In der Halloween-Nacht des Jahres 1992 sendete BBC eine Sendung mit dem Namen "Ghostwatch". Das Programm war regulär als Dokumentation in den Zeitungen angekündigt worden, und wurde zur regulären Hauptsendezeit ausgestrahlt.
Die Sendung wurde als eine Live-Reportage aus einem Spukhaus präsentiert, die schreckliche Außmaße annimmt; und obwohl wenig später enthüllt wurde, dass es sich dabei um einen Scherz handelte, löste der Film eine Panik aus, die nur mit Orson Welles "Krieg der Welten"-Hörspiel von 1938 zu vergleichen wäre..
Die Sendung war bis aufs letzte Detail professionell: Das betroffene Spukhaus lag in einem vollkommen durchschnittlichen englischen Vorort; das komplette BBC-Team, das dem englischen Zuschauer schon jahrelang vertraut war, war vor Ort, und während der Sendung wurde immer wieder eine Telefonnummer eingeblendet, unter der der Zuschauer seine persönlichen Geistererlebnisse berichten konnte.
Durch Interviews mit den Hausbewohnern, Nachbarn sowie der Auswertung von Filmaufnahmen aus dem Haus, kamen die Reporter dem Phänomen auf die Spur: Ein böser Geist namens "Pipes" (von der Familie so getauft weil er an den Heizungsrohren klopfte).
Im Laufe des Programms werden "Pipes" paranormale Aktivitäten immer offener und furchteinflößender: Von Geräuschen bis hin zu fliegenden Gegenständen bis hin zu tatsächlicher körperlicher Manifestation. Bis zum Schluss offensichtlich wird, dass die Reportage (und die Aufmerksamkeit von Millionen von Menschen, die sie an den Fernsehschirmen verfolgten) die Wirkung einer Seance hat, durch die "Pipes" gewaltige Kräfte erreicht hat; am Schluss die BBC-Studios heimsucht, und nun auf Großbritannien und die ganze Welt losbricht.
Die öffentliche Reaktion auf "Ghostwatch" war beispiellos: Noch am selben Abend gingen in ganz England Anrufe bei der Polizei ein, in der sich Anwohner nach den Vorkommnissen in London erkundigten; Eltern brachten ihre Kinder ins Krankenhaus, weil sie eine Traumatisierung befürchteten; die BBC wurde mit wütenden Anrufen und Protestbriefen bombardiert - selbst für den späteren Selbstmord zweier Teenager wurde das Programm verantwortlich gemacht.
Dieser Film hat nichts mit "Fear", "ScareTactics" oder anderen unreifen MTV-Produktionen zu tun: Bis zur Hälfte passiert fast überhaupt nichts, bis plötzlich im Haus (und im Studio) die Hölle losbricht. Obwohl sich gewisse Unterschiede in der Machart von heutigen Dokumentationen feststellen lassen und man gerade durch das Vorwissen, dass es nicht echt ist, schon vorgewarnt ist, bleibt diese Amateurproduktion immer noch sehr verstörend und realistisch. Bevor man sich also den x-ten Schlitzerfilm kauft, sollte man "Ghostwatch" unbedingt eine Chance geben; denn dieser Film hat nicht nur eine ganze Nation in Panik versetzt - er wurde auch bis heute niemals wieder im Fernsehen gezeigt.
Als Extras gibt es ein Booklet, das die Vorgeschichte der Produktion erzählt, sowie einen Audiokommentar.