Nachdem ich im hiesigen Monatsmagazin eine Kritik zu den "Ghana-Briefen" gelesen habe, habe ich das Buch kurzerhand auf Verdacht bestellt, weil ich selber gerne verreise und man von Afrika ja im allgemeinen nicht viel zu hören kriegt (bis auf die Nachrichten über Hunger und Krieg natürlich). Hier mein Kompliment - dieser Autor hat es tatsächlich geschafft, mich von Anfang bis zum Ende zu fesseln - in drei Stunden war ich durch und habe teilweise geschmunzelt, teilweise ganz neue Denkanstöße über Schwarz und Weiß, Politik, Rassismus und verschiedenes mehr bekommen. Es handelt sich bei dem Buch nicht etwa, wie man vielleicht meinen möchte, um einen einfachen Reisebericht, sondern eher um eine sehr gelungene Reflexion ausgesuchter Eindrücke. Man merkt deutlich, dass der Autor sich auf sein Handwerk versteht; er vermeidet jede Form von Allgemeinplätzen (in die bei solchen Themen wie Afrika oder "Dritter Welt" ja schnell verfallen wird) und hat mich insbesondere mit seiner Darstellung der Menschen häufig stark beeindruckt. Der Presseartikel, der mich zum Kauf animierte und erst auf diesen Autoren aufmerksam machte, hat es treffend auf den Punkt gebracht: "Was diesen Schriftsteller auszeichnet, ist eine höchst sensible Beobachtung auch oder gerade beinahe trivialer Randerscheinungen. So ist es nicht 'Krüger Nationalpark' oder 'Kilimandscharo', was präzise, dicht und intensiv beschrieben wird, sondern die nächtliche Busfahrt, der Gang über den Markt, das Kind am Straßenrand. Das ist mal bedrohlich, irritierend oder faszinierend - und immer spannend. Ihn lesend zu begleiten, ist schon ein kleines Abenteuer." Dieser Kritik kann ich mich uneingeschränkt anschließen. Auch oder gerade für Leute, die zu Ghana keinen Bezug haben, eine interessante und lehrreiche Lektüre. Ach ja, ein paar Fotos sind auch drin.