Borderline-Betroffene berichten von ihrer Gesundung. So ließe sich der zweiteilige Titel des Buches und sein Inhalt zusammenfassen. Insgesamt 20 Betroffene, darunter ein Mann, geben in längeren oder kürzeren Texten Einblick, wie sie aus der psychischen Erkrankung "borderline" herausgefunden haben oder gelernt haben damit ein relativ normales Leben zu führen.
Das Buch ist ansprechend und sorgfältig gestaltet, mit wenigen, aber sehr gut ausgewählten Literaturhinweisen, Internet-Adressen und Adressen von Selbsthilfegruppen versehen. Einleitung und umfangreiches Nachwort des Herausgebers A. Knuf, der als Psychologe und Psychotherapeut über reiche Erfahung zum Thema verfügt, rahmen (im engeren und im übertragenen Sinn) die Texte der Betroffenen.
Die Autorinnen werden in wenigen Sätzen vorgestellt und man sieht, dass sie von sehr verschiedener sozialer Herkunft, aktueller Lebenssituation und Alter sind. Gemeinsam ist allen eine Phase in ihrem Leben, die mit tiefer psychischer Unsicherheit, Gefühlsstürmen und starken Schwierigkeiten in Beziehungen gekennzeichnet war. Oft waren Selbstverletzungen und Suizidgedanken oder -versuche mit diesen Verunsicherungen verbunden. Auch extreme Verhaltensweisen hinsichtlich Essen, Drogen und Sexualität gehörten dazu. Seelische Verletzungen aus der Kindheit, emotionale Vernachlässigung, Misshandlung, sexueller Missbrauch. Aber bisweilen auch nur eine besondere Sensibilität, Andersartigkeit, auf die in Familie, Schule und Beruf mit Unverständnis und Missachtung reagiert wurde.
Der Weg zur Gesundung, zu einem relativ stabilen Leben mit Beruf, Freundschaften und Partnerschaften ist oft ein langer, mühsamer, kräftezehrender Weg gewesen. Doch wird deutlich, dass es bei langem Atem hilfreiche Therapeuten, Standardtherapien und geeignete Einrichtungen zu finden sind. Die Texte der Betroffenen sind trotz ähnlicher Probleme und Problemlösungen, die gezeigt werden, erstaunlich unterschiedlich. Manche Texte sind recht knapp gehalten und veranschaulichen die Kriterien einer borderline-Erkrankung. Zwei längere Texte einer Betroffenen haben beinahe literarische Qualität. Erkennbar wird, dass Sprechen und Schreiben an sich schon eine heilende, stablisierende Wirkung haben kann.
Die Mühe dieses Buch zu erstellen, hat sich gelohnt. Die Mühe es zu lesen wird reich belohnt - für Betroffene, ihre Angehörigen und auch für jeden anderen, denn eine Ahnung davon, wie das Leben im psychischen Ausnahmezustand und danach verläuft, sollte jeder haben.