Claude Nicollier ist der einzige Schweizer, der je im Weltraum war. Deshalb ist er einmalig und gehört zu unseren modernen Nationalhelden. Und da Petra Wüst laut Klappentext eine der wenigen ausgewiesenen Expertinnen für Self Branding im deutschen Sprachraum ist, darf auch sie sich als einmalig betrachten. Weniger einmalig ist ihr Glaube, mit der richtigen Person an der Seite sei Leadership erlernbar. Daher gibt es so viele Coaches, und Consulter. Das Dumme ist nur, dass sie die Wirksamkeit ihrer Methoden nicht mit empirischen Studien belegen können. Schlimmer noch, gerade die gerne zitierten Neurowissenschaftler sind der Meinung, durch Einsichten und gute Tipps würden sich Persönlichkeitseigenschaften kaum verändern lassen. Spiegelneuronen hin oder her. Also was tun, um potentielle Kunden trotzdem überzeugen zu können?
Die Statistik-Methode: Man nehme erfolgreiche Unternehmen oder Manager und zeige, dass sie der magischen Formel folgen. Weil die wenigsten keinen blassen Schimmer von Statistik haben, funktioniert das bestens. Zumindest an der Stanford Graduate School of Business weiss man es allerdings besser. Denn dort wurde dieser Taschenspieler-Trick wissenschaftlich entlarvt.
Die Jeder ist seines Glückes Schmied-Methode: Man nehme erfolgreiche und fürstlich entlohnte Manager und bekräftige deren Selbsteinschätzung, ihr Erfolg sei kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis harter Arbeit und konsequenter Vorgehensweise. Dieser Mythos hält sich hartnäckig, weil weder der Glückspilz noch der Coach an einer Aufklärung interessiert ist. Autobiographische Forschung schafft es trotzdem.
Petra Wüst wählt zur Beweisführung eine clevere Mischung. Sie formuliert 22 Tipps, belegt deren Richtigkeit mit Fachbegriffen aus der Wissenschaftswelt, eigenen Gedankengängen sowie Interviews mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Sport, Kultur. Das ist zwar beste Rhetorik, aber noch immer kein gültiger Beweis für die These, man könne seinen Brand gestalten. Denn ebenso gut lässt sich mit den Antworten der Interviewten belegen, dass Selfbranding eine Fiktion ist. Stellvertretend sei nur Claude Nicollier angeführt, der im Gespräch mit Petra Wüst verwundert die Augenbrauen hebt und ihr erklärt, der Gedanke, dass er sich als Person branden könne, sei ihm nie gekommen. Zisch! Und eingebrannt ist das Zeichen des Besitzers. Ob Selfbranding tatsächlich ein kluger Begriff für überzeugende Selbst-PR ist, überlasse ich gerne dem Leser.
Mein Fazit: Wenn der Glaube, man könne sich gezielt zur einmaligen Persönlichkeit branden, auch in Harvard, Stanford und Princeton an Anhängern verliert, lässt dies aufhorchen. Mitschuldig an dieser Erosion sind nicht zuletzt die Wissenschaften, auf die sich auch Petra Wüst beruft. Jeder hört eben das, was er hören will. Selbstverständlich trifft dies auf den Rezensenten ebenso zu.