Lange ließ man die Fangemeinde des Kult-Animes Ghost in the Shell warten, doch nun ist es soweit: Teil 2 - 'Innocence' - ist auch im deutschen Sprachraum auf DVD erhältlich. Als großer Fan des ersten Teils habe ich sie schon Monate vor dem Release bestellt, um sie Zeitgerecht zu erhalten. Ich bereue es nicht.
Gleich in der ersten Szene wird deutlich, dass für Innocence ein wesentlich größeres Budget zur Verfügung gestanden haben muss. Malerische, durch neuste Computertechnik geränderte Bilder und Landschaften ziehen den Zuschauer sofort in den Bann der futuristischen Welt des Mamoru Oshii. Roboter einer bestimmten Produktionsserie fangen plötzlich und ohne ersichtlichen Grund an, ihre Besitzer brutal zu töten und danach 'Selbstmord' durch Zerstörung des eigenen Cyberbrains zu begehen. Da der Verdacht aufkommt, es würde sich hierbei um terroristisch motivierte Anschläge handeln, wird Sektion 9 damit beauftragt, der Sache nachzugehen. Hier treffen wir erstmals auf alte Bekannte - Batou, der, nach dem Verschwinden Motoko Kusanagis in den Weiten des Netzes, Togusa als neuen Partner zugeteilt bekam, ist auf dem Weg, einen der mordenden Roboter zu stellen, nachdem dieser zwei Polizisten zerfleischt hat. Man folgt den Sektionsagenten auf ihrer Suche nach Beweisen und Schuldigen, die sie durch ein altstädtisches Viertel, das, wie schon im ersten Teil, stark dem heutigen Hong Kong ähnelt, bis hin zu einem Bezirk der Gesetzlosen und einem riesigen stählernen Schiffswrack. Die Schauplätze wurden komplett mittels Computertechnik erstellt, was sehr beeindruckend wirkt - vor allem in einer Laden-Szene, bei der jedes einzelne Element, ob Regal oder Konserve, via Computer eingearbeitet wurde und so eine extreme Detailvielfalt vermittelt wird.
Generell kann man ohne Übertreibung sagen, dass Innocece, wie schon der inzwischen 11 Jahre alte erste Teil, in Sachen Animationstechnik einmal mehr Maßstäbe setzt. Ich habe bisher keinen Film dieser Art gesehen. Von den glanzvollen Texturen der Hintergründe abgesehen, wurde auch bei den Charakteren sehr auf die Liebe zum Detail geachtet. So sind die Cyborgs absolut emotions- und leblos in ihrem Ausdruck, während Menschen und, vor allem, Batous Hund, eine zentrale Figur innerhalb des Films, äußerst lebendig in Szene gesetzt wurden. Der Soundtrack ist für das westlicher Ohr etwas gewöhnungsbedürftig (mehr noch als beim Vorläufer), nach ein paar Minuten aber wird deutlich, dass die schrillen, exotischen Klänge die düstere, bedrückende Atmosphäre exzellent unterstreichen. Die Handlung ist - im krassen Gegensatz zur Serie 'Stand Alone Complex' - noch stärker auf philosophische Fragen bezogen als im Klassiker. Ob dies eine Art 'Rache' dafür sein soll, dass die Matrix-Triologie zahlreiche Elemente von 'Ghost in the Shell' kopiert hat, bleibt dahingestellt - gelungen sind die Ausführungen der Charaktere, speziell die des Hackers Kim, allemal.
Alles in allem ist Ghost in the Shell 2 - Innocence ein Effekt-gewaltiges Anime-Meisterwerk, das seinesgleichen sucht. Einzig Fans, die sich aufgrund des Action-lastigen 'Stand Alone Complex' schwere Feuergefechte erhofft hatten, werden enttäuscht, da der Schwerpunkt klar auf Seiten der philosophischen Interpretation gelegt wurde. Auch enthält die DVD ein ausführliches Making of und ein informatives Interview mit Mamoru Oshii. Ich kann also nur eine klare Kaufempfehlung dafür aussprechen.