Endlich, endlich!! Nun gibt es eine Tosca, bei der der etwas konservativere Opernfreund, der sich nicht dem Diktat des heutigen Regietheaters unterwirft und noch Freude an schönen Inszenierungen hat, voll auf sein Kosten kommt und nicht auf die verfilmten Opern zurückgreifen muss. Die eventuelle Befürchtung, dass sich ein Mitschnitt aus Verona vielleicht im großen Rund verlieren könnte, trifft nicht zu und man muss der Videoregie allerhöchste Achtung zollen, wie sie personenbezogen eine unheimliche Dichte des Geschehens aufgezeichnet hat und nur dann in die Totale geht, wenn es der Oper nicht abträglich ist, also beim Tedeum am Schluß des 1. Aktes oder bei Szenen auf der Engelsburg. Ansonsten gibt es ein Drama zwischen den 3 Hauptpersonen zu sehen, dass bereits ohne Musik hervorragend wäre.
Aber was musikalisch und sängerisch geboten wird, krönt diese Aufführung und macht sie zu einem unerhörten Erlebnis. Eva Marton als Tosca ist eine liebende, leidende und eifersüchtige Frau, die so intensiv in ihrer Rolle aufgeht, dass man sagen könnte, sie singt nicht die Tosca, nein, sie ist die Tosca, was man bisher eigentlich nur von Maria Calles gesagt hat. Da stimmt die Mimik, da sitzt jede Geste und natürlich jeder Ton und wenn sie im 2. Akt ihrem Gegenspieler Scarpia gegenübertritt, dann sprühen die Funken. Da stehen stehen sich zwei ebenbürtige Sänger (großartig IngvarWixell als Scarpia) und Schauspieler gegenüber. Die große Arie der Tosca: Vissi d'arte, ist nicht nur schöner Belcanto, nein, sie ist wirklich das Gebet der Tosca und kann zu Tränen rühren. Giacomo Aragall als Cavaradossi ist ein ebenbürtiger Partner und sicherer Ritter des hohen C, was das animierte Publikum in der Arena gebührend zu feiern weiß und zwar nicht erst bei: E lucevan le stelle. Auch das große Duett Floria/Cavaradossi im 1. Akt gehört mit zu den Höhepunkten dieser Aufführung.
Die Regie beschert uns eine Oper von ungeheurer Intensität und bleibt trotzdem dem Libretto und dem Ursprung, also das es sich um ein Werk von Puccini handelt, treu. Da wird nichts umgedeutet, nichts hinzuerfunden oder den Sängern Unmögliches abverlangt. Hier wird uns Oper im allerschönsten Sinne vor Augen und Ohren gebracht. Die Augen werden auch wahrlich verwöhnt in dem sehr gelungenen Bühnenbild, dass trotz der Größe für die Arena auch ins Detail geht und es ist natürlich selbstverständlich, dass die Kostüme bis auf die letzte Naht detailgetreues Empire sind. Alleine Toscas Kleid im 2. Akt ist eine Augenweide.
Fazit: Es ist ein Operfest für alle Sinne und wer sich für die ursprüngliche Aufführungspraxis begeistern kann, kommt hier voll auf seine Kosten, aber auch allen anderen sei gesagt, so schön kann Oper sein.