Das Buch "Get fit to run" habe ich mir aus Interesse am Thema "Functional Training" gekauft. Ein Modetrend, den ich einfach noch nicht ganz verstanden hatte. Die Erfolge der DFB Elf in 2006 mit diesem völlig neuartigen Ansatz werden hoch gelobt. Das hat mich neugierig gemacht. Als Läuferin war unter der ganzen Literatur zu diesem Thema dann dieses Buch meine erste Wahl. Leider bin ich ein wenig enttäuscht.
Das liegt in erster Linie daran, dass ich das Neue hinter diesem revolutionären Ansatz nicht sehe. Es geht um Ganzkörpertraining. Ok, dass propagieren die meisten Fitness Päpste seit vielen Jahren. Es geht um einen Ausgleich von Dysbalancen. Das ist auch nicht wirklich neu. In jeder Aerobic Stunde wird darauf geachtet. Es geht um ein ausgeglichenes Verhältnis von Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer. Auch das ist mir nichts Neues. Wenn der Ansatz für die DFB Elf wirklich neu war, frage ich mich vielmehr, wie sie denn vorher trainiert haben...
Richtig ist der Ansatz des funktionalen Trainings allemal. Und das nicht nur für (Lauf-) Sportler. Jeder kann mit ausgewogenem Ganzkörpertraining seine körperliche Fitness für alle Einsatzbereiche verbessern. Unter diesem Aspekt ist das Buch in jedem Fall eine lohnenswerte Lektüre. Gerade dem leistungsorientierten Läufer hilft es Abstand zum gewohnten Training zu finden und einmal völlig andere Trainingsreize zu setzen. Die Selbsttests in allen Bewegungsbereichen können schon erstaunliche Ergebnisse bringen und helfen, neue Schwerpunkte zu legen.
Dabei sind viele der im Buch beschriebenen Übungen nicht neu. Das Lauf ABC z.B. wird den meisten bereits bekannt sein. Das Buch bietet aber eine schöne Sammlung von Übungen, die das Lauftraining gut ergänzen können. Schade ist es, dass einige Hilfsmittel wie XCO's vorgeschlagen werden, ohne einen einzigen Hinweis wie man diese verwendet. Wer die Aluminium Rasseln nicht kennt, kann damit nichts anfangen. Auch werden einige für mich etwas obskure Hilfsmittel vorgeschlagen. Z.B. ein kleiner Fallschirm, um das Laufen gegen einen Widerstand zu trainieren. Da hätte ich mir mehr praktikable und alltagstaugliche Ideen gewünscht. Vielleicht möchten die Autoren ja auch den Verkauf über ihre Produkt-Webpage anheizen...
Das Buch ist in die Teile Motivation, Bewegung und Ernährung aufgeteilt. Es enthält viele Hintergrundinformationen über die Mechanismen, mit denen wir es dabei zu tun haben. Dabei wird es manchmal etwas zu akademisch. Aber man muss ja nicht jeden Abschnitt im Detail lesen, sondern kann sich das herauspicken, was einen selbst am meisten interessiert. An dieser Stelle gefällt mir besonders, dass das Autorenteam sehr viele unterschiedliche Blickwinkel einbringt. Das Buch ist auch nicht nur für leistungsorientierte Läufer geschrieben. Auch der sogenannte "Soul Runner" hat etwas davon. Obwohl ich schon viel (gute und schlechte) Literatur über Fitness und Trainingsmethoden gelesen habe, konnte ich doch die eine oder andere neue Erkenntnis mitnehmen.
Was mir etwas aufstößt ist die Produktorientierung im Buch. Auf der einen Seite die Hilfsmittel für die Übungen. Aber auch an anderer Stelle werden viele Produkte wie GPS (Garmin), Pulsuhren (Suunto, Garmin), I Phone, Barfuß-Schuhe (Nike) explizit aufgeführt. Für eine halbwegs neutrale Produktübersicht, ist die Aufzählung zu dürftig. Zur Erläuterung der Hilfestellung durch solche Produkte sind die Marken und deren Abbildung unnötig. Bleibt die Vermutung des gezielten Product Placement, was ich in einem Buch über eine Trainingsmethode unangemessen finde.
Fazit: Insgesamt bereue ich es nicht, das Buch gekauft zu haben und schmökere immer wieder gerne in einzelnen Kapiteln. Hinter dem Functional Training hatte ich mir aber mehr vorgestellt, als "alten Wein in neuen Schläuchen".