Auf dieses Buch gehört der Aufkleber: Vorsicht! Nur für Fans!
Und selbst mir, die ich fast alle Inspector-Jury-Romane gelesen habe, ist es schwer gefallen, es NICHT einfach in die Ecke zu legen und nie wieder anzufassen. Ein ziemlich dickes Buch (440 Seiten) und es dauert so unendlich lange, bis endlich, endlich etwas Spannung in die Handlung kommt.
Ich fand es nicht sehr amüsant, seitenweise über Melrose Plants unfreiwilligen Ausflug ins Antiquitätengewerbe zu lesen - nein, es war eher mühsam. Und dass diejenige, die nicht nur Jurys "Freundin"(?!), sondern auch die unter Mordverdacht stehende Person ist, erst nach sage und schreibe 194 Seiten befragt wird, empfand ich als wirkliche Zumutung.
Dass man schließlich alle Geschichten und Geschichtchen, die bereits Mr. Plant ausgegraben hat, noch einmal mit Jury durchkaut, erhöht nicht gerade die Spannung.
Nein, wenn draußen nicht gerade der allerschönste Sonnenschein vorherrschte, wäre ich gewiss in eine handfeste Depression verfallen - so zäh und öde kommt dieser Doppelmord daher. Dabei sind einige der Figuren durchaus vielversprechend angelegt. Allein, es fehlt eine Handlung! (Und eine ausführliche Auflösung!)
Nun gut, möglicherweise liegt es an der Übersetzung ins Deutsche. Ich werde den nächsten Jury mal auf Englisch versuchen.
Katrin Brand vom WDR hat geschrieben: "Inspektor-Jury-Romane lesen ist wie Verwandte besuchen. Alle sind inzwischen ein bisschen älter geworden, aber niemand hat sich wirklich verändert, und die Geschichten sind auch immer die gleichen geblieben. Einmal im Jahr kann man das ertragen, aber dann ist es auch wirklich genug."
Dem ist nichts hinzuzufügen.