Guido Dieckmann ist es gelungen, eine spannende Romanbiographie des Gründers der Homöopathie zu schreiben. Der Rezensent kennt die tätsächlichen Lebensdaten von Doktor Hahnemann nicht, kann also schlecht abschätzen, wo Wirklichkeit in Fiktion übergeht.
Interessant war es zu erfahren, dass das Verhältnis der Allgemeinmedizin (Allopathie) zur Homöopathie noch heute das gleiche ist (vor allem in Frankreich, wo der Rezensent seinen aktuellen Wohnsitz hat). Ignoranz, Verleugnung, üble Nachrede, alles wie heute und deshalb um so glaubhafter. Doch damit nicht genug, der Autor hat zudem noch eine Rosenkreutzer-Verschwörung in die Geschichte miteingebaut. Hier und da erhöht das die Spannung, wäre aber m.E. nicht in dieser Form notwendig gewesen.
Auf jeden Fall wird die Geschichte durch die Rosenkreutzer komplizierter. Und damit kommen wir zu den Kritikpunkten des Werkes, derenthalben es nur vier Sterne gab: Es passiert unheimlich viel in diesem Buch, zu viel vielleicht für die vorgegebene Seitenzahl. Dem Autor gelingt es zwar immer wieder, die Handlungsstränge mehr oder weniger schlüssig zusammenzuführen. Leider fehlt es aber einigen Passagen an Tiefe. Personen werden oft nur oberflächlich skizziert und dadurch ihre Motivationen unklar.
Anstelle einer Rosenkreutzerverschwörung wäre vielleicht eine detailliertere Auseinandersetzung mit der Wirkungsweise der Homöopathie aufschlussreich gewesen. Denn dann hätte man Allopathen wie Clarus und seine Kollegen bzw. Hahnemann selbst besser verstehen können. Die Ähnlichkeitslehre Hahnemanns bleibt so leider von Anfang bis Ende eine Vorgabe, die man glaubt oder ablehnt.
Irritierend fand der Rezensent die beschriebene Distanz zwischen Eltern und Kindern, die der Autor bei fast allen Personen beschreibt. Es kann durchaus vorkommen, dass es Eltern-Kind-Beziehungen an Wärme fehlt. Wenn das aber bei allen in einem Buch beschriebenen Eltern-Kind-Beziehungen der Fall ist, dann wirkt das zumindest wenig glaubwürdig. Am Zeitalter (18. Jhdt) liegt's sicher nicht, wie uns einschlägige Zeitzeugenberichte anderswo glaubhaft vermitteln.
Abschliessend möchte ich bemerken, dass Guido Dieckmann flüssig schreibt, mit gutem Stil, wobei die Verwendung zeitgenössischer Formeln -- z.B. die Anrede in der dritten Person singular -- den Dialogen einen authentischen Touch geben. Ein Buch, das den Freunden des historischen Romans uneingeschränkt empfohlen sei.