Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Europa oder der Tod!, 13. Mai 2008
"Einer der Gründe die Migranten nach Frankreich und Europa ziehen, ist ein ständiges Angebot an illegaler Arbeit. Betritt ein Migrant europäischen Boden und akzeptiert die Bedingungen einer illegalen Arbeit, kann er sicher sein, sofort oder spätestens einen Monat nach Ankunft Arbeit zu finden. Alle wissen, dass dieses Angebot besteht, jeder ist auf dem Laufenden. In Wirklichkeit toleriert der Staatsapparat die illegalen Arbeitsmärkte.", erklärt der französische Anthropologe Emmanuel Terray im Interview mit Corinna Millborn (Seite 83).
2007 mit einem Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch ausgezeichnet ist Corinna Milborns "Gestürmte Festung Europa" eines der besten und aktuellsten Werke zum Thema illegale Einwanderung. Die Schattenseiten der europäischen Einwanderungspolitik sind es, die jährliche tausende Todesopfer an den Grenzen Europas fordern und "Es ist nicht die Einwanderung die Probleme schafft - es ist der politische Umgang damit". Für EU-Wirtschaftshilfe bieten sich nordafrikanischen Staaten an die Grenzkontrolle für Europa zu übernehmen. 2005 rückten die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in den Blick der Weltöffentlichkeit, als hunderte Flüchtlinge gegen die Zäune der Grenzstädte stürmten und von spanischen Grenzwachen zurückgeworfen wurden. In der Folge wurde wohl ein Großteil der Flüchtlinge an das marrokanische Militär überstellt, das die Emigranten mitten in der Wüste ohne Wasser oder Verpflegung an der algerischen Grenze aussetze. Im Unterschied zu den spanischen Grenzbeamten darf das marrokanische Militär zudem mit scharfer Munition gegen Flüchtlinge vorgehen.
"Eigentlich gilt das Recht auf Asyl, sobald man an eine Grenze kommt: Das Prinzip des Non-Refoulement verbietet es Staaten, Flüchtlinge von ihren Grenzen abzuweisen. Würde die Genfer Flüchtlingskonvention befolgt, könnten Flüchtlinge also schlicht zum spanischen Grenzposten gehen und um Asyl bitten, man müsste sich um sie kümmern - ob sie tatsächlich verfolgt sind und damit Anspruch auf Asyl haben oder nicht, muss ein Verfahren klären. Aber seit der Ansturm größer wird, hat man dieses Recht den politischen Wünschen angepasst." (Seite 15)
Offensichtlich versteht sich die Europäische Union sehr gut darauf, über Menschenrechtsverletzungen hinwegzusehen, solange diese nur nicht auf europäischen Territorium geschehen. Zu Zeiten des Kalten Krieges war das noch anders und Flüchtlingen aus dem damaligen Ostblock wurde erheblich mehr "unter die Arme gegriffen" als dies heute der Fall ist. Um zu verhindern dass Emigranten überhaupt Asylanträge stellen zu können haben sich europäische Ländern schon so einiges einfallen lassen, worunter "bedauerliche Fehler" einer tolerierten umgehenden Abschiebung genauso vertreten sind (Es wurden sogar bereits politisch verfolgte Folteropfer mit ärztlichen Attesten abgeschoben), wie die sehr kreative Vorgehensweise Italiens vor der Küste Lampedusas, wo die Boote der Flüchtlinge sofort abgefangen und "an der Grenze abgewiesen" werden, allerdings erst nach einem Aufenthalt in einem italienischen Auffanglager. Anderenorts hingegen beschränkt man sich darauf Emigranten in der Illegalität zu halten und gegebenenfalls abzuschieben, ein riskantes Unterfangen, wie die Ausschreitungen in Pariser Vororten und die Entstehung einer radikal-islamistischen Subkultur in London belegen. Corinna Milborn ist dem nachgegangen, hat die nordafrikanischen Exklaven und Flüchtlingsverstecke ebenso besucht, wie die Pariser Vororte und die islamistische Untergrundszene Londons.
"Europa ist dabei, eine Festung gegen Einwanderung zu bauen. An den Außengrenzen werden die Zäune und Überwachungsanlagen verstärkt. Im Mittelmeer und auf dem Atlantik patrouilliert die Marine, um Flüchtlingsboote aufzuhalten. Im Innern Europas werden Gesetze geschaffen, die Ausländer von der Gesellschaft immer weiter ausschließen, und die unsichtbaren Barrieren gegen Einwanderer und ihre Nachkommen verdichten sich, bis hin zur Bildung von Ghettos in den großen Städten. Dieser Festungsbau ruft Widerstand hervor: Die Festung Europa wird unterlaufen und immer öfter auch gestürmt." (Seite 6)
Hinter diesem Ansturm auf die Festung Europa steckt keine Mafia, keine Geheimgesellschaft zur Zerstörung der westlichen Zivilisation, es sind oft einfache Menschen. Ehemalige Fischer betätigen sich etwa als Schlepper, nachdem sie ihrer Existenzgrundlage beraubt wurden (die EU fördert beispielsweise Fischfangflotten) und afrikanische Kleinbauern müssen aus ihren Heimatländern flüchten, weil der Klimawandel ihre Felder zerstört oder massiv subventionierte europäische Waren den heimischen Markt zerstören. In einem puren Kampf um ihr Überleben flüchten die Menschen "Europa oder der Tod!" und landen unter anderem in der spanischen Provinz Almeria, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen an der Produktion jener Glashauspflanzen beteiligt sind, die für ein ganzjähriges Angebot an frischem Gemüse und Obst in westlichen Supermärkten sorgen. Der Überschuss wird wiederum nach Afrika verschifft, um dank Subventionen auch noch aus der letzten Tonne Gewinn schinden zu können.
"Gestürmte Festung Europa" findet zahllose Beispiele für den Bruch international anerkannter Konventionen und sogar den Ausschluss von Hilfsorganisationen aus Flüchtlingslagern. Es ist Wahnsinn welche Unmenschlichkeit der vermeintliche Hort von Freiheit und Demokratie, die Heimat des Humanismus, Europa, bereit ist zu tolerieren und darüber hinwegzusehen, welche Konsequenzen die Flucht vor der eigenen Verantwortung hat. Zudem fördert die Ausgrenzung von Minderheiten, gerade deren Radikalisierung, seitdem die Integration zugunsten von Sicherheitspolitik aufgegeben wurde. Mit paranoiden "Maßnahmen im Kampf gegen den Terror" wird der moderate Islam mancherorts bekämpft, was schlechthin nur einer Radikalisierung Vorschub leisten kann, die dann in den dann selbst eingerichteten Ghettos ihren Anfang nimmt. Im Anhang finden sich außerdem ein Tagungsprotkoll des Europarates zum Thema "EU-Politik zur Migration", sowie 30 Zusatzfragen zum deutschen Staatsbürgerschaftstest, die explizit für Moslems gedacht sind, sowie ein deutscher Staatsbürgerschaftstest. Anschauungsmaterial, um sich vielleicht selbst ein Bild von so manchem Diskussionsinhalt zu machen, den man bisher nie mit eigenen Augen gesehen hat.
Fazit:
Umfassend und schonungslos, eine Reportage die einem mitunter an die Nieren gehen kann.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
so aktuell, 25. Juni 2009
Seit der Aussage unserer Innenministerin Österreich zum "sichersten Land Europas" zu machen, fühle ich mich gräßlich unwohl in meinem "nationalen Käfig", denn so stellt sich das aus der Innensicht für mich dar. Deswegen freut es mich, dass auch Corinna Milborn, die Verfasserin dieses Buches in Österreich lebt. Ihr Engagement im Aufzeigen des Schicksals von Millionen Menschen vor den Toren Europas ist bewundernswert und fordert zu eigenem Engagement heraus.Ich kann nur jedem Menschen ans Herz legen, dieses Buch von Corinna Milborn zu lesen.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Die halbe Wahrheit der halben Wahrheit, 8. September 2009
95% der Behauptungen/Darstellungen der Autorin entsprechen wohl den tatsächlichen, traurigen Begebenheiten. Dennoch beschreibt ihr Buch nur die halbe Wahrheit und davon auch nur etwas mehr als die Hälfte. Wer sich ein ganzes, objektives Bild über die illegale Imigration und seine Folgen machen will, kann dieses Buch nur als Teil eines Ganzen an Informationsquellen betrachten. Manchmal kommt einem bei der Lektüre im Buch das Gefühl auf, als Europäer an allem Schuld zu sein. Ich hätte mir hier nicht nur Kritik sondern auch Ideen und konkrete Ansätze zu Lösungsvorschlägen erhofft, mit nichten! Das ist typisch für Autoren, die aus der Menschenrechts-szene kommen. Das Thema wird nur so beleuchtet, dass man sich selbst und seine Vorwürfe ins rechte Licht rückt und die andere Seite, hier die europäische Politik und Gesellschaft, blass aussehen lässt. Das gefällt mir an diesem Buch nicht, auch wenn die Vorwürfe teils völlig gerechtfertigt sind. Es gibt auch die andere Seite der Medaille, die es zu beleuchten gilt. Das Thema ist viel zu brisant und vielschichtig, um so damit umzugehen. Und im Endeffekt ist es unfair, allein der westlichen Welt die Schuld an der Misere zu geben. Deshalb 2 Sterne und eine bedingte Kaufempfehlung.
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