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Geteilte Ansichten. Erinnerungslandschaft deutsch-deutsche Grenze [Gebundene Ausgabe]

Maren Ullrich
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.



Kurzbeschreibung

2006
Die innerdeutsche Grenze, von der DDR ab 1952 zu einem perfekten Sperrgürtel ausgebaut, hat 37 Jahre lang Familien, Siedlungen, Verkehrswege und Landschaften sowie zwei politische Systeme getrennt. Im westdeutschen "Zonenrandgebiet" wurden seit den 1950er Jahren Mahnmale, Skulpturen und Gedenksteine errichtet, um die Unteilbarkeit Deutschlands zu konstatieren und der Opfer des SED-Grenzregimes zu gedenken. Später entwickelte sich eine touristische Infrastruktur mit Informations- und Aussichtspunkten. Auf DDR-Seite standen im abgeriegelten Grenzgebiet Denkmäler, die Tote aus den Reihen der Grenztruppen in den Status von Helden erhoben.
Nach 1989 wurden die Sperranlagen abgetragen, die Minenfelder geräumt und die frei gewordenen Flächen dank der Bemühungen des Naturschutzes in großen Teilen gesichert. Maren Ullrich hat etwa 300 Mahnmale und Gedenkorte aus der Zeit vor und nach der Vereinigung untersucht, darunter neu aufgebaute Grenzlandmuseen und Landschaftskunstwerke. Sie macht deutlich, wie sowohl die westdeutsche Sicht auf die Grenze als auch Bilder der Berliner Mauer unsere Vorstellung von der deutsch-deutschen Grenze bis heute prägen. Das reich bebilderte Buch regt an, sich mit der Interpretation der Teilung in unserer Erinnerungskultur neu auseinanderzusetzen.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 351 Seiten
  • Verlag: Aufbau-Verlag; Auflage: 1 (2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3351026390
  • ISBN-13: 978-3351026394
  • Größe und/oder Gewicht: 22,6 x 18,2 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 750.191 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Maren Ullrich, geb. 1967 in Frankfurt a.M., studierte in Oldenburg und Siena Kunst, Geschichte und Germanistik, nach Aufenthalt in Polen Arbeit über das Verhältnis von Raum und Erinnerung in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, lehrt an der Universität Oldenburg.

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5.0 von 5 Sternen Deutsch-deutsche Erinnerungskultur(en) 1. Februar 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Während über den Wert der Berliner Mauer als Denkmal schon viel diskutiert wurde, ist die (ehemalige) Grenze, die sich zwischen 1952 und 1989 zunehmend unüberwindbarer durch Deutschland zog, und deren Nutzung für Zwecke historischer Erinnerung vor und nach 1989 bislang kaum in den Blick der breiteren Öffentlichkeit gerückt. Die Untersuchung von Maren Ullrich überwindet dieses Forschungsdesiderat auf beispielhafte und gelungene Weise, insofern sie den früheren Grenzraum von 1.393 Kilometer Länge als Gedächtnislandschaft erkundet, inventarisiert und deutet. Annähernd 300 Phänomene der Geschichts- und Erinnerungskultur hat die Oldenburger Kunsthistorikerin während einer Spurensuche im Gelände erfasst und zum Thema ihrer Doktorarbeit gemacht, deren Erarbeitung von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit einem Stipendium gefördert worden ist. Unter Berücksichtigung der historischen Tatsache, dass die Grenzbefestigungen vom Westen her uneingeschränkt betrachtet werden konnten, im Osten dem zivilen Blick aber weitestgehend entzogen waren, hat sie nicht die Grenze selbst, sondern deren Darstellung in Denkmälern, Fotografien und Kunstwerken untersucht.

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit der Frage, wie die Grenze zu Zeiten der deutschen Teilung gedeutet wurde. Während Stacheldraht und Schießbefehl im Westen die Menschenverachtung der SED-Herrschaft verkörperten, galt der „antifaschistische Schutzwall“ in der Propaganda des Ostens als Garant der DDR und des Friedens im Kalten Krieg. Im Gebiet beiderseits der Grenzlinie inszenierten sich sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR als das jeweils „bessere Deutschland“. Um das Grenzregime der DDR anzuklagen, wurden im westdeutschen „Zonenrandgebiet“ seit den 1950er Jahren von ganz unterschiedlichen Initiatoren Mahnmale, Skulpturen und Gedenksteine errichtet. Anfang der 1960er Jahren betrieben Bund und Länder den Ausbau einer touristischen Infrastruktur mit Informationsangeboten und Aussichtspunkten am Grenzverlauf. Aus erhöhter Position wurde der Blick von der „Freiheit“ in die „Unfreiheit“ eingeübt, der sich auch in Filmen und Fotos nachweisen lässt und die Geschichtsdeutung auf der Ebene des Visuellen bis heute prägt. Aus den 1970er und 1980er Jahren datieren schließlich jene Denkmäler, deren Initiatoren das Schicksal der Grenztoten dem offiziellen Kurs der Entspannungspolitik entgegenhalten wollten.

Im Gegensatz zur Vielfalt westdeutscher Monumente standen im abgeriegelten Grenzgebiet der DDR ausschließlich Denkmäler, die die Toten aus den Reihen der Grenztruppen zu Helden im Kampf gegen den westlichen Imperialismus erhoben. „Maren Ullrichs Buch ist schon deshalb ein Verdienst, weil es durch die Dokumentation der Darstellungen an und von der Grenze zeigt, welcher Geist im geteilten Deutschland des Kalten Krieges vorherrschte“, heißt es zurecht in einer Rezension von Deutschlandradio Kultur.

Im zweiten Teil ihres Buches zeigt Maren Ullrich die vielseitigen Bemühungen, die seit 1989 im Verschwinden begriffene Grenze zu musealisieren und im Rückgriff auf materielle Spuren und Reste Gedenkorte oder Kunstwerke zu etablieren. Die Darstellung der unterschiedlichen, oft konträren Deutungen des historischen Ortes durch Naturschützer, Ausstellungsmacher, Bildhauer und Landschaftskünstler liefert nachhaltige Einblicke in die Dynamiken des Wandels und der Umdeutung historischen Erinnerns. Es geht in ihrem Buch somit nicht um die Erfassung der materiellen Spuren in ihrer Vollständigkeit, sondern um Fragen der Auswahl und der Wertung. Welche baulichen Überreste der Grenzbefestigung fließen wann und auf welche Art und Weise in die gesamtdeutsche Erinnerungskultur ein, welche tauchen gar nicht erst auf, welche erlangen symbolische Bedeutung, welche verschwinden wieder? Gegenstand der Betrachtung sind damit subjektive Rekonstruktionen, die sich in Form von gewollten, aber auch absichtslosen Denkmälern und anderen Phänomenen der materiellen Kultur in einer Landschaft objektiviert haben. Indem sie die Bild- und Formtraditionen vergegenständlichter Erinnerung herausarbeitet, gelingt ihr eine Reflektion der latenten Erinnerungs- und Gedächtnisinhalte, die sich jenseits der manifest geäußerten Anliegen der Akteure bewegen. Maren Ullrich macht in ihren Analysen deutlich, wie sowohl die westdeutsche Sicht auf die Grenze als auch Bilder der Berliner Mauer unsere Vorstellung von der deutsch-deutschen Grenze bis heute prägen und kommt zu dem Ergebnis, dass in der öffentlichen Erinnerungskultur die ostdeutsche Perspektive weitgehend verloren gegangen ist.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spurensicherung an der deutsch-deutschen Grenze 19. Februar 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Maren Ullrich wirft in ihrer Dissertation "Geteilte Ansichten" einen sachlichen, eher distanzierten Blick auf die Denkmäler und Relikte entlang der deutsch-deutschen Grenze. Sie folgt einer fast kriminalistischen Praxis der Spurensicherung, die in hohem Maße dazu geeignet ist, dem aufmerksamen Leser die Augen zu öffnen. Ihre Interpretationen machen die Konjunkturen politisch vorherrschender Meinungen und populärer Erinnerungspraktiken deutlich, halten sich aber stets an die vorgefundenen Materialien. Der Vorteil dieser Arbeitsweise ist eine große Genauigkeit, die zudem gut nachvollziehbar ist: Jede der besprochenen "Spuren" ist abgebildet, - so dass Leserinnen und Leser Maren Ullrichs Ausführungen aus eigener Anschauung heraus folgen oder ihnen auch widersprechen können.

Gerade deshalb ist das auch für Nicht-Wissenschaftler sehr gut verständliche Buch hervorragend als Informationsquelle zur deutsch-deutschen Grenze geeignet: Es verkündet keinerlei simple Wahrheiten. Statt dessen rückt es blinde Flecke in den Blick, fordert heraus zu Differenzierungen und provoziert Fragen. Implizit fordert es dazu auf, die bei genauem Hinsehen doch noch reichlich vorhandenen Spuren endlich zur Kenntnis zu nehmen und sich an ihrem Vorhandensein genauso wie an ihrem Verschwinden abzuarbeiten.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Geteilte Ansichten" 12. Februar 2007
Von R. Uhde
Format:Gebundene Ausgabe
"Geteilte Ansichten" - besser hätte die Autorin Maren Ullrich den Titel ihres Buches kaum wählen können. In ihrer gut recherchierten und ebenso gut lesbaren Dissertation thematisiert sie ein bislang überraschenderweise nur wenig beachtetes Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte: den innerdeutschen Grenzzaun außerhalb Berlins und dessen unterschiedliche Wahrnehmung auf beiden Seiten der Mauer.

Sorgfältig trägt die Autorin die wenigen noch sichtbaren Relikte entlang des annähernd 1400 Kilometer langen Grenzstreifens zusammen, um sie so dem vollständigen Vergessen zu entziehen. Ausgehend von den vor Ort gefundenen Mahnmalen, Aussichtstürmen, Kunstwerken oder anderen Zeitdokumenten rekonstruiert sie die "Geteilten Ansichten" Ost und West schließlich als zwei Perspektiven, die sich in weiten Teilen diametral gegenüber standen bzw. stehen: Denn was im Osten von staatlicher Seite als "antifaschistischer Schutzwall" begründet wurde, das fungierte im Westen als deutlich sichtbarer und jederzeit verfügbarer Ausdruck des totalitären Anderen jenseits der Mauer. Dem schaurig interessierten Blick vom Aussichtsturm auf "die Zone" wohnte so neben Trauer und Mitgefühl für "die da drüben" immer auch die Vergewisserung der eigenen demokratischen Rechtsstaatlichkeit und damit immer auch etwas Karthatisches inne. Denn ein prägnanteres und wirksameres Bild für die im Westen proklamierte Überwindung des Totalitarismus nach 1945 und damit für die Befreiung von eigener Verstrickung hätte sich kaum finden können.

Nach dem "Fall der Mauer" ist es vor allem die westliche Perspektive auf den Grenzwall, die sich durchgesetzt hat. Authentische Darstellungen der Perspektive Ost sind dagegen bis heute weitgehend verschwunden oder wurden überlagert, wie das Buch nachweist. Damit verloren gegangen ist nichts weniger als ein wichtiger biografischer und gesellschaftlicher Bezugspunkt für die Menschen in der ehemaligen DDR. Auch das ein Kapitel deutsch-deutscher Geschichte. "Die Geteilten Ansichten" sind deshalb ein wichtiger und lesenswerter Beitrag für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit beiden Seiten der deutsch-deutschen Geschichte. "Bevor Gras darüber wächst", wie Andreas Baum in seiner Rezension über das Buch von Maren Ullrich im Deutschland Radio Kultur ausführt.
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