Abseits von allen anderen Rezensionen möchte ich weiteren, zukünftigen Lesern des Buches meine Einschätzung dazu mitteilen.
Ich selbst bin ebenfalls Polizist (in einem der "Neuen Bundesländer") und sehe die Geschichte des Stefan Schubert aus dienstlicher und auch auch privater Sicht.
Auch ich habe in den vergangenen Jahren einige dienstliche Erlebnisse gehabt, die ähnlich gelagerter Natur sind. Die Eindrücke, die Stefan S. beschreibt, bevor es zur Konfrontation kommt, wie man die Konfrontation dann auslebt und wie man hinterher eine Verarbeitung des Erlebten in Angriff nimmt, spiegeln sich eins zu eins zu meinen eigenen Eindrücken wider. Auch ich habe u.a. mit feigen Autonomen, Hooligans, Demonstranten jedweder Art zu tun gehabt und immer wieder zu tun, auch ich weiß nur genau, wie schnell Situationen eskalieren können. Das man den Beruf (oder eigentlich die Berufung) des Polizisten nicht hundertprozentig von seinem Privatleben trennen kann, wird in diesem Buch sehr deutlich. Das ist wahr und kann durch mich nur bestätigt werden. Langweilige Nachtschichten, riskante Einsätze, Gewalt am eigenen Körper zu spüren wenn der Mob auf die Polizeikette los rollt, nicht in jedem Fall zu wissen, ob der Kollege rechts von dir auf dich aufpasst oder man allein auf sich gestellt ist, sind alles Dinge, die man täglich erleben muss.
Dieses Buch zeigt insbesondere die Tatsache auf, dass Polizisten "auch" Menschen sind, die gesteuert werden von Emotionen, Umgebungseindrücken, den Mitmenschen, dem Bekanntenkreis und nicht zuletzt von seiner eigene inneren Identität. Den "linientreuen" und somit ferngesteuerten Beamten, den mancher Vorgesetzter gern hätte, den gibt es eben nicht. Menschen machen Fehler. Nur das die Konsequenzen meist drastischer sind, wenn ein Polizist Fehler macht. Und die Presse nur zu gern über solche Dinge her fällt wie Geier über Aas. Jeder der das liest und vielleicht auch ein Kollege ist, weiß, wovon ich schreibe.
Ich bin der Meinung, dass dieses Buch zum Nachdenken antregt, Emotionen auslöst und vielleicht ein Spiegelbild der heutigen Geselsschaft darstellt.
Ich selbst habe Gänsehaut in einigen Passagen bekommen, weil ich in vielen Dingen genau wie Stefan Schubert tickte und noch heute ticke.
Für alle, die etwas für Fußball und deren gesamtes Drumherum übrig haben, ist dies vielleicht eine Gelegenheit, die Hintergründe von Gewalt in und außerhalb von Stadien zu erfahren und (literarisch) zu erleben.
Ich selbst kann es nur empfehlen, es liest sich fast wie von selbst!!