"Soon..." so war Trents Aussage auf seiner nin.com und keiner wusste genau worum es geht. Meinte er das Ende der Welt oder die bevorstehende Präsidentschaftswahl in Amerika?
Bekannt war nur, dass er an neuem Material für ein neues Album arbeitet. Doch dann plötzlich, sowie unerwartet, erscheint auf der Homepage das neue Album "Ghost I" und lässt alle Server abstürzen, da das ganze noch zum eher lächerlichen Preis von 5$ angeboten wurde (als Download).
Aber was verbirgt sich letztendlich hinter diesem mysteriösen Album?
Ich wage es zu behaupten, dass es sich um das emotionalste Werk von Nine Inch Nails handelt. Wir erfahren 2 Stunden lang die pure Essenz von Trents Kreativität, die uns teils in melancholische, verspielt komplexe und wiederum einfache Welten führt. Es herrscht in der Tat ein Kontrast von Liedern, die sehr einfach gestrickt sind und auf dem Prinzip des Ostinatos aufgebaut sind. Andere Lieder sind anspruchsvoller, bauen auf Intensität und bilden einen riesigen Spannungsbogen um am Ende wieder aufgelöst in das nächste "Bild" zu münden. Die rein instrumentale Komposition lässt dem Zuhörer viel mehr Spielraum, er interprätiert jedes Lied nach seinen Vorstellung und seiner Gefühlslage. Man könnte sagen, dass es zu unseren alltäglichen Tagträumen jetzt einen Soundtrack gibt.
Erfreulich ist die Vielfältigkeit der auftretenden Genres wie Electronica, Rock, Minimalistic music, Industrial und noch mehr.
Was aber NIN Freunde am meisten befriedigen dürfte ist die große Anzahl an Klavierpartien auf dem Album. Hier wurden gleich mehrere Stücke dem Instrument gewidmet, durch welches Reznor seine Gefühle am besten kanalisieren dürfte. Diese Affinität war schon vorher stark ausgeprägt, da auf fast jedem Album eigentlich ein Klavierstück dabeisein musste ("The Frail", "Something I can Never Have", "Right Where It Belongs" etc.). Jetzt durfte er sich ein bisschen mehr austoben, da das Konzept es ihm erlaubte.
Irgendwie faszinierend. Damals mussten NIN- Anhänger in regelmäßigen 5 Jahresabständen auf ein neues Album warten und jetzt erleben wir Herrn Reznor in einer neuen Blütezeit des Schaffens, die noch anscheinend lange anhaltend wird. Ich bin froh diese Zeit erleben zu dürfen.
Ich gebe dem ersten Teil der Ghost Serie 5 Sterne. Die höchste Punktzahl für eine Band, die es schafft in der heutigen Zeit ehrliche und gute Musik zu machen.