Wer kennt ihn nicht, den Film
Getaway von Sam Peckinpah aus dem Jahr 1972, mit Steve McQueen als Doc McCoy und Ali McGraw als dessen Frau Carol? Jüngere Leser kennen vielleicht nur die Verfilmung von 1994 von
Getaway mit Alec Baldwin und Kim Basinger. Dieser Roman von Jim Thompson ist jedenfalls das Buch zum Film, das viele Jahre bestenfalls antiquarisch zu bekommen war.
1959 hat Thompson diesen Roman geschrieben. Wegen der sparsamen Sprache und der knappen Beschreibungen könnte die Geschichte aber heute spielen. Das Alter merkt man bestenfalls an den überholten und zum Scheitern verurteilten Fahndungsmethoden der Polizei - wenn sie überhaupt erwähnt werden. Die Sprache ist so frisch, als wäre das Buch eben erst geschrieben worden.
So vielversprechend die Geschichte anfängt, die Thompson erzählt, von der Flucht nach einem Bankraub, so unspektakulär entwickelt sich die Handlung. Die liebevolle Charakterbeschreibung von Doc McCoy zu Beginn ist leider der Höhepunkt. Ab dann macht es der Autor den Figuren (und sich) ein bisschen zu einfach: es gibt zwar immer wieder Schwierigkeiten und Hindernisse auf der Flucht, aber die lassen sich jeweils ohne größere Probleme beseitigen. Wer Filme wie
Heat (Premium Edition, 2 DVDs) oder
Reservoir Dogs (Special Edition, 2 DVDs) kennt, wird wahrscheinlich enttäuscht sein.
Anders als in seinem (wesentlich besseren) Roman
Der Mörder in mir sind auch die Dialoge eher flach und unspektakulär: wenig grimmiger Witz, kaum treffende Beobachtungen, so gut wie keine brenzligen Situationen wie in seinem Jahre früher verfassten Thriller.
Trotzdem ist das Buch natürlich um Klassen besser als viele jüngere Thriller. Thompson kann schreiben und weiß, was er tut. Er ist ein guter Handwerker, von dem sich heutige Autoren eine Menge abschauen könnten. Drei Sterne für das Buch - und den vierten Stern für den Diogenes-Verlag, der vier Thriller von Jim Thompson neu aufgelegt hat.