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Der klassische WS-Stoff mit brechend krachiger Gitarre und Megs Minmal-Gedonner am Schlagzeug findet sich nur noch selten, ganz drei mal kommt diese Instrumentierung noch zum Zug: "Blue Orchid", "Instinct Blues" und "Red Rain" sind allerdings Hammersongs, die man gerne ein bißchen lauter hört. Doch sonst hat Jack White seine Liebe zum Piano entdeckt, das den Großteil der Songs untermalt, durchaus auch mal
in Tateinheit mit Bass. Das sägt dann nicht so hart, kann aber trotzdem den typischen White Stripes Flair transportieren, wie in "My Doorbell" oder im coolen Groover "The Denial Twist". Jede Menge Schrägheiten gilt es auch noch zu entdecken, sei es die merkwürdige Marimba-Einlage beim verstörenden "The Nurse", die Folk-Session mit Mandoline "Little Ghost" oder Megs 1-Minuten-Liedlein "Passive Manipulation". Immer nach dem Lied sagt man sich "ja, klar, das ist typisch für die Beiden", aber erwartet hätte man das meiste Material der Scheibe so sicher nicht.
Get Behind Me Satan ist insgesamt ein Schritt in eine neue Richtung, der aber sicher von vielen freudig mitgeschritten wird, und sei es nur, um zu sehen, wohin die Reise jetzt schon wieder geht. Und genau das macht die White Stripes ja so spannend. --Deborah Denzer
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"blue orchid" beinahe als irreführung betrachtet werden muss, der stripes kenner und käufer muss ja glauben ihn erwarte altbewährtes und wird wohl schon bei
"the nurse" stutzen. hier fängst alles ganz ruhig an und läuft über in ein ineinandergebreie dissonanter klänge - was im übrigen sehr reizvoll klingt.
"my doorbell" ist das, was man dem konsumenten fairerweise als single vor das geneigte ohr hätte kloppen sollen (?!?). ein brutal eingängiger klimperpopsong. ein ohrwurm der schon fast nervt, so wie "seven nation army" seinerzeit und doch vollkommen anders
"forever for her (is over me)" bestätigt mich dann in dem eindruck, die stripes machen mit dem album da weiter, wo sie mit "i want to be the boy that warm your mothers heart" aufgehört hatten; allerdings wird hier etwas druckvoller romantisch in die tasten gehauen, wohingegen bei
"little ghost" wieder in die seiten geahuen wird, und zwar in die einer hillbillygitarre. der song erinnert an "hotel yorba", vielleicht plant man ja in zukunft ein country-album
"the denial twist" ähnlich wir "my doorbell" sehr eingängig, allerdings kommt noch mehr zu ausdruck was klavier und schlagzeug zu zurechtrocken können
"white moon" das klavier (ba)rockt, d.h. es klingt düster und getragen, wie der ganze song, der gesang verhält sich etwas dissonant zur stimmung was ich in diesem fall für weniger gelungen als bei "the nurse" und übethaupt für wenig gelungen halte
"instinct blues" bluest mit schroffer gitarre und fegt intensiv über den hörer hinweg, ein guter song der mit jedem hören mehr reift
"passive manipulation" meg white singt lieblich wie dünne apfelschorle über so perversen kram wie geschwisterliebe - netter, leider etwas kurzer song
"take, take, take" ein kleiner rocker mit akustischer gitarre UND klavier, gefällt mir auch gut
"as ugly as i seem" schön melodisches, ruhiges, angenehm entspannendes... wird hier das erste mal wirklich geboten, und nachdem man sich etwas erholt hat knallt einem der kontrast mit
"red rain" um die ohren, das dritte und letzte lied das auf die gute alte e-gitarre setzt, an sich kein schlechter song, aber er unterbricht zu stark die stimmung zwischen dem vorgänger und dem nachfolgenden
"i'm lonely (but i ain't that lonely yet)" OHHHHHH! ja, so muss das enden, das album läuft nochmal mit einem absoluten highlight melodisch aus
trotz meiner lobhudelei kommt die scheibe nicht an den brecher "elephant" heran, ist aber auch so verblüffend anders dass sich dieser vergleich womöglich eh verbieten sollte; daher 5 sterne für diesen eigenständigen großartigen coup
In diesem falle nicht durch epische größe geschehen, sondern einfach durch schlichte musikalische schönheit. bis aufs letzte reduziert, spartanische atmosphäre und ein vorgängeralbum das heute schon zu den rock-klassikern des neuen jahrtausends gezählt wird - unter diesen gesichtspunkten werfen die beiden whites "get behind me satan" auf den markt.
So werden sich die meisten ihren neusten streich nicht vorgestellt haben; pop-punker die "seven nation army" geil fanden sowieso nicht, elephant liebhaber eher bedingt, fans aber dürften auch diesen -eigentlich logischen- schritt nachvolziehen und lieben können.
Aus der reihe tanzen hier nur der harsche, mit staubtrockenen gitarren ausgestattete opener "blue orchid" und einen seltsames experiment mit hawaiianischen klängen und xylophon einsatz namens "the nurse". der rest is pure südstaaten nostalgie: ein saloon, ein einsames musiker duo, viel rauch, viel whiskey und vor allem den charme von vergessenen pop-perlen aus den sechzigern - was den white stripes ausgesprochen gut steht.
Ein wahrhaft "geselliges" album.
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