Als Kind der 80er und 90er Jahre (Jahrgang 69) hatte ich mich sehr auf dieses Buch gefreut, und mir einen Rückblick auf meine eigene wüste Partyzeit versprochen, in der MTV und Viva natürlich auch eine gewisse Rolle gespielt haben. Dazu noch ein paar Einblicke hinter die Kulissen des entstehenden Musikfernsehens, das versprach doch spannend und unterhaltsam zu werden.
Aber leider sagt der Untertitel "MTV, Deutschland und Ich" nicht viel über die Story aus. MTV spielt im gesamten Buch eher eine Nebenrolle, alles bleibt sehr an der Oberfläche, und dient höchstens als Kulisse für seitenlange Monologe über das eigene Schwulsein und sehr, sehr viel Selbstbeweihräucherung. Bei aller Selbstreflektion - langweilig! - kenne ich jetzt alle liebenswerten, positiven und kreativen Seiten des Steve Blame. Aber leider keine einzige gegenteilige, negative Charaktereigenschaft. Je länger das Buch fortschreitet, desto ärgerlicher wird dieser Narzismus, und man möchte den Untertitel umgedichtet sehen in "Ich, Ich, Ich, Ich und das Schwulsein vor dem Hintergrund meines Jobs bei MTV". Naja, ab und zu kommt auch mal ein bisschen Deutschland vor.
Und sogar die wenigen Passagen, die Einblicke in die frühen und späteren Zeiten bei MTV und Viva2 erlauben sollen - der Grund, warum ich mir das Buch gekauft hatte - bleiben seltsam oberflächlich und schwammig. Warum war es mit Gorny so schlimm, was genau ist passiert? Auch vereinzelte Humor-Versuche bleiben leider vollständig auf der Strecke.
Alles in allem ist das Buch nicht zu empfehlen, zumal für den sehr stolzen Preis vom Verlag ein gebundenes Werk angekündigt wird, man aber ein normales, broschiertes Buch erhält. Vor dem Hintergrund einer sehr schwachen Story ist diese offensichtliche Abzocke noch umso ärgerlicher.