Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unglaublich gut!, 24. Oktober 2009
Ich bin gerade erst im 3. Kapitel, möchte aber hier schon einmal schwärmen:
Die Sätze zergehen einem auf der Geist-Zunge wie feinste Delikatessen: viele musste ich mehrmals durchlesen, um sie auch garantiert voll auszukosten. Wenn ich könnte, würde ich mir einige der entstehenden Bilder einrahmen. Ein sagenhafter Humor, der mich in seiner angenehmen Absurdität ab und zu an Douglas Adams erinnert (ich hoffe, der Autor verzeiht mir einen Vergleich). Dazu auch noch spannend und sehr stringent geschrieben, ich vermute, das Gewitter wird noch so richtig in Schwung kommen...!
Ich habe schon nach dem ersten Kapitel beschlossen, mir alle Bücher dieses Autors einzuverleiben.
Dringende Kaufempfehlung an anspruchsvolle Leser, denen es nichts ausmacht, beim Lesen laut zu lachen!
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6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kriminalroman mit einer gehörigen Portion Science Fiction., 30. Oktober 2009
Der österreichische Autor Heinrich Steinfels lebt heute überwiegend in Stuttgart. Er veröffentlichte zunächst surreale oder Science-Fiction-Erzählungen, später Kriminalromane, für die er mehrmals den Deutschen Krimi Preis bekam. Sein neuester Roman trägt den Titel "Gewitter über Pluto", ein früherer Titel hieß "Der Umfang der Hölle". Wenn man die Titel ansieht, dann könnte man vermuten, dass der Autor tief im österreichischen Katholizismus verwurzelt ist.Tatsächlich ist es einfach der Sprachschatz der ihn umgibt, denn da es im Katholizismus schöne Leidensgeschichten gibt, zweckentfremdet er sie für die Kriminalliteratur.
Wenn auch seine Bücher grundsätzlich Expeditionsberichte vom Ost-Westpol" sind, über Orte die er real empfindet, über die aber nicht gerne gesprochen wird, mit Figuren die Leidenschaften und Obsessionen entwickeln, so gehört "Gewitter über Pluto" nicht zur Markus-Cheng Reihe, sondern wir lernen in diesem Plot neues Personal kennen. Hauptfigur ist Lorenz Mohn, ein Mann mit makellosem Körper aber nicht so ausbalancierter Seele. Er ist bereits im vierzigsten Lebensjahr, hat zwanzig Jahre Karriere als Pornostar gemacht und Anfang des Romans steht ein schier unglaublicher Berufswechsel an, er will sein Leben radikal ändern und wird vom Pornostar zum Betreiber eines Strickwarengeschäfts. Er suchte etwas Neues und wurde vom Anblick einer Kollegin inspiriert die in "Vermeerscher" Ruhe und Poetik an einem Pullover häkelte. Er hat bisher weder mit Strickwaren noch mit Wolle, übrigens auch ein Hauptthema des Romans, zu tun gehabt. Er fühlt sich einfach von diesem Bild angezogen. Am Anfang dieses Romans geht es zunächst um einen Perspektivenwechsel der mit Idylle zu tun hat, während in Steinfests bisherigen preisgekrönten Romanen die kleinbürgerliche Idylle als eine Möglichkeit zum Schluss angesetzt wurde. Hier sind es der Strickwarenladen und die strickende Frau.
Finanziert wurde der Strickwarenladen von einer Dame der Wiener Unterwelt, die das zinslose Darlehen am 14. Juli 2015 zurückhaben will, falls es Lorenz Mohn nicht gelingt an diesem Tag ein bedrohtes Leben zu retten. Der 14. Juli ist auch ausgerechnet der an dem die NASA-Sonde "New Horizons" den Planeten Pluto erreichen könnte. Und so ist das große Thema bereist auf dem Titel des Buches zu sehen, nämlich Pluto. Um das zu unterstreichen heißt der Strickwarenladen "Plutos Liebe" und an einer Stelle des Romans wird auch gefragt, ob der Autor einen Plutotick?
Es ist ein Planet der sehr weit entfernt ist und eine exzentrische Umlaufbahn hat und so steht er auch für die Figuren des Romans die exzentrisch sind, die sich weit vom Mittelpunkt entfernen und die Peripherien unseres Bewusstseins bevölkern.
Es gibt noch eine Gestalt in dem Roman, die aus einer großen Peripherie kommt, nämlich aus einem anderen System. Es ist der Außerirdische Klaus, den es von einem Planten X ausgerechnet in einen Stuttgarter Vorort verschlagen hat, wo er sich sehr wohl fühlt. Er hat schon viele Städte dieser Welt gesehen, die können es aber alle nicht mit der Idylle dieses Ortes aufnehmen können. Er ist kein Monster, sondern ein Mensch der schon fünfzig Jahre auf dem Planeten Erde lebt, sich integriert und sich denen Menschen mit denen er lebt angeglichen hat, ein nahezu biedermeierliches Leben führt und ein schwäbisches Bürgerblatt für Verstand, Herz und gute Laune" gegründet hat. Mit dieser gewählten Figur des Außerirdischen will der Autor ganz bewusst weniger etwas über die Außerirdischen sagen, als über die Menschen.
Es gibt auch Zwerge, die in der Nahzukunft auf der Erde auftauchen, sich bedeckt halten, nicht fotografiert werden möchten. Sie geben den Menschen die sie respektieren Rätsel auf, die aber in einem Kriminalroman nicht unbedingt enträtselt werden müssen. Auch das muss einem guten Kriminalroman zugestanden werden, dass gewisse Aspekte in der Geschichte nicht aufgelöst werden.
Es gibt in dieser Geschichte auch Kommissare, und es gibt auch eine Leiche, die ist jedoch eher salopp wegerzählt. Der Schrecken über diesen in seiner Blutlache liegenden Menschen wird durch den hintergründigen, satirischen Humor des Autors erst einmal umgedreht. Es geht aber nicht darum, den Humor einzusetzen, um von der Tragödie abzulenken, denn der Humor, wenn er wie von Steinhoff geschickt eingesetzt ist, präzisiert eher die Tragödie.
Die Erzählstränge haben teilweise eine bedrückende Länge, man merkt, dass sich der Autor in seinem Element bewegt, und gegen Ende neigen sie zum Zerfransen. Unter die Kategorie Krimi würde ich dieses Buch nicht einordnen, es ist ein krimi-science-fiction-genre das spannend und absolut lesenwert ist, man kann dieses sensationelle Buch nicht mehr aus der Hand legen.
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