Der Autor Egon Gramer erzählt in seinem erstaunlichen Debütroman, eine zwischen Idylle und Grausamkeit angesiedelte Geschichte aus der schwäbischen Provinz.
Der Hauptfigur Helmut, lebt schon lange Zeit nicht mehr in diesem Dorf, kommt aber jedes Jahr zu Allerseelen zurück. Dann besucht er die Toten auf dem Friedhof, macht einen Rundgang durchs Dorf und landet schließlich in der Wirtschaft und dann war er ohne große Floskeln wieder mitten drin im Milieu dieser Dorfgemeinschaft. „Entweder du gehörst dazu oder du gehörst nicht dazu“. Es werden ihm Neuigkeiten berichtet und Jahr um Jahr findet er bestätigt, dass er Glück hatte, weggegangen zu sein. Diese Hauptfigur Helmut wird kontrastiert mit einem anderen Mann, der es nicht so gut getroffen hat, Franz Klett, er hatte dazu gehört, hat aber nicht dazu gehören wollen. Er, sein Schulfreund, er war übrigens ein recht guter Schüler, ist in dem Dorf hängen geblieben, hat geheiratet, hat Kinder bekommen. Die Ehe ist dann jedoch gescheitert, sein ganzes Leben ist schief gegangen. Man erfährt eigentlich nicht wirklich, was da alles schief gegangen ist. Er wird an den Rand gedrängt, wird Alkoholiker, gerät an den Rand des Wahnsinns. Er ist eigentlich als einziger zu paradigmatisch gescheitert. Obwohl die Sozialstrukturen im Dorf gut funktionieren, wird dieser Franz Klett, aus irgendwelchen Gründen, aus dieser Dorfgemeinschaft ausgestoßen, die man nicht wirklich erklären kann, oder er bringt sich selber raus.
Er beginnt Tagebücher zu schreiben, nicht Spektakuläres, es sind mehr Notizen, Sendungen die er im Fernsehen sieht, usw. Er schreibt täglich vollkommene Banalitäten in seine Tagebücher. Wenn man in einer Form des Selbstgesprächs über die Tatsache des Scheiterns Rechenschaft ablegen will, was später dann auch Freunde lesen sollen, dann geht man eigentlich anders vor. Es ist eine ganz merkwürdige Form der Selbstbeschäftgung, aber sie scheint ihm irgendwie zu helfen.
Nach seinem Tod erhält dieser „Geflohene“ Helmut diese Tagebücher. Zunächst will er sie nicht haben, doch dann beginnt er widerwillig mit der Lektüre und vertieft sich zunehmend damit, liest die Tagebücher wie die „Heilige Schrift“, identifiziert sich mit diesem Franz Klett. Einem Exegeten gleich, versucht er für alle Dinge aus diesem seltsamen Tagebuch eine Deutung zu finden und er treibt ein konkretes Leben aus ihnen heraus, das auch irgendwie in einer „Kernform“ darin zu stecken scheint. So legt er meisterhaft das Schicksal einer singulären Figur frei.
Franz Klett, Helmut und das Dorf, das sind die drei Helden dieses Buches und die Atmosphäre, die durch die Beschreibung des Dorfes entsteht, und durch die Rätselhaftigkeit der Figur Klett, macht doch in irgendeiner Form bedrückend, man möchte auf der einen Seite aus dem Dorf fliehen, wird auf der anderen Seite aber fasziniert durch die Spannung und die Rätselhaftigkeit. Das macht das „Große“ dieses Buches aus, man liest es mit Faszination und man kann dieser Figur Franz Klett, die bedrückend auf den Leser wirkt, nicht entkommen.