Die Idee, Lieder von heute und gestern im Stil von 60er-Jahre-Beat-Gruppen aufzunehmen, ist Geschmackssache. Aber was ist das nicht? Und was soll demnach die Einschränkung? Also: Die Idee ist witzig.
Die Umsetzung ist gelungen, die Instrumentierung und Aufnahmetechnik ist Original-60er-Jahre oder klingt wenigstens danach. Den Musikern ist der Spaß an der Arbeit anzumerken. Dieser Funke springt über. Es ist einfach fast durchweg Gute-Laune-Musik.
Außerdem zeigt sich bei dieser vergleichsweise minimalistischen Produktionsweise die Qualität der Vorlagen. Ohne die technischen Mittel der Gegenwart trennt sich die Spreu vom Weizen. So muss "Pokerface" zum am wenigsten gelungenen Stück des Albums werden, einfach weil das Lied schon im Original schlecht ist. Ein Missgriff bei der Auswahl, aber m.E. der einzige. An "One" von U2 hätte man sich m.E. nicht vergreifen müssen. Aber sie sind nicht die ersten, die es tun.
Abgesehen davon macht es Spaß, das Album zu hören. Manchmal meint man gar, die Flames zu hören. Oder die Stones. Auch wenn die Arrangements sich natürlich an der größten Band der 60er wie auch aller anderen Jahrzehnte orientieren. Aber das soll erlaubt sein.
Schade nur, dass die Macher sich damit nicht zufrieden gaben. Schade, dass es sich hier um eine erklärte Beatles-Cover-Band handelt, die den Namen auch noch im eigenen Namen führt. Da nützt es auch nichts, wenn sie erklären, sie wollten gar nicht so singen wie die Beatles. Der Anspruch ist da, und ihm werden sie nicht gerecht. So schön "Let Me Entertain You" im Stil von "Sgt. Pepper" ist - man wünscht sich die ganze Zeit einen besseren McCartney-Imitator.
Hätte sich das Projekt doch etwas mehr von dieser einen Vorlage gelöst, sowohl in den Arrangements als auch im Namen! Das letzte selbstgeschriebene Stück "I Want You To Say" zeigt, dass sie auch ohne direkte Lennon-McCartney-Vorlage wie eine 60er-Jahre-Band klingen können. Von dieser Kunst hätte ich mir viel mehr gewünscht. Hätten sie sich doch einfach "The Beat Project" (oder als Zitat ihrer "Fight-For-Your-Right-Version" auch "The Beatie Boys") und das Album vielleicht (soviel Hommage darf sein) "Let It Beat" genannt. Dann wäre der Anspruch hoch genug gewesen, aber sie wären ihm gerecht geworden - und hätten von mir die volle Punktzahl bekommen.
Beim Hören blende ich solche Überlegungen freilich aus und höre es immer wieder gerne.