Hörbuch-Rezension (man möge mir verzeihen, wenn ich hier Namen falsch schreibe)
Der dritte Teil der Gezeitensternsaga hat es in sich und ist für mich der bislang beste Teil. Kann man beim ersten Teil kritisieren, dass die Geschichte ein wenig braucht, um in die Gänge zu kommen, und ist der zweite Teil zwar von Anfang an packend und an Genialität bestechend, doch immer noch ein wenig ein Weichensteller für das Kommende, so lässt mich der dritte Teil restlos begeistert zurück. Der Knalleffekt am Ende hat es wirklich in sich und ich musste mich wieder und wieder kopfschüttelnd fragen, wie Jennifer Fallon es geschafft hat, eine derart durchdachte Geschichte niederzuschreiben.
Oliver Siebeck liest wie immer routiniert und mit angenehmer Stimme, man will der Geschichte am liebsten ohne Unterbrechung folgen.
Wir begleiten Arkady, die es als gebrandmarkte Sklavin doch schafft, ihrem Schicksal zu trotzen - wenngleich mit einer sehr willkommenen Hilfe, die man zwar erwartet, aber nichtsdestotrotz herbeisehnt ;-) -, nur um dem nächsten Widersacher in die Falle zu gehen. Declan, der im zweiten Teil aus seiner Nebenrolle zu einem der Hauptcharaktere avanciert ist, gewinnt im dritten Teil noch mehr an Sympathie und ist mittlerweile mein absoluter Favorit. Wie er mit seinem Los umgeht, sich in Einbahnstraßen katapultiert, aus denen man ihn nur zu gern herausschleifen möchte, und sich in Folge mit Cayal, dessen einziger Lebenssinn es nach wie vor ist, einen Weg zu sterben zu finden, einen verbalen Schlagabtausch nach dem anderen liefert, ist absolut köstlich. Und während sich der eine Teil der Unsterblichen auf einen Krieg vorbereitet - mittendrin der vom Schicksal gebeutelte Stellan, der sich als Diplomat und Stratege bemerkenswert gut hält -, verspricht Lukys Cayal den Tod.
Die Gezeitensternsaga ist eine wunderbar geniale Geschichte mit einem Haufen unsterblicher Egomanen, die die Welt Amyrantha und ihre sterblichen Bewohner, Menschen wie Crasii, als große Spielwiese betrachten. Und genauso, denke ich, hat Jennifer Fallon ihre Welt erschaffen: als riesige Landkarte mit Spielfiguren, deren Schicksale so perfekt miteinander verflochten sind, dass mich die Story immer wieder sprachlos und begeistert durchatmen lässt. Es würde mich nicht wundern, wenn Fallon bei der Planung ihrer Charaktere tatsächlich ein Tarot benutzt hat.
Spannend, herrlich komisch, teilweise sogar romantisch, überraschend und bestechend durchdacht - absolute Hör-, Leseempfehlung.