Der wunderbar unspektakuläre Videoclip zu "I Sing I Swim" tauchte vor ein paar Wochen auf meiner Facebook-Startseite auf - ein Freund war so nett. Ich war auf der Stelle hin und weg und bestellte mir ohne Umwege oder weiteres Reinhören die beiden erhältlichen Seabear-Alben. So was passiert mir äußerst selten. Was mir noch nie passiert ist, ist, dass mich Musik derartig einnehmen kann, unspektakulär, wie sie ist. "The Ghost That Carried Us Away" ist schon über vier Jahre alt, war aber - wie so vieles - spurlos an mir vorüber gegangen. Schon von der Gestaltung her eher kindlich-naiv und gleichzeitig so cool, wenn man irgendein Hochglanzprodukt aus den Charts daneben stellt. Und ebenso verhält es sich mit der Musik. Das wurde in den Rezis vor mir ja auch schon schön beschrieben: Akustische Instrumente, Glockenspiel, Geige, Mundharmonika, Gitarre, Bass, dezentes Schlagzeug, nie aufdringlich, aber gleichzeitig so präsent akzentuiert, als wäre jeder Ton, jedes Geräusch genau da, wo es immer hingehörte. Darüber die warme Stimme des Sängers und Dichters, der von Bäumen und Eulen und Bergen und Laub und Spuren im Schnee und traumlosen Nächten und Füchsen und Vögeln singt, von dunklen Meeren und Sommern und Schiffen in Flaschen und abfallenden Blättern, die den Fluss hinabtreiben. Da es keine offiziellen Songtexte gibt, wird im Internet heftig um einzelne Wörter diskutiert, was ich heute erst mitbekommen habe. Vorher habe ich mir um die Texte kaum Gedanken gemacht, geschweige denn genau hingehört. Auf jeden Fall sind sie vielfältig interpretierbar, weil in Bilder verpackt, aus denen sich jeder selbst einen Reim machen kann. In schönen Bildern, die Lebendiges erzählen, wo es zwitschert und glitzert und atmet.
Für mich ist das die pure Entschleunigung. Mit Seabear auf den Ohren kann ich durch den alltäglichen Großstadtverkehr laufen und selbst im größten Gedränge die Ruhe selbst sein. Als wäre ich umnebelt von einer Wolke, die allen Stress einfach ausblendet. Oder auf dem Sofa liegen und glücklich sein.
"When the birds are sleeping
That's when the trees sing"