Giacomo Puccini (1858 - 1924): Tosca (Gesamtaufnahme). Ausführende: Maria Callas (Floria Tosca); Giuseppe di Stefano (Mario Cavaradossi); Tito Gobbi (Baron Scarpia); Franco Calabrese (Cesare Angelotti); Angelo Mercuriali (Spoletta); Melchiorre Luise (Messner); Dario Caselli (Sciarrone und Gefängniswärter); Alvaro Cordova (Hirtenjunge); Chor und Orchester des Teatro alla Scala (Einstudierung: Vittore Veneziani); Gesamtleitung: Victor de Sabata. Aufnahme: August 1953 im Teatro alla Scala, Mailand. Produzent: Walter Legge. Ursprünglich veröffentlicht auf LP als Columbia 33CX 1094/1095.
Die vorliegende Ausgabe wurde von Mark Obert-Thorn von frühen LP-Ausgaben überspielt und digital bearbeitet. Herausgegeben 2004 als Naxos 8.110256-257.
Puccinis "Tosca" ist vielleicht die bekannteste und beliebteste Oper des "Verismo". Und diese 1953 aufgenommene Mono-Einspielung mit Maria Callas als Tosca und einer absolut phänomenalen Besetzung der männlichen Rollen zählt sicher zu den am meisten verkauften und gehörten Opernaufnahmen der Welt. Die Rechte an der Aufnahme hielt die EMI, das Copyright ist jedoch abgelaufen, so dass auch Naxos seit einigen Jahren berechtigt ist, eine Ausgabe auf den Markt zu bringen. Die Rechtfertigung dafür steckt in der "Producer's Note", die ich hier übersetzen und im vollen Wortlaut wiedergeben möchte:
"Diese klassische Aufführung, möglicherweise die beste Studioaufnahme einer gesamten Oper, die jemals gemacht wurde, ist im Verlauf der vergangenen 50 Jahre niemals aus dem Katalog verschwunden, sondern ist in verschiedenen Formaten immer wieder neu aufgelegt worden. Wie jedoch der Callas-Gelehrte Dr. Robert E. Seletsky angemerkt hat, war keine einzige der bisherigen Auflagen, auch nicht die neueste CD-Übertragung in der EMI-Serie 'Great Recordings of the Century', von Mastering- oder Editierproblemen frei. Auf den ursprünglichen LPs schwankte die Tonhöhe zwischen, manchmal sogar innerhalb der einzelnen Seiten. Bei den drei CD-Ausgaben der EMI wurden einige Probleme in der einen Ausgabe korrigiert und in der nächsten wieder hergestellt, während sich weitere, neue Editierfehler einschlichen (z. B. die Einführung der drei 'Marios' beim ersten Auftritt der Tosca im ersten Akt auf den ersten Pressungen der 'Callas Edition'). Die neueste 'Great Recordings of the Century'-Übertragung machte die Probleme nur noch schlimmer dadurch, dass die Tonhöhe hörbar zu niedrig angesetzt wurde, ein Irrtum, der nicht nur der Laufzeit dieser verhältnismäßig kurzen Oper anderthalb Minuten hinzufügte, sondern gleichfalls des Hörers Wahrnehmung der Tempi bzw. der Vokaltimbres beeinflusst. Für die vorliegende Überspielung organisierte ich nicht weniger als zehn ganze LP-Sets und verbrachte fast acht Wochen damit, sie mir anzuhören, sie miteinander zu vergleichen und das Projekt neu zu überarbeiten, solange bis ich mit den Ergebnissen zufrieden sein konnte" - Mark Obert-Thorn.
Es ist also eine Ausgabe entstanden, die zu einem günstigen Preis den größtmöglichen Genuss verspricht, und sobald man sich an den etwas betagten, aber dennoch recht guten Monoklang gewöhnt hat, kann man in einer sängerischen Leistung schwelgen, die tatsächlich wohl ihresgleichen sucht. Eine bessere Tosca als Maria Callas kann man sich kaum vorstellen, aber auch di Stefano und Gobbi erfüllen allerhöchste Ansprüche. In seinem einleitenden Text weist David Patmore auf den Perfektionismus de Sabatas hin, der den Schluss des ersten Akts sogar 30mal aufnehmen ließ, ehe er sich zufrieden gab.
Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Um Geld zu sparen, verzichtet Naxos auf eine Wiedergabe des Librettos und drückt im dünnen Beiheft nur eine knappe englischsprachige Inhaltsangabe ab. Ein (nur) italienisches Libretto, das sich nur mühevoll ausdrucken lässt, gibt es auf der entsprechenden Webseite gut versteckt; wer sich wirklich in diese faszinierende Musikwelt vertiefen möchte, täte gut daran, sich das viersprachige Libretto auszudrucken, das an anderer Stelle im Internet als PDF-Datei zum Downloaden bereit steht.