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Gewissensbisse: Ethische Probleme der Informatik. Biometrie - Datenschutz - geistiges Eigentum
 
 
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Gewissensbisse: Ethische Probleme der Informatik. Biometrie - Datenschutz - geistiges Eigentum [Broschiert]

Debora Weber-Wulff , Christina Class , Wolfgang Coy , Constanze Kurz , David Zellhöfer
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 140 Seiten
  • Verlag: transcript Verlag; Auflage: 1., Aufl. (Oktober 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 383761221X
  • ISBN-13: 978-3837612219
  • Größe und/oder Gewicht: 22,4 x 13,6 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 573.523 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Debora Weber-Wulff
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

.ionalisierung der Diskussion von moralischen Fragen in Informatik und Informationstechnik ausgezeichnet geeignet ist." Prof. Dr. Britta Schinzel, Freiburger Universitätsblätter, 10 (2010) Besprochen in: Ethica, 4 (2010), Joachim Comes

Kurzbeschreibung

Beim täglichen Umgang mit digitalen Technologien stellen wir uns nur selten die Frage, wie durch unser Handeln Dritte betroffen sein könnten.
Dieses Buch setzt sich mit aktuellen Problemen der Verantwortung in der digitalen Welt auseinander. Es versammelt deutschsprachige Fälle zu ethischen Fragen der Informatik und liefert mit der Darstellung glaubhafter Konflikte aus den Bereichen Datenschutz, Biometrie oder geistiges Eigentum wertvolle Gedankenanstöße, die zum Weiterdenken anregen.
Ein wertvoller Beitrag zur Auseinandersetzung mit Informatik und Ethik in Lehre und Gesellschaft.


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Ohne Biss, ohne Ethik 18. November 2009
Format:Broschiert
Deborah Weber-Wulff, Christina Class, Wolfgang Coy, Constanze Kurz und David Zellhöfer haben mit "Gewissensbisse" einen Vorschlag gemacht, wie insbesondere Ethik in Informatik & Gesellschaft-Lehrveranstaltungen im Rahmen eines Informatikstudiums vermittelt werden könnte. Im Aufbau des Buches orientieren sich die Autorinnen und Autoren der "Gewissensbisse" an der in vielen englischsprachigen Publikationen üblichen didaktischen Methode der Fallbeispiele. Es werden Fälle vorgestellt, die aus Sicht der im Beispiel dargestellten Personen eine vermeintlich dilemmatische Struktur aufweisen. Die Autorinnen und Autoren sehen diese Vorgehensweise als geeignet an, Studierenden der Informatik ein Verständnis für ethische Probleme des informatischen Handelns zu vermitteln und ihnen Wissen und Fähigkeiten an die Hand zu geben, zukünftige Probleme in ihrem eigenen professionellen Handeln bewältigen zu können: "Mit diesem Buch wollen wir nicht nur Lehrkräften Material[i]en an die Hand geben, die dazu geeignet sind, Diskussionen über ethische Themen in der Informatik anzuregen." (Abschnitt "Fallbeispiele für den Unterricht").

Leider muss man dem Buch erhebliche inhaltliche und didaktische Schwächen bescheinigen, die es als ungeeignet für die Lehre ausweisen. So steht bspw. eine Seite vor dem gerade genannten Zitat die Begründung, warum das Buch keine einführenden Abschnitte zu Ethik und angewandter Ethik enthält. Die Autorinnen und Autoren kopieren damit wiederum eine Vorgehensweise, die auch in vielen englischsprachigen Lehrbüchern zur Computer- und/oder Informationsethik üblich ist: Fallbeispiele in großer Zahl, aber kaum oder gar keine theoretische Fundierung. Doch lässt sich schon fragen, warum hier solche losen Enden in Kauf genommen werden. Lehrkräfte der Informatik wären sicher für das Orientierungswissen dankbar gewesen, in welches Buch der Ethik oder angewandten Ethik es sich lohnt hineinzuschauen und welche man links liegen lassen könnte - schon allein angesichts der Fülle der verfügbaren und kaum überschaubaren Literatur eigentlich eine unverzichtbare Information.

Aus Sicht eines Ethikers weitaus problematischer ist aber, dass ein Buch, das mit "Ethische Probleme der Informatik" untertitelt ist, Ethik überhaupt nicht behandelt. Denn was die Autorinnen und Autoren beschreiben, sind Anfragen an das moralische Empfinden der beschriebenen Personen und der potenziellen Diskutantinnen und Diskutanten der Fallbeispiele. Die Autorinnen und Autoren sind sich in der Sprache der "Gewissensbisse" nämlich in keiner Weise bewusst, dass Moral und Ethik zwei zwar aufeinander bezogene, aber nichtsdestotrotz verschiedene Gegenstandsbereiche darstellen. Dies führt dann unweigerlich zu der im Buch allzu oft betonten Unlösbarkeit bzw. nicht eindeutigen Lösbarkeit der Fallbeispiele. Das ist jedoch kein Wunder. Der bloße Rekurs auf Moral hilft nicht angesichts der Pluralität der möglichen Moralen beginnend bspw. bei einer Herrenmoral eines Thrasymachos oder Nietzsche und, dort noch lange nicht endend, einer auf Pflichten aufbauenden Moral. Ohne Verständnis, an welchen Maßstäben sich moralisches Handeln orientieren muss, kann man moralische Konflikte nicht lösen. Mit Angabe eines solchen Maßstabs, bspw. eines utilitaristischen, sind jedoch viele Fälle gar nicht mehr dilemmatisch - zumindest nicht auf der von den Autorinnen und Autoren der "Gewissensbisse" angenommenen Ebene.

Aufgrund dieser fehlenden ethischen Fundierung des eigenen Räsonnierens muss eine Diskussion der Fallbeispiele daher im Appell an das moralische Empfinden der Diskutierenden enden. Man kann natürlich einem solchen völlig unreflektierten Non-Kognitivismus folgen, doch endet dieser - sofern man nicht biologistisch argumentieren möchte - notwendig im moralischen Relativismus. Da hilft dann auch nicht mehr der Rückgriff auf "unverhandelbare" Menschenrechte. Denn warum sollten diese unverhandelbar sein, wenn ansonsten alle anderen moralischen Ansprüche dem Wertepluralismus ausgesetzt sind, wie die Autorinnen und Autoren selbst schreiben?

Die fehlende Grundlegung der Fallbeispiele geht jedoch noch weiter: Zwar liefern die Autorinnen und Autoren zumindest einige Bemerkungen zum mehr als wichtigen Konzept der Verantwortung, doch bleibt dies im Wesentlichen auf der Phänomenebene und weitgehend ohne Rückgriff auf die in diesem Zusammenhang schon beinahe als erschöpfend zu bezeichnende Theoriebildung der letzten zwanzig Jahre. Dabei gibt es dafür eine fast schon klassisch zu nennende Definition, nach der Verantwortung als sechsstellige Relation aufzufassen ist (vgl. Hans Lenk: Zwischen Wissenschaft und Ethik. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1992, S. 81f.). Ohne solche möglichst klaren Definitionen kann gar nicht sinnvoll über Verantwortung gesprochen werden, vor allem auch nicht über den Grad und die Reichweite von Verantwortung. Auch daher müssen Diskussionen über die Fallbeispiele im Ungefähren bleiben, letztlich an moralisches Sentiment appellieren, weil eine andere Fundierung der ethischen Begründung fehlt.

Schaut man nun die Fallbeispiele selbst ebenso wie die Vorschläge zur Diskussion genauer an, so stößt man sofort auf weitere inhaltliche Probleme. Zum einen, das geben die Autorinnen und Autoren auch gleich selbst zu, werden andere als ethische - nach dem bisher Gesagten kann eigentlich nur "moralisch" richtig sein - Fragen gar nicht angesprochen. Recht und Ökonomie tauchen allenfalls am Rande auf. Dabei sind zumindest einige Fallbeispiele allein schon durch Rekurs auf das Recht zu lösen. Auch sind die im zweiten Untertitel der "Gewissensbisse" genannten Themen schlicht nicht ohne Bezug auf Recht und Ökonomie zu behandeln. Wie will man Biometrie aus einer normativen Warte behandeln, wenn man die Interdependenz normativer Ansprüche aus unterschiedlichen Bereichen nicht einmal ansatzweise zur Debatte stellt? Wie sollen moralische, geschweige denn ethische, Überlegungen zum Datenschutz möglich sein, ohne die aktuelle Rechtslage wenigstens im Prinzip anzusprechen? Wie will man diese Rechtslage moralisch oder gar ethisch hinterfragen, wenn man sie nicht kennt? Wie will man über geistiges Eigentum sprechen, wenn man nicht die gesellschaftliche und ökonomische Funktion von Eigentumsrechten - insbesondere im Fall von Informationsgütern - vorher in Betracht zieht? Wie will man über geistiges Eigentum nachdenken, wenn man keinerlei Hinweise dazu gibt, wie Eigentum und seine Verteilung in der Gesellschaft in ethischen Theorien begründet wird?

Ein Grund, ein weiteres Lehrbuch zu Fragen der Ethik in der Informatik zu schreiben ist, dass die verfügbare Literatur die entsprechenden Themen aus einer meist US-amerikanischen Perspektive behandelt. Da die Rechtslage bspw. im Bereich des Datenschutzes oder des Arbeitsrechts jenseits des großen Teichs nicht vergleichbar mit der bundesdeutschen Situation ist, sind solche Lehrbücher aber nur bedingt in Deutschland einsetzbar. Da die Autorinnen und Autoren der "Gewissensbisse" jedoch alle Bezüge auf die spezifische bundesdeutsche Situation (mit all ihren europäischen Bezügen) komplett ausklammern, verlieren die "Gewissenbisse" ihren Nutzen. Wollte man sie als Lehrmaterial im Unterricht einsetzen, müsste dafür ein erheblicher zusätzlicher Aufwand betrieben werden, um bspw. die Fallbeispiele theoretisch zu unterfüttern und die Interdependenzen zu Recht und Ökonomie ebenso wie zu Regulierungstheorien und anderen sozialwissenschaftlichen Ansätzen herzustellen. Leider hilft das Buch aber in keiner Weise dabei, diese Bezüge herzustellen. Daher kann von seiner Nutzung in der Lehre nur abgeraten werden: Weder liefert es Unterstützung für die Lehrenden noch für die Lernenden.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Magidor
Format:Broschiert
Dieser Band stellt eine seit langem erwünschte Hilfe für die Lehre von Ethik im Zusammenhang mit Informationstechnik bereit. Naive Diskussionen ergehen sich üblicherweise im Spannungsfeld zwischen dem ' nicht erfüllbaren ' Gebot von Hans Jonas, alle Folgen zu antizipieren, dem Messerargument (ein Messer kann zum Schneiden von Brot, aber auch zum Töten benutzt werden, daher liegt die moralische Entscheidung bei der Benutzerin; das gelte insbesondere für IT-Anwendungen, die auch militärisch nutzbar sind) und dem pragmatischen Argument 'wenn ich es nicht mache, dann macht es ein anderer'. Umgekehrt erreicht eine Lehre zu philosophischen ethischen Theorien zwar den Selbstzweck dieser Kenntnisse, aber oft nicht unmittelbar die gewünschte Hilfe bei komplexen Entscheidungsfragen von InformatikerInnen. Zudem existieren dazu ausreichend viele Publikationen.

Aus der Verantwortungsdiskussion des Fachbereichs Informatik und Gesellschaft in der Gesellschaft für Informatik (GI) war in der Vergangenheit ein Text 'Ethische Leitlinien der GI' entwickelt worden, der in der Folge von der GI als ihr Ethikkodex beschlossen worden war. Ethikkodizes von technischen Vereinigungen leiden oft an großer Allgemeinheit und Abstraktheit, womit sie sehr unterschiedlich interpretierbar sind und so in der offenen Anwendung ihren ethischen Anspruch wieder verlieren können. Die im vorliegenden Band im Anhang abgedruckten ethischen Leitlinien der GI sind zwar im Vergleich zu anderen Kodizes von Berufsverbänden konkreter und stellen für unterschiedliche Personengruppen durchaus einschränkende Regeln auf. Auch sie erheischen Ergebnis offene Diskurse, wie es ethischen Diskussionen ja auch gut ansteht. Daher fällt es Studierenden, Lehrenden und Berufstätigen oft schwer, aus ihnen konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Und eindeutige Empfehlungen sollen auch nicht gegeben werden, aber Orientierungshilfen in solch komplexen Handlungsfeldern wie sie die Informationstechnik und die Informatik bieten, sind dennoch ein wichtiges Desiderat. Damit entstand der Wunsch, ethische Fragestellungen nicht nur theoretisch philosophisch zu behandeln, sondern anhand von Fällen zu moralischen Debatten anzuregen.

Die Autorinnen und Autoren entstammen dem Fachbereich Informatik und Gesellschaft der GI und sind seit Jahren in diesem sowie der Fachgruppe Informatik und Ethik (früher Verantwortung in der Informatik) tätig. Als solche Gruppe geben sie auch das Forum 'Gewissensbits ' wie würden Sie urteilen?' im Organ der GI 'Informatik-Spektrum' heraus. Dieser professionelle Hintergrund erweist sich als tragend für die komplexen Analysen. Die Einleitung weist auf eine tiefe Durchdringung informationstechnischer Problemlagen und erklärt nachvollziehbar die Anlage des Buchs.

Der Band führt mittels exemplarischer Fallbeispiele vor, u.a. welche Konfliktlagen in diesen vorgefunden werden, welche Personengruppen dabei beteiligt sein können, welche ethischen Konflikte sich daraus ableiten lassen, wie diese von rechtlichen Fragen zu trennen sind, welche Entscheidungsgrundlagen sich aus ethischen Theorien oder aus den ethischen Leitlinien der Gesellschaft für Informatik ergeben können und welche je unterschiedlichen Schlüsse daraus zu ziehen wären.
Die 22 Fallbeispiele sind wohl ausgewählt, sodass sie eine möglichst breite Palette von Problemlagen abdecken. Ein Einführungsbeispiel eines biometrischen Erfassungssystems zur Abrechnung an einer Schule demonstriert das Arbeiten mit Fallbeispielen. Die Fälle sind in schulischen, studentischen und beruflichen Kontexten platziert, und somit nahe an realen Situationen. Das Beispiel Data Mining sowie das Einführungsbeispiel zur Biometrie spielen an Schulen, auch wenn sie in vielen anderen Zusammenhängen vorkommen könnten. Fälle zu Sicherheitslücken beim Online-banking und bei Bewerbungen, zum war driving sowie der über die Notwendigkeit zum sogenannten whistle blowing erheben die Frage nach der persönlicher Verantwortung bei zufällig entdeckten Softwarefehlern. Andere Beispiele, wie Finanzportale, Zugriffe zu Datenbanken, Anonymisierer, Spyware oder Roboter für militärische Anwendungen richten sich an SoftwareentwicklerInnen. Im Zusammenhang mit dem Studium sind mehrere Fälle von Plagiieren aufgeführt, ein Fall von sexueller Belästigung und aus dem Kontext wissenschaftlicher Tätigkeit ebenfalls Plagiatsfälle, die Einrichtung von Pseudokonferenzen, gutachterliche Verpflichtungen, Forschungsvorhaben und unerreichbare Ziele, Forschungsberichte.
Die Fälle sind also mitten aus dem Leben gegriffen und mit etlichen davon ist praktisch jede InformatikerIn bereits konfrontiert gewesen.

An einem Fallbeispiel werden ethische Theorien angewendet, ansonsten ist zugunsten differenzierter Konfliktanalysen auf philosophische Theorie weitestgehend verzichtet worden.
Alle aufgeführten Fallbeispiele sind an unterschiedlichen Universitäten mehrfach erprobt worden. Die Ergebnisse dieser Erprobung in Seminaren und Workshops sind im Anhang aufgeführt, ebenso wie einige studentische Ausarbeitungen der Diskussionen.
Schließlich ist im Anhang ein Diskussionsschema aufgeführt, das bei der Kategorisierung der Analyse, Konfliktlagen und Bewertungen hilft und bei vielen der Fallbeispiele durchgezogen wurde.

Insgesamt ist hiermit ein sehr praktisches und brauchbares Kompendium entstanden, das zur Professionalisierung der Diskussion von moralischen Fragen in Informatik und Informationstechnik ausgezeichnet geeignet ist und das zu Informatik-Fragen passende philosophisch-ethische Theorien sinnvoll ergänzt.
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