Andreas Altmann graut vor der Wohlfühlgesellschaft. Und er widmet dieses Buch mit zahlreichen Erzählungen allen, "die ihr Recht auf ein eigenständiges, eigenwilliges Leben nicht verraten haben". Weil ich keine Ahnung habe, was die Wohlfühlgesellschaft sein soll, bleibt mir wohl auch das Grauen vor ihr erspart. Ansonsten kann man sich durch die Altmannsche Widmung zunächst durchaus angesprochen fühlen, auch wenn man die in ihr versteckte Selbsterhöhung des Autors ahnungsvoll belächelt.
Die Stories aus der weiten wilden Welt werden dieser Ahnung dann auch schnell gerecht und erweisen sich als Geschichten aus Altmanns kleinem Ego-Universum. Sein unstetes Leben lässt vermuten, dass er sucht und nicht weiß wonach. Von diesem merkwürdigen Weg erzählen seine Geschichten. Seine Helden scheuen sich oft nicht davor, andere Menschen zu betrügen. Nicht etwa aus Not, sondern aus Prinzip.
Sie klauen Bücher und betrügen Versicherungen, damit sie das Leben in sich fühlen, die Angst, das Risiko oder Gott weiß was. Im Grunde geht es dabei wohl eher nur darum, sich das eigene miese Handeln schönzureden. Gelegentlich macht sich sogar der liebe Gott darüber lustig und lässt den Ich-Erzähler impotent werden, als eine Geliebte Kind und Ehe verlangt und damit sein "Recht auf ein eigenständiges, eigenwilliges Leben" in schreckliche Gefahr bringt.
Irgendwann trifft man, wenn man beim Betrügen besonders clever sein will, zwangsläufig auf seinen Meister. Auch davon berichtet dieses Buch. Und von noch vielem anderen aus Altmanns Leben, das in der Tat ziemlich bunt und wild zu sein scheint. Mich hat es recht bald angefangen zu langweilen, obwohl die Geschichten sehr gut geschrieben sind. Allerdings scheint sich der Autor auf der Suche nach Tiefe im Leben in recht flachem Gebiet verirrt zu haben. Dafür lernt man ihn wenigstens tiefer kennen. Und das erweist sich wenigstens für eine Weile als recht amüsant.