In Hinsicht auf das neue Album 'Ghost Opera (Ltd.)' kann ich meinem Vorläufer nur widersprechen. Die Platte ist wahnsinnig gut inszeniert, und erst wenn man sie einmal komplett gehört hat, kann man verstehen, worauf das Intro versucht, vorzubereiten: Auf ein sehr experimentierfreudiges Kamelot. Kein Fan kann meines Erachtens nach behaupten, 'Ghost Opera' unterscheide sich nicht wesentlich von allen anderen Kamelot-Alben, und so bezweifle ich kaum, dass es bei Kritikern mehr oder weniger gut ankommt, je nachdem, welcher Geschmack getroffen wird. Mich als begeisterten Kamelot-Hörer hat das Album jedenfalls schon nach dem 1. Anhören überzeugt. Es ist anders, jawohl: melancholischer, ja auch düsterer - für manche vielleicht depressiv gehalten, kann ich nicht behaupten - und es geht auch wieder etwas mehr in die progressive Richtung - was dafür spricht, dass sich die Songs mehr ähneln als bei den vorigen Alben. Erstaunlich, da z.B. 'The Black Halo' ein Konzeptalbum war und trotzdem längst nicht so lückenlos aufeinanderpasst wie das neueste Album. 'Ghost Opera' kann man kaum mehr mit den früheren Kamelot-Alben vergleichen, denn hier wurde hörbar neue Innovation reingesteckt. Kamelot presst sich nicht eine bestimmte Metalsparte hinein, und genau das gefällt mir so an dieser Band, denn sie sind wandelbar und flexibel. 'Ghost Opera' ist in der Tat komplexer als seine Vorgänger, aber das macht es niemals schlechter. Wie die Melodien haben sich übrigens auch die Texte verändert: Manche würden sagen, mehr Klischée und Kitsch, andere würden sagen, tragischer, schwerer. Zur Wertung an sich:
1. Solitaire: Wie gesagt, wenn man das Album schon einmal komplett gehört hat, wirkt es mehr, wie ich finde. Wunderschönes instrumentales Violinenintro, das gleich die Stilrichtung dieses Albums unterstreicht - mehr Epik, dafür weniger Geschwindigkeit. 5 Sterne
2. Rule the World: Das Intro knüpft nahtlos an: Und dieses Lied ist wahrhaftig grandios - vor allem die Melodie ist dabei hervorzuheben, und man merkt, dass es mehr darum als um Khans Stimme geht. Schöne orientalisch angehauchte Klänge in Midtempo. 5 Sterne
3. Ghost Opera: Ich kann nicht mehr genug von diesem Song bekommen, Woche für Woche höre ich ihn rauf und runter. Ergreifender Sinn (mir scheint, mein Vorgänger hat diesen nicht ganz verstanden), grandiose Melodie mit dem gewohnten Speed der Band - hier wird Power Metal mit Symphonic verbunden. 5 Sterne
4. The Human Stain: Ein Song über die Dummheit der Menschen. Ist wirklich so, und ich finde es toll, wie solche Überlegungen von Songwritern rübergebracht werden. Auch hier gut gelungen, aber kein Meilenstein innerhalb des Albums. 4 Sterne
5. Blücher: Beginnt mysteriös mit gedämpften Stimmen und Motorengeräusch, öffnet sich in eine Melodie, die mehr verspricht und mehr gibt. Wunderschöner Song. Die Bedeutung des Textes kann ich nach 2x Durchhhören nicht sagen, Blücher an sich hat viele Bedeutungen... aber es spielt wohl eindeutig in einer Zeit des Krieges.
6. Love you to Death: Spätestens hier scheiden sich die Geister, würde ich sagen, denn ich kann mir vorstellen, dass vielen bei diesen Lyriks nur noch der Gedanke kommt: Kitsch! Dabei liegen sie auch nicht unbedingt so falsch. Eher ein Ausnahmetext Kamelots, behaupte ich mal. Trotzdem mag ich das Lied, da ich es mit etwas Persönlichem verbinde. 4 Sterne
7. Up trough the Ashes: Vor allem bei diesem Song wird meiner Meinung nach deutlich, dass 'Ghost Opera' einen experimentierfreudigen Eindruck überbringen soll. Lied des 'schweren Typs', hinter dem viel Epik steckt. Es hätte aber länger sein können ;-) :p 4 1/2 Sterne
8. Mourning Star: Bedeutungsgeschwängerter Chor, der in eine etwas flottere Nummer übergeht, hinter der die Epik steckt, mit der man sich inzwischen bestens angefreundet haben müsste, wenn der Typ des Albums zusagt. Hier gibt Thomas mal wieder so'n bissel an ;-) 4 1/2 Sterne, da nicht ganz ausgereift
9. Silence of the Darkness: Eine eher typische Nummer Kamelots, die im Tempo stärker wechselt. Geht auch wieder mehr ins Ohr rein. 4 1/2 Sterne
10. Anthem: Tja, was soll man dazu noch groß sagen... Roy Khan hat es für seinen kleinen Sohn geschrieben, und wenn man das weiß, ist der Song einfach nur noch schön... 5 Sterne
11. EdenEcho: Beginnt eher ungewöhnlich, und genau das macht den Song so besonders. Übrigens wieder ein etwas Klischée behafteter Text ;-) Aber nichtsdestrotrotz find ich ihn einfach super. 5 Sterne
12. The Pendulous Fall: Hm... was soll ich dazu sagen. Ich find ihn nicht sehr berauschend, ist auch wirklich ein sehr untypischer Song, der irgendwo im Metal-Bereich "rumpendelt". Der einzig schwache Song des Album. 3 Sterne
Metal ist nicht dazu da, um Ohrwürmer zu produzieren - ich unterscheide da generell, denn oft entstehen Ohrwürmer einfach, weil es so beabsichtigt ist (---> Pop Musik), und die "richtigen" entstehen dadurch, dass man die Musik liebt und sich in sie hinein fühlt. Metal ist dazu da, um mit dieser Musikrichtung zu begeistern und langwierig in den Bann zu ziehen. Und wenn man sich ein bisschen auf 'Ghost Opera' einlässt und Kamelot nicht als reine Power/Progressive Metal Band abschreibt, wird man schnell einsehen, wie komplex gut dieses Album doch ist, mit seinen nicht vielen aber wahnsinnig gut platzierten Glanzpunkten. Was die Länge angeht, muss ich meinem Vorgänger allerdings Recht geben: Es ist wirklich etwas kurz, aber Karma z.B. war strenggenommen auch nicht viel länger, wenn man die sinnlosen Minuten von 'Fall from Grace' abzieht ;-)
Unbedingt anhören:
Ghost Opera selbst
Blücher
Rule the World
5 Sterne