Es handelt sich um eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Bonn. 300 Schüler er Klassenstufen 7 und 8 sollten zu einem klassischen Märchen einen Schluss schreiben. Vor allem die Jungen fanden oft extrem gewalttätige Enden, an denen sich direkt der Einfluss von Filmen und Computerspielen ablesen ließ. Prof. Ladenthin zufolge: Unsere Studie zeigt in der Tat, wie sehr Medienbilder inzwischen die Fantasie von Kindern besetzen...also auch jene Phantasie, mit der sie ihr späteres Handeln planen." Ist das Ergebnis so überraschend? Ein junges Hirn ist wie eine Festplatte, das auch nur das einspeichern kann, was tagtäglich zugeführt wird. Ist es Mist, kann man nicht erwarten, dass Gold daraus wird.
Ladenthin warnt: Das ist eine gefährliche Entwicklung. In der Jugend lernt man das Vokabular, mit der man die Welt begreift. Wenn darin bestimmte Vokabeln fehlen - Mitgefühl, Liebe, aber auch Mitleid und Schuld -, führt das zu Defiziten in der Wahrnehmung und in letzter Konsequenz auch im eigenen Verhalten."
Gefährlich könnte es dann werden, wenn positive Alternativen fehlten, denn dann bliebe das Vokabular lückenhaft. Die Aufgabe der Schule bestünde darin, derartige Gegenbilder anzubieten und Differenziertheit der Gedanken anzuregen. Beispiele dafür gibt es ja in der Literatur genügend.
Möglicherweise versagt hier aber auch der Staat und die Gesellschaft insgesamt. In den sechziger Jahren waren die Serienhelden unrealistische Gewinner. Aber die Jugendlichen konnten klar zwischen gut und böse unterscheiden, das Gute siegte, das Böse unterlag. Inzwischen herrscht aber keine Klarheit mehr in der Medienlandschaft, was denn überhaupt der Unterschied zwischen gut und böse ist. Im Grunde ist gut nur das, was mehrheitsfähig, in" oder cool" ist, und Quoten beschert, allgemeinverbindliche Grundwerte gelten nicht mehr. Die neuzeitlichen Helden sind gewaltbereit, unflätig in ihren Äußerungen, haben alle erdenklichen Schwächen. Und das sind die Vorbilder für die Jugend, sind doch schon die Erwachsenen gedanklich verwirrt.
Jede Gesellschaft bekommt eben die Jugendlichen, die sie sich heran erzieht, die sie sich verdient".
Ladenthins Fazit: "Medien...prägen massiv die Fantasie von Heranwachsenden und legen dadurch fest, in welchen Kategorien diese später handeln."