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Gewalten: Ein Tagebuch [Broschiert]

Clemens Meyer
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Produktinformation

  • Broschiert: 223 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (13. Januar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596185866
  • ISBN-13: 978-3596185863
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 139.915 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Clemens Meyer
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Clemens Meyer schreibt ein Tagebuch über die Gewalten unserer Zeit: Eine Stadt sucht ihren Mörder, Jubel beim Pferderennen, der beste Freund liegt im Hospiz. Ein Hund stirbt. Endlose Zahlenreihen fließen über einen Bildschirm in einer menschenleeren Fabrikhalle. Die psychiatrische Notaufnahme wird zur Endstation einer heillosen Nacht. Roh, unheimlich und geheimnisvoll ist die Welt, durch die wir täglich gehen. Clemens Meyer entwirft Szenen von großer poetischer Kraft und verstörender Klarheit. Ein Jahr lang erkundet er Seelenlandschaften, reale Orte und imaginäre Welten. Er erzählt von Alpträumen, jubelnder Euphorie und dem Irrwitz unseres Lebens.

Über den Autor

Clemens Meyer, geb. 1977 in Halle/Saale, lebt in Leipzig. Nach dem Abitur arbeitete er als Bauhelfer, Möbelträger und Wachmann. Von 1998 bis 2003 studierte er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2002 erhielt er ein Literatur-Stipendium des Sächsischen Ministeriums f. Wissenschaft und Kunst, 2001 belegte er den 1. Platz des MDR-Literaturwettbewerbs, 2003 den 2. Preis und 2006 erhielt er den Rheingau Literatur Preis.

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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Clemens Meyer macht aus Ereignissen des Jahres 2009 Prosa. Das ist dann kein Tagebuch sondern das sind kurze Geschichten, Erzählungen oder Stories, die lose vom Leitmotiv "Gewalten" zusammengehalten werden. So beschreibt Clemens Meyer das Massaker von Winnenden in der Geschichte "German Amok" aus der Perspektive eines PC Spielers in dem es darum geht einen möglichst hohen Bodycount an einer Schule zu erreichen. In einer anderen Geschichte geht es um den Auftrag, ein Drehbuch zum Thema Abu Ghuraib zu schreiben. Und immmer taucht die Kunstfigur Clemens Meyer auf - als Spieler von German Amok oder als Drehbuchschreiber. Die Geschichten von Gewalten spielen in Bahnhofscafes, im Bordell, auf der Rennbahn, in Kneipen.

Nach "Die Nacht, die Lichter" verdichtet Meyer seine Themen noch viel stärker zu atmosphärischen, teilweise schwer verdaulicher Prosa. Seine Stärken hat das Buch in der starken und gewaltigen Sprache und den Themen, die in der deutschsprachigen Literatur nicht alltäglich sind und in ungewöhnlicher Gestalt daher kommen. Eine inspirierende Lektüre, ein ungewöhnliches Buch, starke Geschichten, tolle Sprache.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Achtung, bissiger Hund! 31. März 2010
Von Elisa
Format:Gebundene Ausgabe
Tagebücher bereiten ja meist seltsam ambivalente Leseerfahrungen.
Es stellt natürlich eine ungeheuere Versuchung dar, dem inneren Dialog eines anderen zu folgen. Der allerdings ist allein durch den Akt des Niederschreibens bereits gefiltert und zumindest imaginär auch irgendwie adressiert. Das, was P.Celan in einem Gedicht an I.Bachmann die beiden Stimmen genannt hat, die heimliche und die von allen gehörte, verschmelzen in diesem Fall zu einer. Letztlich ist es am Lesenden, zu vermuten, welchen Anteil diese Stimmen besitzen. Und zu bestimmen, mit welcher Berechtigung er ihnen lauscht.
Gewalten - Ein Tagebuch muss allerdings niemanden in einen Gewissenskonflikt stürzen: Der Autor Clemens Meyer hat es im Wissen einer kommenden Veröffentlichung verfasst. Der Fischer-Verlag sei mit der Idee an ihn herangetreten, so der Autor, und die Form habe ihn herausgefordert. Meyer, dem mit ...als wir träumten 2006 ein Aufsehen erregendes Debut gelang, legte 2008 mit dem Erzählband Die Nacht, die Lichter nach und bewies darin wahre Meisterschaft. Seine Erzählungen sind groß und reich, niemals einfach nur kunstfertig. Sie atmen.
Mir scheint, als habe Clemens Meyer sich nun mit prallgefüllten Lungen daran gemacht, den Texten in Gewalten Leben einzuhauchen. Wahnwitziger Alltag, unablässiger Bewusstseinsstrom, untergründige Strömungen, Zockerglück, Verlust, nie enden wollende Assoziationsketten, das Grauen der Zivilisation, Prostituierte und Pädophile- Clemens Meyer fällt das alles an, und diesen reißenden Hund will er auch auf den Leser loslassen.
2009 scheint einige seelische Überforderungen an Clemens Meyer gestellt zu haben. Gewalten" macht das spürbar, es zu lesen, tut weh (das wunderbar passende Titelbild spricht Bände). Ein wenig auch deshalb, weil der Autor sich an seinem Anspruch, hier mehr als alles zu wollen, verhebt.
Woher auf einmal der Hang zum Welterklären und Schwadronieren, der seiner fokussierter Literatur bisher eher fremd war? Ist es doch gerade seine große Kunst, das Ungesagte mitzuschreiben, mit wenigen knappen Worten ein Gefühl zu treffen, ein ganzes Leben zu zeichnen.
Clemens Meyer ist ein junger Autor, es ist also mehr als nachvollziehbar, wenn er sich neuen Formen stellen, fremde Stimmen ausprobieren will. Doch im Vergleich zu den vorherigen Veröffentlichungen fällt Gewalten ab. Es besitzt weder die drängende Energie des Erstlings noch die sichere Tiefe seines Erzählbandes. Rastlos und dünnhäutig verlieren sich die Texte so manches Mal in Deliriumsschwanken oder Katerpessimismus. Dennoch ist Meyer ein überragender Schriftsteller, der immerhin auf beeindruckend hohem Niveau scheitert.
Und gerade bei den sehr persönlichen tragischen Erlebnissen demonstriert C. Meyer echte Tiefe. Wenn er vom Sterben des Jugendfreundes schreibt, von der vorangegangenen Entfremdung, der verdrängten Scham, der bleibenden Verbundenheit, dann findet er einen sicheren Ton. Ebenso wie im Schlusskapitel von Gewalten", dass von dem Tod seines Hundes erzählt. Meyer ist hier nah bei sich, vielleicht kann er deshalb leiser werden, auch Distanz einnehmen. Draußen vor der Tür ist ein literarischer Abschied ohne Pathos und eben deshalb tief bewegend.
Nüchtern.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
clemens meyer sagt, er habe sich ein jahr den einflüssen geöffnet. der mann kann einem leid tun. amoklauf, kindermord, gewalt und wahnsinn. ist das ein tagebuch? nein, eher nicht. ich muss ehrlich sagen, dass mich dieses sprachmächtige werk manchmal überforderte. dann musste ich atem holen und mich wieder reingraben in diese stories, denn nichts anderes haben wir hier, stories, die einen kosmos des jahres 2009 erzeugen, vielleicht sogar soetwas wie einen postmordernen roman.
bewusstseinströme, märchen, sience-fiction, stimmen aus den medien, b-movie und philosophie, aber immer tief in der deutschen gegenwart des jahres 2009 verhaftet (zu der, wie im kapitel "im bernstein" beschrieben, auch guantanamo gehört).
"es ist kalt geworden" heißt es in dem kapitel "undercover und der kopf", das nach der bundestagswahl spielt und in dem der ich-erzähler clemens meyer (!) durchs expressionistische neon-berlin streunt und einen abgeschlagenen, vergrabenen (aber längst wieder ausgegrabenen) kopf sucht, der ihm den "zustand" zeigen soll. da fröstelt es dem leser "currywürste aus menschenfleisch", in berlin wird dieser monströse mordvorgang gerade vor gericht verhandelt.
so hat keiner in den letzten jahren über den zustand unserer gesellschaft geschrieben, zumindest gegraben und ausgelotet, ohne angst, sich die finger schmutzig zu machen.
realität und mythos, surrealität und chronik, meditation und ekstase. kein angenehmes buch sondern "german amok" wie ein kapitel über winnenden heißt.
dieses "tagebuch" zeigt uns die brüche in gesellschaft und leben (krebs, tod, absturz, zufall, "genetische geometrie"), verbindet die scheinbar privaten höllenfahrten des autors mit dem wahnsinn der zeit.
auch wenn manche kapitel etwas abfallen ("die stadt m" z.bsp. ist für meinen geschmack etwas zu "märchenhaft" und verliert etwas die bodenhaftung, "in den strömen" hart an der grenze zu einem viel zu durchgeknallten tarrantino), dieses buch legt ein gewaltiges tempo vor, ist literarisch durchkomponiert und vielstimmig, erzeugt einen sound, der noch lange nachklingt.
so wie meyer im kapitel "im bernstein" francis ford coppola zitiert "my film is not about vietnam. my film is vietnam.", dieses buch ist nicht über die gewalten, es ist gewalt.
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