transparenz. Jene Durchsichtigkeit, welche die Plastizität der harmonischen Strukturen, auch des Kontrapunkts, offen(er) legt.

Der Orchesterklang ist durchweg schlank und geradlinig, ohne die Akzente bewusst auf eine kammermusikalische Lesart zu legen. Viele Details des harmonischen Geflechts offenbaren sich, die bei zu energiegeladenem Zugriff (1. Satz, Allegro ma non troppo - heftig aber markig) auf der Strecke bleiben oder in den Hintergrund treten. Das mag manch einem, der emotionsgeladenen Mahler gewohnt ist, als zu klein geraten vorkommen. Aber Druck aufbauen ist nicht alles bei Mahler. Das Unerbittliche und der Schmerz spricht vom Anfang bis zum Ende stark genug aus den Noten und Gielen spielt es aus, macht es greifbar.

Das Scherzo verkörpert oder atmet Verschwiegenheit, die Klimax bleibt gedämpft. Das erste Trio bleibt elegant mit schöner Phrasierung, doch der Übergang zum zweiten Trio wird durch eine dabei um einen guten Halbton verstimmte Pauke gestört. Die Musik dieses Livemitschnitts, mit einigen gravierenden Schwächen besonders im Scherzo (Hörner, Trompete, Oboen und Pauke), ist in ständiger Bewegung, organisch und in den einzelnen Passagen immer wieder voller unerhörter Details und damit eine Einspielung, welche die Gleichzeitigkeit der Vorgänge in der Partitur über das Orchester am deutlichsten herausarbeitet. Jedoch geht Gielen mit den Ritardandi (zumindest im Scherzo) bis an die Grenzen des Möglichen, um nicht zu sagen des Erträglichen. Da gerade im Scherzo dem Orchester instrumentales Raffinement und Finesse fehlen, wirken sich diese Ritardandi m. E. einigermaßen fatal aus.

Im Andante gewinnt die Aufführung wieder an Schwung, nimmt Schritt auf, getragen von einem warmen, pastoralen Tableau des Orchesters. Gielen baut einen großartigen Höhepunkt auf. Er ist nicht der Mann reinen Schönklangs und doch gibt es, um mit Thomas Mann zu reden, ein eher strenges Glück. Man muss es erkennen - und auch annehmen. Klar wird bei dieser Aufnahme: hier spricht der geborene Dialektiker mit einem persönlichen Verweis auf das Erbteil jüdischen Widerspruchsgeistes. Das sollte man berücksichtigen, wenn man sich für Gielen entscheidet.

Das Finale beginnt aufrührerisch und düster, woran sich der entwickelnde Marsch mit Gewicht und Wucht, wunderbar betont mit nachdrücklicher Schärfe in den mehrstimmigen Figuren und Ebenen der Partitur, gemessenen Schrittes fortsetzt. Ein hoch emotionales Dahinströmen in den kurzzeitigen lyrischen Abschnitten unterstreicht die doppelbödige Euphorie der Musik bis zur unausweichlichen Tragödie des Hammerschlags, der hart, durchdringend und mächtig ist. In dieser Diktion nimmt das Finale seinen schlüssigen Verlauf, dank Gielens langem Atem und seiner Tiefensteuerung aller musikalischen Prozesse.

Die Unteilbarkeit der Musik teilt sich auch im weiteren Programm der Doppel-CD mit. Mit Alban Bergs drei Orchesterstücken op. 6 schafft Gielen die geistige und atmosphärische Anknüpfung an den schweren, aufgeladenen Kosmos von Mahlers 6. Symphonie, die das Orchester in einer eindrucksvollen, klangsinnlichen Wiedergabe umsetzen.

Den Abschluss bildet ein Andante in h-moll, das der konzipierten 10. Symphonie Schuberts zugeordnet wird. Die Realisation bzw. der Kunstgriff, diesen Satz aufführbar zu machen, will von Brian Newbould lediglich als Spielfassung oder Aufführungsversion für den Konzertsaal verstanden wissen. Dabei kann, darf oder soll sich die Frage gestellt werden, ob sich Mahlers Wurzeln in Schuberts Spätstil herauslesen lassen. Um das festzustellen, bedarf es jedoch mehr als nur des kontrollierenden Ohrs, wenngleich das hier realisierte Fragment D 936a in seinem langsam marschierenden Redefluss und Tonfall tatsächlich den Bezug zu Mahler erlaubt. Der etwa zehnminütige Satz ist hervorragende Musik, die bereits an einen späten, ganz entspannten Robert Schumann erinnert und (für mich persönlich) an Modernität und Reife ihres Stils Schuberts große C-dur-Symphonie (D 944) in diesem Moment überholt ... was natürlich unter keinen Umständen eine qualitative Wertung ist, jedoch eine Charakterisierung. Es ist unglaublich, in welchen Parallelen sich Schubert bereits unabhängig voneinander in seinen letzten Lebensmonaten bewegte.

Das dieses Fragment D 936a als Abschluss der Konzept-CD gewählt wurde, ist ein großartiger Einfall gewesen und belohnt den Hörer mit dem Auftoßen einer weiteren Tür. Was ist die Ausgangslage dafür ? Man kann als gesichert annehmen, dass eine zunehmend strenger werdende Selbstkritik, wie sie in der Fachliteratur besonders für die letzten Lebensjahre Schuberts bekräftigt wird, den Anteil an Fragmenten erhöht hat. Es kann aber auch Phasen gegeben haben, in denen Schuberts stilistische Entwicklung so rasch fortgeschritten ist, dass umfangreichere Werke, deren Ausarbeitung sich über einen längeren Zeitraum erstreckte, noch vor der Fertigstellung gegenüber seinen aktuellen musikalischen Vorstellungen bereits überholt waren. Besonders die Symphonie-Fragmente, die als unfertige Klavierskizzen erhalten sind, werden in der Fachliteratur immer wieder genannt. Besonders das hier eingespielte Fragment D 936a weist auf eine Weiterentwicklung des symphonischen Konzepts von bis dahin unbekannter und zukunftsweisender Art hin. Die Frage, ob Schubert gerade dieses Fragment zu einer neuen Symphonie ausgearbeitet hätte, sofern er die Erkrankung im Herbst 1828 überstanden hätte, wird immer im Dunkeln bleiben.

Die Gesamtproduktion dieser CD enstpricht dem sinnfällig gewählten Cover, das van Goghs Torso zeigt. Trotz einiger Schwächen im orchestralen Bereich gebe ich 5 Sterne, da von Retuschen und kosmetischen Eingriffen abgesehen wurde und der Mut, alles "so zu zeigen wie es ist", in Zeiten wie diesen und vor dem Hintergrund großer Wahlmöglichkeiten, ausgezeichnet werden sollte. Booklet und Klangbild sind tadellos.
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