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Gestohlene Welten. Eine Kriminalgeschichte der Kartografie
 
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Gestohlene Welten. Eine Kriminalgeschichte der Kartografie (Gebundene Ausgabe)

von Miles Harvey (Autor), Andrea Ott (Übersetzer)
2.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


5 gebraucht ab EUR 6,00

Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 351 Seiten
  • Verlag: Blessing; Auflage: 1 (23. Oktober 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896670794
  • ISBN-13: 978-3896670793
  • Größe und/oder Gewicht: 22,5 x 14,4 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 641.710 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

"Die wahren Orte", so heißt es in Hermann Melvilles Walfängerroman Moby Dick, "sind auf keiner Karte verzeichnet", und der Erzähler in Robert Walsers Kurzprosatext "Moskau" nutzt den Atlas um die Jahrhundertwende zu einer Reise in die eigene Fantasie. Auch die alten Kartografen vermischten gerne Dichtung mit Wahrheit: Bis hinein ins 17. Jahrhundert eröffneten sie durch Reiche von Nixen und Seeungeheuern, kopflosen oder sechsarmigen Eingeborenen, Minotauren und Menschenmonstern in Randzeichnungen der Terra incognita als "wahre Orte" in der Ferne eine neue Welt. Auf der Erdkarte von Jodocus Hondius (um 1597) lauert gar der Teufel an deren Rand.

Was liegt da näher, als in den alten Chroniken zu blättern und in Atlanten in die fremden Gewässer der Seefahrer einzutauchen, um sich in der Vorstellungswelt der Kartenzeichner zu tummeln? Der Amerikaner Gilbert J. Bland war offenbar so besessen von diesem Gedanken, dass er jahrelang die kostbaren kartografischen Atlanten und Pergamente aus Instituten und Museen stahl -- 250 Exemplare im Wert von 500.000 US-Dollar umfasste seine Sammlung, als die Polizei ihn ihrerseits lokalisierte.

In Gestohlene Welten zeichnet der Wissenschaftsjournalist Miles Harvey die Geschichte des unscheinbaren Einzelgängers Bland in ihren Einzelheiten nach. Gleichzeitig beschreibt er die eigene wachsende Faszination den alten Karten gegenüber, erzählt von der historischen Bedeutung kartografischer Methoden -- und nimmt die Biografie Blands so letztlich vor allem zum Anlass, um eine Kriminalgeschichte der Kartografie aufzurollen, die bereits 400 Jahre früher in Portugal beziehungsweise Holland begann: zu einer Zeit also, als der Diebstahl von Landkarten nicht aus Liebhaberei geschah, sondern über die Vormachtstellung der Seefahrtnationen in der Welt entschied.

So ist Harvey mit Gestohlene Welten eine spannende, kundig und flüssig geschriebene Entdeckungsfahrt in frühere Welten gelungen, die nicht zuletzt hineinführt ins Herz der Finsternis kolonialer Politik. Da ist es eigentlich nur schade, dass seinem Buch so wenig Illustrationen beigegeben sind. Liebhaber der Kartografie werden ihre Karten also auch weiterhin stehlen müssen. --Thomas Köster



Kurzbeschreibung

Im Jahr 1592 wurden die Amsterdamer Kaufleute Cornelius und Frederick Houtman in Portugal verhaftet und eingekerkert. Ihr Verbrechen: Sie hatten versucht, die neuesten Navigationskarten mit detailgenauen Beschreibungen des Seewegs nach Indien zu stehlen. In den vergangenen Jahren hatten portugiesische Entdeckungsreisende die afrikanischen Küstenregionen vermessen, sodass Portugal, nachdem Vasco da Gama 1499 Indien auf dem Seeweg erreicht hatte, als erste europäische Großmacht den Handel mit Fernost eröffnen konnte. Viele Jahrzehnte hielten die Portugiesen den gesamten Handel unter ihrer Kontrolle, da allein sie die notwendigen Land- und Seekarten besaßen. Das weckte die Begierden der anderen aufstrebenden Handelsnationen, die auch nicht davor zurückschreckten, sich diese wertvollen Navigationshilfen auf kriminellem Weg zu beschaffen.

Vierhundert Jahre später landete wiederum ein Kartendieb im Knast, diesmal in Charlottesville im amerikanischen Bundesstaat Virginia: der unbescholtene 47-jährige Gilbert J. Bland, dem vorgeworfen wurde, über 150 wertvolle alte Karten aus verschiedenen Universitätsbibliotheken gestohlen zu haben. Diesmal spielten nationale Interessen keine Rolle, auch konnten keine merkantil orientieren Auftraggeber im Hintergrund ausgemacht werden: Das FBI fand heraus, dass Bland sich ausschließlich für die wertvollsten Karten aus dem 16. und 17. Jahrhundert interessiert und diese nur in seltenen Fällen auf dem Schwarzmarkt angeboten hatte. Anfang 1996 erfuhr Miles Harvey, damals Korrespondent der Zeitschrift Outside, von diesem "Al Capone der Kartografie", wie ihn die Justiz bald nannte, und setzte sich auf seine Fährte.

Was Harvey bei seinen Nachforschungen herausfand, ist erstaunlich: Bland entpuppte sich als ein Mensch, der sich jedem Gespräch, jeder Zusammenarbeit entzog, der nichtssagend war und langweilig. Er war eine Null, im Sprachgebrauch der Kartografen eine terra incognita, und er machte seinem Namen alle Ehre: "Bland" bedeutet im Englischen so viel wie "langweilig", "fade". Und doch wurde dieser Durchschnittstyp zum größten Landkartendieb der Vereinigten Staaten mit einem untrüglichen Gespür für Einmaligkeit und Qualität. Je länger der Autor sich mit dem Menschen Bland beschäftigte, desto tiefer tauchte er ein in die ihm unbekannte, faszinierende Welt der Kartografen. Und aus seiner journalistischen Recherche wurde eine Abenteuerreise.

Einen großen Bogen schlägt Miles Harvey von der Kunst des Kartenzeichnens in europäischen wie arabischen Ländern seit der Mitte des 13. Jahrhunderts - besonders geht er auf die kartografischen Arbeiten von Mercator ein, der durch seine Karte von Europa (1554) und seine Weltkarte für Seefahrer (1569) seinen Ruf als bedeutendster Kartenzeichner seiner Zeit begründete - bis hin zu Satellitenaufnahmen, die ausschlaggebenden Einfluss auf strategische Militäraktionen hatten, beispielsweise im Golfkrieg. Anschaulich beschreibt er die handwerkliche Meisterschaft früher Kartografen, die in Unkenntnis der Gegebenheiten mancher Länder oder Erdteile ihrer Phantasie freien Lauf ließen und Fabelwesen dekorativ auf ihre Karten platzierten.

Der Autor beleuchtet die Welt der fanatischen Land- und Seekartensammler, reicher Karten-Mogule, die den Markt unter sich aufzuteilen versuchen, und der neuen Fans, die sich nicht so sehr am Wert, als vielmehr an der Schönheit dieser alten Kunstwerke heransehen. Und inmitten dieser teils schrillen, teils cleveren Figuren nimmt der Held des Buchs, dieser Antiheld Gilbert Bland, eine herausragende Rolle ein. Er war so enttäuscht von der Ignoranz seiner Landsleute, die diese Kulturgüter nicht beachten, dass er beschloss, sich um die alten Karten persönlich zu kümmern. (Zu Recht: Die Unibibliotheken, denen er die wertvollen Karten entwendet hatte, stellten im Allgemeinen den Diebstahl nicht fest, manche können auch im Nachhinein ihr Eigentum nicht benennen!)

Indem Miles Harvey sich dem befremdlichen Gilbert Bland nähert, schreibt er eine faszinierende Geschichte der Entdeckung des Unbekannten, der Kunst der Kartografen sowie der Verlockungen, die Land- und Seekarten in allen Jahrhunderten auf zwielichtige Personen ausübten.

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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Wer alte Karten liebt, wird dieses Buch mögen, 4. Oktober 2001
"Kartomanie ist eine Krankheit, ein Zwang. Wenn man erst einmal bis zu den Knöcheln drinsteht, will man bis zu den Knien rein und dann bis zum Bauch." Dieses Zitat eines Kartenantiquars auf S. 212 von "Gestohlene Welten" bringt das Thema des Buchs auf den Punkt. Hier wird kein Abriss über die Kriminalgeschichte der Kartografie geboten, wie man mit Blick auf den Untertitel meinen könnte. Miles Harvey rollt einen einzelnen Fall auf, den von Gilbert Bland, der bis 1995 hunderte von alten Karten aus Bibliotheken in Nordamerika gestohlen hatte, um sie an Sammler und Antiquare zu verkaufen. Und da die meisten seiner Kunden bis zum Bauch in der Kartomanie steckten, hatten sie nicht so genau darauf geachtet, woher die Karten ursprünglich stammten. So weit der Rahmen.

Und was steckt drin? Zahlreiche Informationen über die Welt der alten Karten - ihre Herstellung, der Handel mit ihnen, die Besessenheit der mit ihnen Handelnden. Einige Karten werden vom Autor genauer beleuchtet. Besonders gelungen ist dies in Kapitel 8, in dem er sich auf John Charles Frémont konzentriert. Frémont hat in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts wichtige Expeditionen in den Westen der USA unternommen und so dazu beigetragen, die dortige Besiedlung zu beschleunigen. Der erzählerische Kreis schließt sich dann, wenn Miles Harvey, über eine von Frémonts Originalkarten gebeugt, die Biografien des Entdeckers und des Diebes miteinander verschränkt und nebenbei erwähnt, dass auch diese Karte von Bland gestohlen worden war.

Gegen Ende verliert sich das Buch leider in Details, die lediglich belegen, dass der Autor vier Jahre an seiner Geschichte recherchiert hat und nichts unerwähnt lassen möchte, das er in dieser Zeit herausgefunden hat - eine deutliche Grenzüberschreitung. "Gestohlene Welten" ermuntert zwar dazu, beim nächsten Schaufenster eines Kartenantiquariats nicht vorbeizuhasten, sondern zu verweilen. Über seine ganzen 321 Seiten zu fesseln, vermag es jedoch nicht.

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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Vergeudete Zeit, 24. Februar 2004
Dieses Buch ist weder Fisch noch Fleisch, d.h. weder ein guter Krimi noch ein taugliches Sachbuch. Als Krimifan wartet man vergebens auf spannende Momente, als passionierter Kartenliebhaber erhÃlt man aber auch nur wenig Erhellendes Ãber die Geschichte der Kartographie, und sei es auch nur die Kriminalgeschichte der Kartographie.
Der Autor gibt auf den spÃteren Seiten zu, dass er vor dem Schreiben des Buches nur wenig mit Karten anfangen konnte ï¿ man merkt es dem Buch auf fast allen 320 Seiten an. Bezeichnend ist ausserdem, dass die Person, die das Buch tragen soll ï¿ der Kartendieb Gilbert Bland ï¿ dem Autor bis zum Schluss nach eigener Bekenntnis unbekannt bleibt. So fragt man sich: was soll das Buch ???
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen kein großer Wurf, 15. April 2003
Dem Autor ist leider wirklich kein großer Wurd gelungen. Die Geshichte mag leider in keiner Weise zu fesseln. Miles Harvey scheint eher die riesige Menge an Informationen die er in seiner Recherche gesammelt hat unterbringen zu wollen. Der Untertitel "Eine Kriminalgeschichte der Kartographie" führt leider in die Irre. Zu einer Kriminalgeschichte reicht es nicht und auch das Spezialgebiet Kartographie mit seinen vielen Finten und Gaunereien wird in einer eher langweiligen Abhandlung beleuchtet. Kurzweile kommt leider nur selten auf.
Im Grunde dennoch ein solides Werk, dass aber wohl keinen vom Hocker reißen wird.
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