Das Buch ist so schlecht, dass es eigentlich unfassbar ist.
Die Autorin und ihr Freund fahren um die Welt, angeblich um den besten Platz zum Leben zu finden. Dabei suchen sie in jedem Land nur Deutschland mit besserem Wetter. Man erfährt wenig über die Länder, dafür viel über die Autorin. Alles, was ihr fremd anmutet, findet sie schlecht.
Beispiel Indien: Die Religionsriten stoßen sie ab („unglaublicher Glaube"). Von einer näheren Betrachtung keine Rede. Wenn ihnen fremde Menschen zuwinken, empfinden sie das als Belästigung („Was wollen die denn schon wieder"). Als ein junger Mann namens Vinod sie zu sich einlädt, wird es dann besonders eklig.
Vinod wohnt mit seiner siebenköpfigen (!) Familie in einer acht Quadratmeter (!) kleinen Bruchbude. Für umgerechnet 600 Euro könnte Vinod in eine größere Wohnung ziehen. Zitat: „Er spart jede Rupie dafür." Autorin und Freund werden zu Getränken eingeladen, und sie bekommen eine Kette geschenkt. Beim Abschiednehmen fragt der junge Mann den Freund der Autorin, ob er ihm seine Kontonummer geben dürfe. „Falls es bei uns mal richtig bergauf geht, und wir denken, er habe uns Glück gebracht", zitiert die Autorin Vinod. Dann fährt sie fort: „Also doch, denke ich. Und bin enttäuscht, weil ich mich schon wieder in die Goldeselecke gestellt fühle.... Mein Problem ist, dass eine Summe, die ich leicht entbehren könnte, sein Leben verändern würde. Ich fühle fast schon die moralische Verpflichtung, zu helfen. Nicht aus dem Herzen, sondern aus dem Kopf. Einem Freund würde ich ganz sicher helfen, aber Vinod ist noch nicht mein Freund. Und eine solche Konstellation ist leider auch nicht freundschaftstauglich. Womit wir mal wieder bei dem wären, was Indien als perfekten Platz verbietet: das enorme Ungleichgewicht im zwischenmenschlichen Bereich."
Wäre Vinod nicht so arm, hätte er ein Freund werden können. Dann hätte die Autorin ihm eventuell auch geholfen. Obwohl Vinod es dann ja nicht nötig hätte.
Die Autorin, die sich eine Reise um die Welt leisten kann, empfindet „fast schon moralische Verpflichtung", zu helfen. Dass sie ihren Gastgebern - deren Einladung sie gerne annahm - dann doch nicht mit wenigstens ein paar Rupien unter die Arme greifen kann, liegt an dem „enormen Ungleichgewicht im zwischenmenschlichen Bereich". Im zwischenmenschlichen Bereich also. Es ist schon schlimm, wenn einem im Urlaub solche Armut geboten wird.
Am Ende des Indien-Kapitels wird sie aber fast mit Indien versöhnt, als ihr der Besitzer einer Bar an einem Traumstrand sagt: „Ich bin von dieser Welt so gelangweilt. Ich glaube, ich muss was anderes machen". Die Autorin: „Was mir daran gefallen hat? Es könnte auch ein Satz sein, den eine Freundin oder ein Freund an einem Bartresen äußert. Zu später Stunde. Oder einfach nur so. Damit hätte ich einfach nicht mehr gerechnet." Sie hat in Indien doch noch jemand getroffen, der sie an zu Hause erinnert.
Wie gesagt: Das Buch ist so schlecht, dass es eigentlich unfassbar ist.