Der Roman des Newcomers Holdt gehört in die Kategorie Spaceopera" und kann mit etwas Glück zur Initialzündung für ein ganz eigenes Universum werden, das unmittelbar an unsere heutige Zeit anschließt.
Er setzt ein mit der Eroberung der Erde durch das Kaiserreich der R'rall in Folge eines intergalaktischen Konflikts. Gegenspieler der katzenähnlichen R'rall ist die Liga, eine intergalaktische Handelsföderation aus vielen Spezies. Während die R'rall von starken hierarchischen Strukturen und Ehrenkodizes geprägt sind und nach der Devise leben the winner takes it all, versucht die Liga schon seit Jahrhunderten unbemerkt, das Schicksal der Menschheit zu beeinflussen, um sie möglichst rasch auf den Anschlussstandard zu bringen, der ihrem Gesellschaftssystem entspricht.
In Folge des Überfalls müssen die meisten menschlichen Liga-Agenten fliehen, die sich in führenden Positionen der Menschheit eingeschlichen haben. Dadurch und durch gezielte Destabilisierung seitens der R'rall droht der Menschheit ein versorgungstechnischer Kollaps.
Teil 1 ist eine reine, atemlose Actionsequenz die dem Protagonisten keinen Moment der Ruhe oder Introspektion erlaubt. Der eben noch einsiedlerisch im Schwarzwald lebende ehemalige Luftwaffenoffizier von Reuters gerät zufällig in ein Duell mit dem Oberbefehlshaber der R'rall und erobert dabei einen Ring, den der Kaiser als besondere Insignie der Macht verleiht. Dieses Artefakt hat nicht nur große mythologische Bedeutung, er ist auch ein interaktiver, nanotechnologischer Datenträger mit Zugangs- und Autorisierungscodes. Der Träger kann wie ein Geist im R'rallnetz operieren, weil er keine Spuren hinterlässt. Da auch die R'rall durch starke innere Konkurrenz nicht geschlossen agieren, wird Reuters für mindestens fünf Geheimdienste zur most wanted person. Er schließt sich einer Widerstandsgruppe gegen die R`rall-Eroberer an und spielt die Seiten gegeneinander aus. Dabei erweist er sich als glücksbegünstigter, charismatischer Anführer und gewinnt eine schlagkräftige Truppe von Spezialisten. Darunter ist die Liga-Agentin Marcella de Brivio, die ihn mit Liga-Technologie unterstützt und in die er sich verliebt.
Zum Schluss dieses Teils wird Reuters tödlich verletzt und Marcella versetzt
ihn in ein dreimonatiges künstliches Koma um ihn nanotechnologisch wieder aufzubauen.
Teil 2 stellt eine Rückblende Marcellas dar - auf ihr immerhin 320 Jahre altes
Leben. Sie schildert ihren Dienst als Agentin für das Büro für Anschlussfragen" und den Konflikt mit dem gleichaltrigen Agenten Joris, der mehrfach versuchte, sich zum Herrscher der Erde aufzuschwingen (einmal als Napoleon) und alle anderen Liga-Agenten auszuschalten - auch Marcella. Jetzt hat sie ihren letzten Kampf mit ihm zu bestehen.
Durch den Ehrenkodex gebunden, der es ihm verbietet, den Ring mit Gewalt zurückzuholen, hat der R'rall-Admiral Joris engagiert, um Reuters und gleichzeitig einen jungen Kriegshelden, einen Offizier der R'rall namens X´Ragan, zu beseitigen. Es gelingt Jorris tatsächlich, Marcella und X'Ragan in eine Falle zu locken.
In diesem zweiten Teil wird nicht nur die Freund/Feind-Demarkationslinie aufgeweicht, gewinnt Marcella in X'Ragan doch eine(n) Verbündete(n), sondern auch die Gender- und Spezies-Trennung.
Teil 3 wird aus mehreren Perspektiven geschildert, unter anderem sogar eine Raumschlacht aus dem Gedächtnischip von X'Ragan, die der Relativitätstheorie Rechnung trägt, wie in sonst keiner mir bekannten Darstellung.
Aus der Perspektive Reuters ist seine vom Ring geführte Traumzeit während des Genesungsschlafes auch ein Heilungsprozess, in dem er sich seinen Dämonen stellt: dem Kindheitstrauma und den Kriegserlebnissen am Hindukusch. In Zusammenhang mit beidem steht seine Fähigkeit zu Präkognition. Das hilft ihm, um dem eigentlichen Geheimnis des Rings auf die Spur zu kommen: Er enthält ein prähistorisches Artefakt der R'rall-Kultur aus den universellen Anfängen des Bewusstseins. Erst als es Reuters gelingt, die "Magie" des Rings für sich anzuwenden, gelingt auch der Durchbruch.
Mit seiner Truppe von Freischärlern schafft Reuters das Unmögliche: Er erreicht politische Autonomie für den Planten Erde, der von nun an unter seiner Obhut steht, wenn auch unter der Raumhoheit des Kaiserreichs unter Führung X'Ragans...
Als die Liebenden endlich Zeit füreinander haben, flüstert Marcella: Es ist zwar
schon 50 Jahre her, aber ich kann mich genau!"
Der Roman verbindet gekonnt Action und Hardcore-SCIFI mit Elemente des Historischen Romans. Selbst die Einschläge von Fantasy-Elementen (die Macht des Steins) sind psychologisch plausibel. Er behandelt nicht die möglichen Extreme von Nano- und Kommunikationstechnologie, aber die Fragen nach Identität jenseits von Körper- und geschlechtsspezifischen Merkmalen angesichts einer Technik, die uns bald unter die Haut geht. Auch Aliens werden nicht als die absolut Anderen, Fremden dargestellt, sondern als Wesen, die wie alle Produkte" der CN-Evolution auf die Frage nach dem Himmel, der Liebe und dem Grab" (Benn) eine individuelle Antwort geben müssen.