Bis auf einen einfallsreichen Schluss, der eine völlig andere Richtung einschlägt, wird ein Film nach einem altbekannten Schema präsentiert, das Regisseur Kim Tea-Gyeong aber konsequent umzusetzen vermochte und so einen wirklich gelungenen Beitrag inszenierte, der sich nicht hinter Interner Link"Ring" und Co. zu verstecken braucht. Auch wenn eben zu Anfang die Geschichte nach einem typischen Strickmuster aussieht, indem Geister mit langen schwarzen Haaren scheinbar ahnungslose Schülerinnen in den Tod treiben, verbirgt sich in der Geschichte noch wesentlich mehr als die üblichen Klischees. Schon nach kurzer Eingewöhnungszeit zeigt sich die volle Kraft dieses koreanischen Werkes und lässt den Zuschauer in einen Strudel hinabtauchen, der weit mehr darstellt, als man es erwartet hätte.
Sehr ambitioniert geht Kim Tea-Gyeong vor und lässt seine Geschichte mit einer Geisterbeschwörung beginnen. Diese Eröffnungssequenz wird jedoch auf dem Höhepunkt unterbrochen, um den Credits Platz zu schaffen und den nächsten Handlungsabschnitt einzuleiten, der mit dem eben Gesehenen nichts mehr zu tun hat. Hierbei geht es um die junge Ji-won, die nach einem Unfall an Amnesie leidet. Immer wieder wird sie von Visionen heimgesucht, die scheinbar eine Antwort auf ihre Vergangenheit bereithalten. Zudem taucht der Name Su-in innerhalb ihrer nächsten Umgebung auf und scheint auch der Grund für die angsteinflößenden Situationen zu sein. Auch der plötzliche Tod mehrerer Mädchen an ihrer Schule scheint mit ihrer Amnesie in Verbindung zu stehen. Erst als sich das letzte Puzzleteilchen mit dem gesamten Bild vereinigt, wird die Wahrheit ans Tageslicht befördert.
Auch wenn gerade das Erscheinen der Geister in ihrer Machart nichts Neues bietet, wirken diese im Zusammenhang mit der Geschichte recht stimmungsvoll und sorgen für die eine oder andere Gänsehaut. Wiederum ist eine entstehende Gänsehaut auch der verdienst einer sehr guten Darstellerriege und des Regisseurs, die gekonnt das Drehbuch in Szene setzen. Weiter sorgt ein passender Score und platzierte Soundeffekte für eine stimmungsvolle und unheimliche Atmosphäre, womit schnell die vorhandenen Anleihen an diverse Vorbilder vergessen sind.
Kim Tea-Gyeongs "Ghost" ist weder ein einfaches Plagiat noch ein x-beliebiger Schnellschuss, der einfach darauf setzt als Trittbrettfahrer etwas vom Erfolg eines "Ring" oder "Pulse" abzubekommen, sondern funktioniert als eigenständiges und ambitioniertes Werk hervorragend in diesem Subgenre.