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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
121 von 147 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Eine simple Polemik,
Von Heiner Keiner (Heidelberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen (Taschenbuch)
Dass Deutschland ein verkorkstes Verhaeltnis zum Elitebegriff hat ist ja weitgehend unstrittig. Ganze Universitaeten per Dekret aus Berlin zur Elite zu kueren wuerde anderen Nationen kaum einfallen, genauso wenig wie 18jaehrige auf Basis von Wochenendkursen (in der Eliteakademie) zur Elite der Zukunft zur erklaeren. Der gedankliche Ausgangspunkt dieses Buches, dass wir uns naemlich fragen muessen was Elite eigentlich bedeutet, und wen wir gerne zur Elite machen wollen, macht also schon Sinn.Leider macht Frau Friedrichs es sich aber viel zu leicht. Sie sucht sich fuer ihre Recherche gezielt die einfachen Ziele des Sozialneids aus: Duemmliche Kinder des Geldadels die in Nachhilfeinternaten fuer viel Geld zum Abitur getrieben werden muessen. Die Babys Prominenter, die sich in einem Potsdamer Nobelkindergarten "am Buffet bedienen" koennen. Kinder reicher Eltern die ihre private Wirtschaftsschule ohne viel Nachdenken zur Elite-Universitaet erheben. Die Mitglieder eines geldgeilen Internetforums, die sich vorhersagbar inakzeptabel ueber Geringverdiener aeussern. Die durch die Eliteuniversitaets-Gelder gefoerderten Juniorprofessoren, die Studienwerke der Parteien, Gewerkschaften und Kirchen, oder gar JuSos, JuLis, RCDS und Gruene Jugend zu besuchen kam Julia Friedrichs nicht in den Sinn. Ob die vielleicht nicht so recht in ihr simples Bild von oben und unten gepasst haetten? Man mag es dem Alter der Autorin zugestehen, dass sich das Buch ausschliesslich mit jungen Menschen in der Ausbildung befasst. Schliesslich ist sie auch nicht allein mit diesem seltsamen Verstaendnis, dass Elite irgendwie immer aus Leuten besteht die im Leben noch nichts geleistet haben. Politiker wie Journalisten lassen sich regelmaessig dazu hinreissen, Schulabgaenger unverdienterweise als "die Elite von morgen" zu titulieren. Auch dass sie aus ihrer sozialdemokratischen Gesinnung keinen Hehl macht, und immer wieder geschockt feststellt, dass reiche Menschen vorrangig konservativ waehlen, mag man einer 28jaehrigen WG-Bewohnerin aus Kreuzberg verstaendnisvoll anrechnen. Das groessere Problem dieses Buches sind die Widersprueche in Friedrichs' Argumentation. Einerseits bemerkt sie regelmaessig beinahe unglaeubig die 16-Stunden-Tage der "Elitestudenten", zeichnet aber gleichzeitig das Bild von den ueberprivilegierten reichen Pinkeln, denen alles in den Schoss gelegt wird. Sie bemaengelt ein ums andere mal das politische Desinteresse der BWL-Studenten, die ihr auf ihren Recherchen begegnen, kommt aber nicht auf die Idee, mal bei der Ebert-, Adenauer-, Naumann- oder Boell-Stiftung anzufragen, wo man politisch interessierte Jungelite vielleicht eher vermuten wuerde. Stattdessen trifft sie sich mit einem Organisator von attac, um zu bemaengeln dass dieser politisch engagierte junge Mensch fuer die Organisation von Sitzblockaden in Heiligendamm keinerlei staatliche Foerderung erhaelt. Und dann, immer wieder: McKinsey. Vermutlich weil sich mit Hass auf diese Firma gut Buecher verkaufen lassen, taucht der Name fast so oft auf wie das Wort "Elite"; dabei beschraenken sich Friedrichs' Eindruecke bei McKinsey auf ein weinseliges Gespraech mit einem Berater waehrend einer Recruiting-Veranstaltung, und auf ein Jobinterview (mit ihrem Erfolg in letzterem immer mal wieder zu kokettieren kann sich die Autorin nicht verkneifen). McKinsey muss staendig als Platzhalter fuer die boese vernetzwerkte Oberschicht herhalten, in die man nur mit Vitamin B reinkommt. Dass Recruiting-Einladung und Jobangebot McKinseys an die ach so unelitaere Frau Friedrichs mit dieser These nicht so recht vereinbaren lassen entgeht der Autorin leider. Wer nach dem wohligen "Die da oben"-Schauer auf dem Ruecken sucht, kann sich mit Julia Friedrichs' "Gestatten: Elite" zwei nette Abende machen. Wer sich ernsthaft mit der Frage auseinander setzen moechte, wem und wie wir in dieser Gesellschaft Verantwortung vergeben, wie viel Einfluss das Geld der Eltern auf zukuenftige Karrieren hat, vor allem aber wie man dieses System fairer gestalten koennte, der sollte sich nach etwas mehr durchdachten Texten umsehen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Buch über Schein und Sein,
Von
Rezension bezieht sich auf: Gestatten: Elite. Auf den Spuren der Mächtigen von morgen (Gebundene Ausgabe)
Julia Friedrichs versucht mit diesem Buch ein Gefühl zu vermitteln. Ein Gefühl des Unbehagens, das inzwischen viele beschleicht, wenn sie das Wort 'Elite' hören. Was ist damit gemeint, wer bestimmt wer zur Elite gehört? Gibt es eine verbindliche Definition des Wortes 'Elite'? Werden in den sogenannten 'Eliteschulen' wirklich hochintelligente und außergewöhnlich begabte Menschen unterrichtet oder sind sie eine Kaderschmiede für den Klassenkampf von Oben gegen Unten?Sicherlich ist dieses Buch keine tiefschürfende, umfassende, wissenschaftliche Untersuchung der deutschen Wirtschafts-Eliten und ihrer Zöglinge. Es ist eine Momentaufnahme, ein Blick durchs Schlüsselloch. Es gibt einem eine Ahnung oder bestätigt sie, wie sich gewisse Gruppen in unserer Gesellschaft heute selbst sehen - nämlich als eine Art Adel, für den die Gesetze, die das Leben und Miteinander des Normalbürgers regeln, nur eingeschränkt gültig sind. Klaus Zumwinkel, Heinrich von Pierer und Hartmut Mehdorn nur als Beispiel. Spätestens seit der Krise 2008 wissen wir, dass das Verhalten dieser Männer nicht die große Ausnahme ist, sondern Folge eines Systems, das sich in den letzten 20 Jahren weltweit durchgesetzt hat und das man feudal nennen könnte. Leider haben die oben erwähnten Herren und ihre Kollegen in den Vorstandsetagen eine enorme Vorbildfunktion. Ein Verhalten, das vor Jahren noch als asozial bezeichnet wurde, ist nun hoffähig. So wie Teenager ihrem Popstar nacheifern, so wirkt diese 'erfolgreiche Elite' (von Pierer war sogar zeitweise Berater der Kanzlerin) als Vorbild für viele Geschäftsführer, auch in kleinen und mittelständischen Firmen. Und hier setzt, so glaube ich, auch Frau Friedrichs Buch an. Ein diffuser Elitebegriff, von einer kleinen Oberschicht dazu benutzt sich abzugrenzen, sich besser und wichtiger zu fühlen als andere, bedient niedere menschliche Bedürfnisse. Man will dazu gehören. Die Hersteller von Luxus-Produkten und eben auch die sogenannten 'Eliteschulen' wissen das zu nutzen. Aber damit ist natürlich, im wahrsten Sinne, kein Staat zu machen. Die Förderung von Talent und Begabung darf eben nicht von Herkunft und Geldbeutel abhängen. Selbsternannte Eliten und Demokratie passen nicht zusammen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Naive Argumente, aber flott zu lesen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Gestatten: Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen (Taschenbuch)
Mit dem Buch ist der Autorin eines der lesbaren sozialkritischen Bücher des Jahres gelungen. Sie schildert ihre eher persönlichen Erfahrungen bei Recherchen zum Elitebegriff (und Eliteverhalten) junger Leute. Ein einigermaßen aufgeweckter Zeitungsleser dürfte zwar alle Einsichten und Informationen des Buches bereits hinlänglich kennen. Doch seine Spannung bezieht das Buch aus der sehr gekonnten Schilderung der Begegnungen mit Hoffnungsträgern und der Vorfreude auf kräftige Blamagen (die dann auch meist prompt eintreten). Das Fazit des Buches, dass Elite gleich Netzwerk ist, war seit Jahrzehnten bekannt -- spätestens seit den Forschungen von Heitmann. Dass er relativ schlecht wegkommt, teilweise als esoterisch bezeichnet wird, ist ein großes Manko des Buches. Überall wo die Autorin analytisch werden möchte, bleibt sie denn auch auffallend diffus. Dort kommt sie ebenso wie ihre Elite-Interviewpartner über ein naives journalistisches Allerlei nicht hinaus. Geschichten erzählen liegt ihr sicher mehr. Auch ihr Umgang mit dem eigenen klassischen Bildungsbürgerhintergrund wirkt teilweise etwas naiv. Man nimmt ihr absolut ab, dass sie sich für Elite dringend interessiert (wer bewirbt sich schon bei McKinsey?). Dass sie sich als nächstes auch mal um Chancen am unteren Ende der Skala interessieren könnte, scheint jedoch wenig wahrscheinlich. Wer aus der Mittelschicht kommt, eine gesunde Skepsis gegen Eliten und Vitamin B hat, kein Ausländer ist und nicht reich, einem 80er Jahre Gleichheitsdenken durchaus etwas abgewinnen kann, dem wird das Buch gefallen und die oder der sollte es kennen. Trotz aller Unzulänglichkeiten ist es endlich mal ein erfrischendes und flott zu lesendes Buch.
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