Ich beschäftige mich schon seit längerem mit der gewaltfreien Kommunikation und war auf der Suche nach Büchern, die sich speziell mit GFK im Berufsalltag beschäftigen. Dabei bin ich unter anderem auf dieses Buch gestoßen und habe ein wenig durch die Amazon-Leseprobe geschmökert.
Ich bin u.a. auf Seite 109 auf diesen Absatz gestoßen:
"Deshalb ist es ganz wichtig, dass Ihre Bitte eine präzise, in die Zukunft gerichtete Verhaltensbeschreibung ist: '...Deshalb habe ich folgende Bitte an Sie: Wenn es in der Abwicklung der Bestellung zu Unklarheiten kommt, besprechen Sie die Themen zuerst in Abteilung xy, danach nehmen Sie beim Kunden Rücksprache und klären dort die vereinbarten Aktivitäten ab. Dann erst führen Sie die Bestellung online durch.'"
Als ich diesen Abschnitt las, fragte ich mich, ob es sich hierbei nicht eher um einen Wunsch oder gar eine Forderung handelt, statt um eine Bitte. Ich habe gelernt, dass eine GFK-Bitte sich immer auf das Hier und Jetzt bezieht, nicht auf die Zukunft. Zusätzlich empfinde ich es so, dass im genannten Beispiel der Empfänger dieser Botschaft vom Sender keinen Raum erhält, um zu signalisieren, ob er mit dieser "Bitte" einverstanden ist oder nicht. Ich finde dies bedenklich. Natürlich ist es im Berufsleben wichtig, dass bestimmte Vorgaben umgesetzt und Ziele erreicht werden. Aber gerade mit der GFK soll ja eine wertschätzende Verbindung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern hergestellt werden. Ich verstehe unter so einer Verbindung, dass Rückfragen gestellt werden, was beim anderen angekommen ist, wie es demjenigen damit geht, ob er bereit wäre, mir meine Bitte zu erfüllen, etc. etc.
Da es sich beim oben genannten Beispiel nicht um einen Einzelfall in der Leseprobe handelt und ich mich beim Lesen unwohl gefühlt habe, habe ich für mich entschieden, auf dieses Buch in meinem Bücherregal zu verzichten.