Amazon.de
Mit gerade mal 19 Lenzen lieferte Nellie McKay ein ungemein reifes Werk ab, wie es viele Musiker selbst nach zig Jahren im Musikgeschäft nicht zu Stande bringen. Die begabte Novizin, 1984 in London geboren, heute in New York zu Hause, meistert auf ihrem spannenden Debüt-Doppelalbum
Get Away From Me in rund einer Stunde mühelos die unterschiedlichsten Stilrichtungen.
Sie bietet Reggae ("David"), gehobenen Pop ("Waiter") und psychedelischen Sixties-Beat ("Baby Watch Your Back") mit souveräner Selbstverständlichkeit dar; sie unternimmt Ausflüge in die Welt von Vaudeville und Varieté ("Ding Dong"); sie macht eine gute Figur im Oldtime-Jazz in der Nachfolge von Blossom Dearie ("Suitcase Song"); und sie beherrscht das Fach der soften Balladen ("Manhattan Avenue"), weshalb sie gelegentlich mit Norah Jones verglichen wird (der Albumtitel, in Anlehnung an Norah Jones' Millionseller Come Away With Me entstanden, spielt mit einem ironischen Seitenhieb darauf an).
Der Rotschopf mit dem schneeweißen Teint wartet also mit einer enormen musikalischen Bandbreite auf und die gewitzten, klugen Songtexte sind kaum weniger abwechslungsreich. McKay behandelt auf ihrem vielseitigen Erstling die unterschiedlichsten Themen. Sie erzählt im Raptrack "Sari" von all den Dingen, die ihr auf die Nerven gehen, macht sich im "Work Song" Gedanken über heutige Arbeitsplätze, die uns oft genug zu Maschinen degradieren, warnt in "Clonie" vor den Gefahren der Klontechnologie, kritisiert in "I Wanna Get Married" bissig die Institution der Ehe und macht sich in "It's A Pose" über die Macken der Männer lustig.
Die Tochter eines Regisseurs und einer Schauspielerin präsentiert sich als eine Persönlichkeit mit vielen Fassetten. Mal ist sie die herzzerreißende Sirene, mal die sarkastische Post-Feministin. In einem Moment gibt sie die liebeskranke Romantikerin, im nächsten die toughe Gesellschaftskritikerin. Eine Frau mit vielen Gesichtern! --Harald Kepler
kulturnews.de
Welch ein Debüt der 19-Jährigen! Welch ein Talent! Und welch ein Selbstbewusstsein: "Would it matter if I change the world at all?", singt sie in "Change the World" mit kokettem Zwinkern. Musikalisch ist der Umsturz für sie längst beschlossene Sache. Sie beruft sich auf viele Vorgängerinnen im weiblichen Musikkosmos (etwa Ricky Lee Jones, Sarah Vaughan, Liza Minnelli, Suzanne Vega) und kehrt Swing, Folklore, Chanson, Rap, Showtime-Schlager, Disco und Pop zu einer eigenen neuen Weltordnung zusammen. Doch Obacht, manchmal verkehrt sich allzu große Ambition auch ins Gegenteil. Dann nämlich, wenn wir vor lauter Hin und Her ganz duselig werden oder ihr ein Song zur selbstverliebten Fingerübung missrät. Dabei hat Nellie ganz große Ziele, wie die Titelpersiflage auf Norah Jones' "Come away with me" verrät. Alles drin - bei dem Talent. (kw)