Drei außergewöhnliche Liebesgeschichten. Oder gar noch mehr? Per Olov Enquist führt mit seinem Roman, der mit überschaubaren 111 Seiten und einem ansprechenden wenn auch uns bisher vielleicht weniger geläufigen Sprachstil aufwartet, in eine uns unvertraute Thematik ein. "Liebe" kennen wir oder wissen zumindest was das Wort bedeuten soll - aber eine aufopfernde Liebe, Liebe zwischen zwei oder auch mehr Personen in meinem Körper? Liebe zu einem Menschen, der mir und meinen Lieben so viel Greuel angetan hat?
Da ist Ruth B. mit ihrem Brecht, der nun gefangen in einer Hutschachtel lebt. Zu den Zeiten, als sich Brecht noch außerhalb bewegen konnte, war allein sie und der Hund es, die Brecht richtig vertsanden. Die anderen hätten nur Rollen haben wollen' Oder: Pinot und Maria. Beide sind untrennbar miteinander verbunden aber bis sie verstehen, dass sie sich lieben, vergehen Jahre. Ja ehemals in der Grube in Mexiko, eingesperrt von den Grubenarbeitern, gab es sogar Zeiten, in denen Pinot Maria hasste. Weil sie sang, unentwegt sang und er von ihr nicht loskommen konnte. Das wiederholte sich, als Pinot sich in Ann verliebte' Maria sang und Pinot wollte sich töten. Danach hatten beide verstanden und fanden einen Umgang in Liebe miteinander. Oder: K's Frau ' wir erfahren viel über sie, ihren Namen jedoch nicht ' in ihrer, ja man wird es wohl auch Liebe nennen können, Liebe zu einem Jungen, zu einem Mörder; der sein Gesicht nicht mehr sehen mag und es dennoch wieder tut: morden. K's Frau und K sind geschieden. Auch sie lieben sich, anders.
Per Olov Enquist fordert uns mit seinem Buch heraus. Einerseits gilt es, dass sich langsam schließende Puzzle im geistigen Auge zusammenzusetzen. Andererseits stellt Per Olov Enquist Anforderungen an unser Verständnis von Zuneigung und Liebe und deren Ausdrucksweisen. Per Olov Enquist fordert uns heraus Lieben von Menschen zu teilen, die wir sonst nicht einmal wahrnehmen (und die doch Tatsachenberichten entspringen) und die wir aus niederen Beweggründen nicht wahrnehmen wollen. Per Olov Enquist beschreibt Mitgefühl zu Menschen, die es in unserer Gesellschaft zunehmend nicht mehr erhalten oder auch nie erhalten hätten, obgleich sie es ebenso verdienten ' in einer Gesellschaft, in der sich Menschen humanistisch anderen Menschen annähern und nicht an Stammtischen oder auch in der hohen Politik deren "genetische Auslese" oder Lynchen fordern...
Ein Buch, so kurz und so empfehlenswert für einen entspannten Abend, an dem mensch sich Zeit und Lust zum Mitdenken lässt.