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Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit [Gebundene Ausgabe]

Steven Pinker , Sebastian Vogel
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (20 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

20. Oktober 2011
Die Geschichte der Menschheit eine ewige Abfolge von Krieg, Genozid, Mord, Folter und Vergewaltigung. Und es wird immer schlimmer. Denken wir. Doch ist das richtig?
In einem wahren Opus Magnum, einer groß angelegten Gesamtgeschichte unserer Zivilisation, untersucht der weltbekannte Evolutionspsychologe Steven Pinker die Entwicklung der Gewalt von der Urzeit bis heute und in allen ihren individuellen und kollektiven Formen. Unter Rückgriff auf eine Fülle von wissenschaftlichen Belegen beweist er anschaulich und überzeugend, dass die Menschheit dazulernt und Gewalt immer weniger als Option wahrgenommen wird. Pinkers Darstellung verändert radikal den Blick auf die Welt und uns Menschen. Und sie macht Hoffnung und Mut.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 1216 Seiten
  • Verlag: S. Fischer Verlag; Auflage: 1 (20. Oktober 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100616049
  • ISBN-13: 978-3100616043
  • Originaltitel: The Better Angels of Our Nature
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15,4 x 5,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (20 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 108.734 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Pinkers Studie ist eine leidenschaftliche Antithese zum verbreiteten Kulturpessimismus und dem Gefühl des moralischen Untergangs der Moderne." (Der Spiegel)

"Steven Pinker ist ein Top-Autor und verdient all die Superlative, mit denen man ihn überhäuft" (New York Times)

"Die Argumente von Steven Pinker haben Gewicht [ ]. Die Chance, heute Opfer von Gewalt zu werden, ist viel geringer als zu jeder anderen Zeit. Das ist eine spannende Nachricht, die konträr zur öffentlichen Wahrnehmung ist." (Deutschlandfunk)

"Steven Pinker ist ein intellektueller Rockstar" (The Guardian)

"Der Evolutionspsychologe Steven Pinker gilt als wichtigster Intellektueller" (Süddeutsche Zeitung)

"Verflucht überzeugend" (Hamburger Abendblatt) -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Steven Pinker, geboren 1954, studierte Psychologie in Montreal und an der Harvard University. 20 Jahre lange lehrte er am Department of Brain and Cognitive Science am MIT in Boston und ist seit 2003 Professor für Psychologie an der Harvard University. Seine Forschungen beschäftigen sich mit Sprache und Denken, außerdem schreibt er regelmäßig für die »New York Times«, »Time« und »The New Republic«. Zu seinen Weltbestsellern gehören »Der Sprachinstinkt. Wie der Geist die Sprache bildet« (1995), »Wie das Denken im Kopf entsteht« (1999), »Wörter und Regeln. Die Natur der Sprache« (1999) sowie »Das unbeschriebenen Blatt: Die moderne Leugnung der menschlichen Natur« (2002). Sein Werk ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
62 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Als ein eher zum Pessimismus neigender Typ war auch ich natürlich skeptisch bis ablehnend: ein Rückgang der Gewalt im Verlauf der Geschichte ? Kann das sein ? Wir wissen doch alle, dass das 20. Jahrhundert das mit Abstand blutigste der Geschichte war, und dass das 21. auch schon schlecht angefangen hat, mit Terrorismus, Bürgerkriegen, Gewalt in der U-Bahn usw.
Und dann kommt da Steven Pinker, von Haus aus Psycholinguist, und behauptet, dieser Eindruck sei einer Art "historischen Kurzsichtigkeit" geschuldet. Seine These: Die Menschheitsgeschichte ist, was die Gewalt betrifft, eine Geschichte des Fortschritts. Und weil der Autor um die Skepsis seiner Leser weiß, versucht er jeden nur denkbaren Einwand vorwegzunehmen und mit hunderten von Statistiken und Graphiken zu entkräften.

Mein Eindruck ist: dieser Versuch ist gelungen. Allerdings, und dies ist eigentlich auch schon mein einziger Kritikpunkt, macht dieses Vorgehen nicht nur das Buch sehr dick, sondern den Text an einigen Stellen auch sehr detailverliebt. Der Autor ergeht sich manchmal in Darlegungen, die eher dazu führen, dass man als Leser den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht (so z.B. wenn er lang und breit die mathematischen Berechnungen erklärt, wenn es um die Frage geht, welche Kriege der letzten 200 Jahre auf der Gewalt-Skala wie zu gewichten sind). Aber diese Stellen sind die Ausnahme. Ansonsten liest sich das Buch flüssig und spannend.

Aber der Reihe nach. Steven Pinker macht sechs große positive Trends der Geschichte und der Gegenwart aus:
1. Einen Prozess der allg. Befriedung (= Pacification Process): der in Jahrtausenden zählende Übergang von der anarchischen Lebensweise der Jäger und Sammler hin zu den ersten größeren Gemeinwesen oder Staaten. Dieses Kapitel wird all denen nicht gefallen, die immer noch der weit verbreiteten romantischen Vorstellung anhängen, die Steinzeit sei, zumindest was die Gewalt betrifft, eine Art Garten Eden gewesen, aus welchem die Menschheit nach der Erfindung von Ackerbau und Viehzucht vertrieben wurde. Pinker zitiert eine Reihe von Statistiken die belegen, dass die vorgeschichtlichen Menschen keineswegs die Edlen und friedlichen "Wilden" waren, und dass dieser Übergang mit einer etwa fünffachen Verringerung der Tötungsrate einherging (unter Männern, wohlbemerkt).

2. Einen Zivilisationsprozess (durchaus im Sinne von Norbert Elias), als Folge einer doppelten Steuerung der Individuen: einmal von außen, durch eine Konzentration und Stärkung der öffentlichen, d.h. staatlichen Gewalt, als auch von innen, durch vermehrte Aneignung von Normen ('Gewissen'). Auch vermehrter Austausch und vor allem Handel bewirkte Schritt für Schritt eine Zivilisierung des Umgangs der Menschen untereinander. Zudem outet sich Pinker hier auch als Anhänger von Thomas Hobbes: das zunehmende Gewaltmonopol des Leviathan hatte zur Folge, dass die Einzelnen ihre Konflikte nicht mehr unter Einsatz von Gewalt unter sich ausmachen mussten, sondern den Anderen verklagen konnten.

3. Einen Humanisierungsprozess: Beginnend mit der Aufklärung kam es nach und nach zur Verringerung oder gar Abschaffung bis dahin gängiger grausamer Traditionen, etwa der Folter von Verdächtigen, öffentlicher Hinrichtungen (je grausamer, desto besser !), Sklaverei, Hexenverfolgung, Gewalt gegen Kinder (die Tötung Neugeborener etwa war früher gang und gäbe, heute ist es ein monströses Verbrechen) und Gewalt gegen Tiere (die gibt es auch heute noch, aber wenns publik wird, ist die Öffentlichkeit entsetzt; früher war das nicht der Fall). Als treibende Kraft hinter dem Humanisierungsprozess mach Pinker die zunehmende allgemeine Bildung aus, die von den Eliten ausgehend nach und nach das einfache Volk erfasste: durch vermehrte Lektüre (Romane, Reiseberichte, Sachbücher...) lernten immer mehr Menschen, sich die geistige und emotionale Position Anderer anzueignen; zudem lernten sie, sich selbst quasi von außen zu betrachten, und so in Frage zu stellen (Wissenschaft!). Immer größere Bevölkerungsteile waren an einem allgemeinen Gedankenaustausch beteiligt, was wiederum dazu führte, dass man eigene Vorurteile hinterfragen musste.

4. Die vierte große Veränderung nennt Pinker den "Langen Frieden", und meint damit den Zeitraum seit dem Zweiten Weltkrieg, der insofern einzig in der Geschichte sei, als noch nie zuvor so lange die führenden Mächte der Welt keinen Krieg gegeneinander geführt haben. In diesem Kapitel kommt die schon erwähnte Mathematik voll zum Einsatz, etwa in der Frage, ob die beiden Weltkriege Teil eines Trends oder eher statistische "Ausreißer" (freak events) waren.
Fünftens glaubt der Autor seit dem Ende des Kalten Krieges einen Neuen Frieden ausgemacht zu haben. Dieses Kapitel hat mich nicht sonderlich überzeugt, denn die Zeit von 1989 bis heute ist m.E. zu kurz, um hier schon einen echten Trend feststellen zu können.

Sechstens schließlich die "Revolution der Rechte": in den letzten 200 Jahren wurden immer mehr Menschen und Gruppen Rechte zuerkannt, was es so vorher nicht gab: Angefangen bei den allgemeinen Menschenrechten, über die Rechte von Frauen, von Tieren, Kindern, bis hin zu Rechten von Minderheiten und Homosexuellen. Hier zeigt Pinker überzeugend, dass unser Eindruck, es gebe immer mehr Gewalt, vor allem von einer verstärkten, in manchen Bereichen sogar geradezu überzüchteten Sensibilität herrührt (siehe political correctness). Diese Sensibilität der Zeitgenossen ist ein Indiz dafür, dass die Gewalt seltener geworden ist.

Dieses Buch ist vollgestopft mit kurzen Einführugen und Darlegungen zu den unterschiedlichsten Gebieten: Konflikte in der Steinzeit; das Leben von Jägern und Sammlern vor 20.000 Jahren und heute ; die Entstehung der ersten Staaten ; Menschenopfer ; die Geschichte der Kindheit, der Sklaverei, der Folter, der Vergewaltigung ; die Ergebnisse der Spieltheorie ; die Bedeutung Immanuel Kants für die Rechtsdiskussion im 19. und 20 Jahrhundert ; Pluralistische Ignoranz und Konformismus und deren Bedeutung für Gewalt zwischen Gruppen ; Spiegelneuronen (und warum sie überschätzt sind) ; der Flynn-Effekt (d.h. insbesondere die abstrahierende Intelligenz nimmt seit 100 Jahren zu), und und und ... Dieses Buch ist geradezu ein Lesebuch der Geschichts-, Psycho- und Sozialwissenschaften, zusammengehalten durch das Thema Gewalt. Hier schreibt kein Fachidiot ein jargonlastiges Fachbuch für Fachkollegen, sondern wirklich ein umfassend gebildeter Wissenschaftler schreibt für alle, die das Thema Gewalt in all seinen Dimensionen (historisch, sozial, psychologisch) interessiert. Keine leichte Kost. Aber es lohnt sich ungemein.

Dies ist zudem ein im besten Sinne unzeitgemäßes Buch. Zeitgemäß wäre es, entweder im Stil des postmodernen Diskurses alle Seiten darzulegen, und sich dann auf eine scheinbar überlegene Position des Alles hängt von der Perspektive ab" zurückzuziehen. Oder gleich auf das zynische "Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast" . Pinker dagegen präsentiert sich in diesem Buch als engagierter Aufklärer und Humanist. Das wird die überraschen, die in ihm einen Vertreter der finsteren Soziobiologie sehen, welche bekanntlich behauptet, dass der Mensch von Natur aus böse sei (Stichwort Aggressionstrieb; Homo homini lupus), dass das immer so war und immer so sein wird. Pinker zeigt in diesem Buch sehr klar, dass der Homo sapiens selbstverständlich als ein biologisches Wesen eine Natur hat, dass aber zu dieser Natur nicht nur die "inneren Dämonen" (wie Gier, instrumentelle und ideologische Gewalt, Macht- und Dominanzstreben, Rachegelüste, Sadismus) zählen, sondern eben auch "The Better Angels of our Nature" (so der Originaltitel des Buches) : Empathie; die Möglichkeit zur Selbstkontrolle; ein Gefühl für Fairness und Moral und schließlich das Vernunftvermögen (wie unzeitgemäß ist es, dieses Wort überhaupt noch anders als ironisch zu verwenden !).

Und diese Besseren Engel sind es, die nach und nach den Fortschritt in Sachen Gewalt bewirkt haben, und ihn noch bewirken. Der in meinen Augen interessanteste Gedanke ist dabei der: Die Besseren Engel gehören seit zig-tausend Jahren zur menschlichen Grundausstattung. Warum aber gewinnen sie erst seit kurzem (seit etwa 500 Jahren) vermehrt Einfluss ? Pinker meint, dass der wichtigste Katalysator dieser positiven Entwicklung der reale und ideelle Umgang der Menschen miteinander gewesen sei. Eine fortschreitende Vernetzung der Gehirne, und die daraus resultierende Fähigkeit, von der eigenen Position (und - nicht minder wichtig - von der Position der eigenen Gruppe !) abstrahieren zu können (siehe das Kapitel über die Vernunft) verhalf und verhilft den Besseren Engeln unserer Natur zum Durchbruch.

Es ist ziemlich sicher, dass dieses Buch Wellen schlagen wird. Ich glaube zudem, dass es das Zeug zu einem Standardwerk hat, das alle gelesen haben sollten, die sich kompetent zur historischen Dimension der Gewalt äußern wollen. Bleibt nur zu hoffen, dass alle, die Pinker kritisieren wollen (was natürlich vollkommen legitim ist), dies auch auf seinem Niveau tun, und sich nicht darauf beschränken, mit Schlagwörtern wie "Soziobiologie" oder "Rosinenpickerei" um sich werfen. Und - ganz wichtig ! - dass sie vorher das Buch überhaupt gelesen haben. Und zwar ganz.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Kankin Gawain TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Ein unglaubliches Unterfangen, das Opus Magnum eines der großen Gelehrten unserer Zeit. Pinker will eigentlich nur die Geschichte der Gewalt, genauer, der immer geringer werdenden Gewalt im Verlauf der letzten Jahrtausende erzählen. Dabei widerspricht er aber profund, mit Bergen von Belegen auf Hunderten von Seiten, dem allgemeinen Vorurteil, dass das Maß der Gewalt mit der Zeit zugenommen habe. Er tut uns aber nicht nur damit einen Gefallen, nein, er erschafft im Alleingang eine Theorie der Zivilisation. Jeder, der Wissen will, wie eine Gesellschaft oder ein Staatswesen funktionieren müssen, welche den Einzelnen und das Kollektiv vor Verbrechen und Aggression schützt, kann sich in diesem Werk die Blaupause holen. Im letzten Teil seines Werkes entwickelt er dazu eine Theorie der Moral, des Individuums und der Öffentlichkeit, über ihre notwendigen Bestandteile, die Bedingungen ihrer Entwicklung und die notwendigen Maßnahmen, die wir zu ihrem Erhalt unternehmen müssen.
Wer sich jemals gefragt hat, wodurch die Welt besser wird, oder wie wir eine bessere Welt erschaffen können, so naiv wie das klingt, der findet bei Pinker Antworten, von deren Gehalt er für Jahrzehnte zehren kann.
Es ist Monate her, dass ich das Werk gelesen habe. Es begeistert mich immer noch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zur Entwcilung der Gewalt vom Anfang bis heute 5. Dezember 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Kann es tatsächlich sein, dass die Gewalt weniger geworden ist im Lauf der Geschichte, wie es Steven Pinker behauptet? Aber er behauptet ja nicht nur. Der Psychologieprofessor der Harvard Universität legt auf knapp über 1000 Seiten aus entwicklungspsychologischer Sicht eine 'Weltgeschichte der Entwicklung der Gewalt' vor, wie sie umfassender kaum an anderer Stelle zu finden sein wird. Und nimmt den faszinierten Leser mit auf die Reise in das 'fremde Land' der Geschichte.
Beginnend zu Urzeiten mit der Vorgeschichte der Menschheit, die einzelnen Entwicklungsschritte der Zivilisation schildernd und immer wieder darauf verweisend, wie gefährlich und gewalttätig das Leben in der überwiegenden Zahl vergangener Epochen war. So gefährlich und gewalttätig, dass unsere Epoche tatsächlich (relativ!) als die Friedlichste angesehen werden kann.

Ein 'relativ' muss allerdings betont werden. Denn auch wenn man Pinkers exzellenten Darlegungen leicht mit Einsicht folgen kann, sich verschärfende Spannungen sind dennoch nicht wegzuleugnen und zudem gilt, was zu allen Zeiten galt. Wird der Mensch erst ohne Rahmung losgelassen, dann taucht fast umgehend auch das grausame Tier wieder auf. Folterpraxis auch in 'zivilisierten' Ländern, Kriegsgräuel und vieles mehr sprechen auch heutzutage in diese Richtung noch eine klare Sprache. Wohl aber ist aus Pinkers Darlegungen deutlich abzulesen, welche Entwicklungen zu einem 'Rückgang' offener und verdeckter Gewalt im Lauf der Neuzeit geführt haben. Entwicklungen, an denen für die Zukunft der Weg zu einer Welt mit weiterhin abnehmender Gewalt abzulesen wäre. Allein für diese Klarheiten lohnt sich die Lektüre des Buches bereits.

Immer aber muss der Leser sich gewahr bleiben, dass hier kein Historiker eine Geschichtsschau abliefert, sondern ein Psychologe sich eines konkrete Themas der 'menschlichen Natur' zuwendet und wohl auch mit einer (fast) fertigen These sich im Buch an eine Art 'Beweisführung' gemacht hat. So fällt auf, dass er nicht 'absolute' Zahlen von Gewaltopfern ins Feld führt, sondern dies je in Relation zur Weltbevölkerung setzt. So nur erklärt sich, dass das 20. Jh. als eines der unblutigsten gelten kann, obwohl von den absoluten Zahlen her die meisten Opfer durch Gewalt im Verlauf der Geschichte in diesem Jahrhundert festzustellen sind.

In ähnlicher Weise 'springt' Pinker durchaus hier und da auch assoziativ durch Geschichten, Geschichte und Traditionen. Bis Pinker zur Schlussfolgerung gelangt, dass eine 'düstere Weltsicht' voller apokalyptischer Sorge zumindest was die Gewalt unter den Menschen angeht letztlich nicht gerechtfertig ist, sondern durchaus 'Dankbarkeit' in den Raum treten könnte. Zumindest zu einem gewissen Teil in der Rückschau, das viele 'Formen der Gewalt bis heute zurückgegangen sind'.

Dies stellt Pinker als Folge 'sozialer, kultureller und materieller' Bedingungen dar, die sich sprunghaft im Blick auf die Menschheit verbessert haben und, gemeinsam mit sozialen Übereinkünften, vielen 'Gewalten' die Spitze genommen haben.
'Bleiben diese Bedingungen bestehen, wird auch die Gewalt gering bleiben'.

Für diese These führt Pinker eine immense Vielfalt an Argumenten, Zahlen und Beobachtungen an, die dennoch subjektiv gefärbt bleiben. Wie schnell roheste Gewalt sich Bahn brechen kann auch in Zeiten, die von Humanismus und Aufklärung bis in die Verfassungen hinein geprägt ist, davon zeugt der ganz normale Alltag bereits. Das dies unter Umständen nur mehr 'Ausrutscher' oder 'Ausnahmen' quasi unbezähmbarer, aber immer vereinzelter auftretender 'innerer Dämonen' sind,, das will man gerne glauben, kann aber die Augen nicht davor verschließen, dass noch längst nicht an allen Orten der Welt Ratio und Aufklärung wirklich Fuß gegriffen haben. Dennoch legt Pinker ein beachtenswertes Werk vor, in dem vielfach sich jene Entwicklungslinien herausschälen, die es zu fundieren und weiter zu verfolgen gilt, um der rohen Gewalt (noch mehr) Einhalt zu gebieten.

Ein umfassendes, breites und durchaus mit Tiefe versehenes Werk, das nicht immer strikten wissenschaftlichen Formen folgt, mit Assoziationen arbeitet, Verbindungen knüpft, die hier und da ein wenig zu gewollt wirken, in dem dennoch aber wesentliche Erkenntnisse der 'Minderung von Gewalt' auf gesellschaftlicher Ebene klar herausgearbeitet werden. Ganz eindeutig sprechen Pinkers Zahlen und Betrachtungen, Berechnungen und Beobachtungen davon, dass seit 1945 diese Welt deutlich unblutiger (und damit friedlicher) geworden ist als in allen Jahrhunderten zuvor (nicht nur berechnet auf die Gesamtbevölkerungszahl). Eine gute, aber eben auch eine brüchige Entwicklung, die stetig vor Augen gehalten werden will, um ihre Kraft nicht zu verlieren.
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5.0 von 5 Sternen Genial, einfach nur Genial!!
Dieses Buch ist einfach nur Genial!!

Nicht nur die zwanghaft schöne wiederholung von geschichts basiswissen ist praktisch sondern auch all die kleinen,... Lesen Sie weiter...
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Vor 6 Monaten von Rumpelstilzchen veröffentlicht
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Rezension zum Buch von Steven Pinker: Gewalt"

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