Das Gewissen wieder in den eigenen Fokus zu bringen ist das Anliegen der beiden Autoren. Frau Dr.Christiane Florin ist Leiterin des Kulturressorts der Wochenzeitung Rheinischer Merkur und Herr Dr. Eberhard Schockenhoff ist Mitglied des Deutschen Ethikrats, beide sind auch Dozenten an Universitäten.
Sehr gut reflektiert, erfährt man was heute unsern Zeitgeist ausmacht und warum es sich lohnt wieder auf das Gewissen, also unsere innere Stimme zu hören. Absolut lesenswert und tiefsinnig sind die vielen Betrachtungen der Autoren z.B. zu den folgenden Kapiteln:
"Vom Schnäppchen, die Globalisierung und ich;
Steuergerechtigkeit auf eigene Faust;
Das Spiel ist aus, aus- Von Seiten- und Absprüngen;
Götter in Schweiß- Die Wahrheit am Krankenbett;
Lügen wie gedruckt- Die Wahrheit der Medien;
Alles muß raus- Die digitale Blockwarte;
Sternstunden und Sternschnuppen-Gewissensentscheidungen in der Politik;
Dabei sein ist alles- Bis zum letzten Atemzug."
Es folgen mal einige gute Gedankenanstöße aus dem Buch:
Die traditionellen moralischen Instanzen haben ihren Einfluss auf unser Leben verloren. Man hat scheinbar die freie Auswahl, Leben nach dem "Zapping-Prinzip". S.7
"Die Diskussion um Managermoral in Zeiten der Globalisierung vermittelt bisweilen den Eindruck, als müsse eine Firmenlimousine mit Sonderausstattung Ethik an Chef-Ausgang vorfahren. S.46
"Die soziale Mitte in Deutschland ist geradezu in Panik, sie könne für ihre Kinder lebensentscheidende Gelegenheiten verpassen und die Weichen für künftige Karriere nicht rechtzeitig stellen." S.78
Den Patienten durch die Krankheit führen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Der Arzt operiert mit jedem Gespräch am "offenen Herzen". S.106
"Redliche Wissenschaft macht ihre Meinung nicht von Auftraggebern abhängig und verkauft ihren Finanziers keine Wunschergebnisse." S.111
"Wir vom Fernsehen erziehen deine Kinder, reduzieren deine Schulden; erwischen dich beim Sozialschmarotzen, eröffnen mit dir ein Restaurant, räumen deine Wohnung um und bringen dich runter von drei Flaschen Whisky täglich." S.115
"Was digitales Warnen, Lästern, Schimpfen vom analogen unterscheidet, ist nicht nur die Technik, sondern vor allem die Wirkung. Zum digitalen Kaffeeklatsch kann sich jeder selbst einladen, niemand legt Tischmanieren und Sitzordnung fest. Das Medium verändert die Botschaft: Es lädt ein zur Selbstentblößung und ermöglicht zugleich anonym zu bleiben, wenn ein anderer bloßgestellt wird.
Die von den alten Medien bekannten Kontrollmechanismen taugen wenig, um die neue Geschwätzigkeit einzudämmen." S.127
"Auf die innere Stimme zu hören, bevor die äußere ins Netz trompetet, dient der Rücksicht auf andere wie dem Selbstschutz. Wenn du nicht willst, dass ein Foto deines Fehltritts weltweit kursiert, dann verbreite auch keins vom Fehltritt eines anderen. Die goldene Regel glänzt auch noch im digitalen Zeitalter." S.134