Ein schönes Buch! Carlo Cipolla, im Jahr 2000 verstorbener Wirtschaftshistoriker, hat sich mit der Entstehung und Verbreitung der mechanischen Uhr beschäftigt. Dabei steht weniger die Technik im Vordergrund. Cipolla betrachtet technische Neuerungen und deren Diffusion im größeren Kontext, eingebettet in wirtschaftliche, soziale und mentale Zusammenhänge.
Gekonnt, mit wenigen, gezielt gesetzten Strichen zeichnet Cipolla die Entwicklungsgeschichte der mechanischen Uhr nach. Er analysiert Konstellationen, die für technische Innovationen förderlich sind, Wanderungsbewegungen von Handwerkern und das Aufkommen von regelrechten Uhrmacherzentren, die Furcht einheimischer Uhrmacher vor ausländischer Konkurrenz, schließlich die Verbreitung von Uhren, angefangen von öffentlichen Uhren bis hin zu Taschenuhren, und die Rezeption der mechanischen Uhren in Asien. Er spürt Ursachen für die unterschiedliche Aufnahme der Uhr in China und Japan nach.
Damit hat seine Geschichte der mechanischen Uhr weit über das unmittelbare Thema hinaus Relevanz. Viele Fragestellungen bewegen uns heute immer noch: Was muss getan werden, damit technische Innovationen gefördert werden? Wie gehen wir mit ausländischer Konkurrenz um? Gibt es einen Aufstieg und Niedergang von Nationen, was technische Entwicklung und wirtschaftliche Prosperität anbelangt?
Cipolla kann erzählen. Das Thema wird in schlichter, aber kunstvoller Prosa entwickelt. Das Buch ist wie eine jener dort abgebildeten fein gearbeiteten Taschenuhren: Ein Kleinod!