Aus der Amazon.de-Redaktion
Bevor die Muskatblüte aber in der Heimat "die Winde streichen" lassen konnte, mussten verwegene Abenteuer in See stechen, um sie in der Ferne zu besorgen. Nicht immer waren dabei die Winde günstig, und so manchem Matrosen brachte die Muskatnuss bei seinen gefährlichen Fahrten zu den Gewürzinseln keineswegs Gesundheit, sondern den Tod auf dem Meeresgrund. Vom antiken Gewürzhandel und seinen gesalzenen Auswüchsen in neuzeitlichen Handelsmonopolen erzählt die Wirtschaftshistorikerin Manuela Mahn ebenso anschaulich und kurzweilig wie von einer "Botanik der Gewürze". Kulinarisch spannt sie den Bogen von der mittelalterlichen Kochkunst über den Niedergang des Gewürzverbrauchs auf den laffen Tellerkompositionen der Haute Cuisine bis hin zu einer "Renaissance" von Muskat, Kurkuma, Nelke, Zimt und Kardamom in unserer geschmacksnervenverwöhnten Gegenwart. Hatte Stefan Zweig in seiner Biografie Mangellans noch behauptet, dass "im Anfang das Gewürz" gewesen sei, so scheint es am Ende im Triumph zurückzukommen.
Dies alles serviert uns Gewürze derart genüsslich, dass man auch von diesem Buch getrost mit Andrew Borde behaupten kann, es wirke wohl auf Hirn und Auge. Spannend wie ein Roman und informativ wie ein Geschichtsbuch. Unbedingt empfehlenswert. --Thomas Köster
Neue Zürcher Zeitung
Muskatblüte, trocken
rox. Zu Beginn seines Buches über die Taten des Magellan singt Stefan Zweig ein Hohelied auf das Gewürz. Bloss «ein einziges Korn indischen Gewürzes, ein paar Stäubchen Pfeffer, eine trockene Muskatblüte» sind es, die das Gewürz zum Anfang der kulturellen Lichtwerdung machen. Dieses und andere Zitate kommen Manuela Mahn in ihrer Monographie über die weitgespannte und nicht nur zur Küchenliteratur zu schlagende Geschichte des Gewürzes zupass. Obwohl das Buch illustriert ist und ebenso reichhaltige historische Kenntnis über Handel und Verwendung von Safran, Piment, Muskat, Kardamom, Mazis und weiterer Köstlichkeiten zeigt, befleissigt sich die Autorin einer trockenen, der Information dienenden Darstellungsweise. Das kommt dem Thema entgegen. Nachdem sich die ersten Kapitel vornehmlich den Schätzen des Orients und ihrer sukzessiven Verbreitung im Abendland gewidmet haben, fokussiert die Autorin im letzten Teil auf die «feine» Würze, den Siegeszug der Haute Cuisine und den gegen Ende des 19. Jahrhunderts empfindlichen Rückgang des Gewürzverbrauchs. Mit der industriellen Verfertigung von Fertigwürze treten Muskat und Kardamom wieder in den Hintergrund; die Düfte verschwinden, und nur noch wenige meist «Einwanderer» wissen noch mit den kostbaren Stäubchen umzugehen.
Perlentaucher.de
Ein Buch, das nicht allein ins Genre der Küchenbücher schlägt, wenn man dem Rezensenten "rox." glauben darf, der Mahns Abhandlungen über das "Gewürz" eine wohlwollende Kurzkritik widmet. Der Rezensent lobt die historischen Kenntnisse der Autorin über die Geschichte der Gewürze und ihren Handel und findet die eher "trockene, der Information dienende Darstellungsweise" der Sache dienlich. Auch der Niedergang des Würzens durch zunehmende Verbreitung von Fertigwürze findet der Rezensent hier gewürdigt. Offensichtlich geht aus dem Buch hervor, dass heute nur noch Einwanderer mit Gewürzen richtig umzugehen verstehen.
© Perlentaucher Medien GmbH
Der Autor über sein Buch
Die Welt der Gewürze - eine Welt voll faszinierender Abenteuer sowie weitreichender Entdeckungen und zugleich eine Welt voll aromatischem Genuss und erotischer Sinnlichkeit.
Spannendes Hintergundwissen, anschauliche Informationen und Lesevergnügen liefert Ihnen dieses Gewürze-Buch, denn die Geschichte der Gewürze ist so alt wie die Menschheit selbst. Waren es doch unsere Ahnen in der Jungsteinzeit, die zuerst begannen mit selbstgepflückten Kräutern ihrer eintönigen Nahrung pikanten Geschmack zu verleihen und die ihre Wunden und Erkrankungen gleichfalls mit diesen Würzpflanzen heilten. Indem der Mensch den Kochprozess verfeinerte, begab er sich gleichsam auf eine höhere Kulturstufe. Die Entwicklung der Esskultur und Kochkunst, aber auch die der Heilkunde und Mythologie, ist eng mit der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Gewürze verknüpft. Die Küche der Antike, des Mittelalters und der frühen Neuzeit feierte die opulenten würzigen Schlemmereien, die Heilkunde Asiens und später auch Europas basierte auf der Verordnung dieser Würzpflanzen und auch heute noch sind in der Kochkunst wie Gesundheitslehre Indiens oder Chinas Gewürze ein unverzichtbares Element.
Begeben Sie sich also mit diesem Buch auf eine Exkursion in ferne Regionen der Erde und in längst vergangene Zeiten. Reisen Sie auf den Spuren der Gewürze in das Ägypten der Pharaonen, in das Rom der Caesaren, in das Tripolis der Kreuzfahrer, in das Peking Marco Polos, in das Lissabon Heinrich des Seefahrers, in das Calicut Vasco da Gamas, in das Amsterdam Cornelis van Houtmans, in das London der East India Company sowie in das deutsche Gewürzzentrum Hamburg.
Erleben Sie mit, wie Gewürze Weltgeschichte geschrieben haben und welche Hauptrolle diese heute in unserer Ernährung und Gesundheitsvorsorge im Grunde genommen spielen könnten- als Würze des Lebens!