Aus den asiatischen Ländern kommen Jahr für Jahr tonnenweise hervorragende Filme unterschiedlicher Genres. Korea, Hong Kong und Japan zählen hierbei für mich zu den absoluten Gewinnern. Das Problem dabei ist allerdings, dass eine nicht grade kleine Anzahl von Filmliebhabern (unter anderem aus meinem Freundeskreis) diese Tatsache noch nicht für sich entdeckt hat, beziehungsweise sogar bewusst einen großen Bogen um alles macht, was aus dem genannten Kontinent kommt. Die mehr oder weniger verständlichen Begründungen liegen hierbei in der Betonung der meist nicht so guten bis grottenschlechten deutschen Synchronisation, sowohl in der Auswahl der Stimmen, als auch aufgrund der Übersetzungen (was ich nachvollziehen kann) und in der Feststellung, man könne die SchauspielerInnen so schlecht voneinander unterscheiden. Dazu gibt es folgendes zu sagen: Wer guckt schon Filme in synchronisierter Fassung? Nimmt man zum Beispiel einen Streifen wie
In the Mood for Love [2 DVDs], dann stellt sich doch die Frage, ob Chow und Li-zhen wirklich deutsch sprechen können oder sollten. Worauf ich hinaus will ist, dass eine deutsche Synchronisation Wong Kar-Wais Meisterwerk aus dem Jahr 2000 nur halb so gut erscheinen lässt, wie er in Wirklichkeit ist. Die beiden sprechen definitiv nicht deutsch. Sie stammen aus einem vollkommen anderen Kulturkreis, der meiner Meinung nach im Mittelpunkt dieser Liebesgeschichte steht. Der Film verliert in der synchronisierten Fassung an Reiz, mehr noch, er verliert an Authentizität. Wenn ich es richtig sehe, dann passt unsere Muttersprache mal so gar nicht, sowohl zu der asiatischen Form der Interaktion und Kommunikationsweise, der Redeweise- und Wendung, der Kleidung, der Art zu Wohnen, den kulinarischen Erzeugnissen, die dazugehörige Art der Zubereitung und der Weise zu essen und zu trinken, oder der besonderen Form der gegenseitigen Zuneigung der Menschen zueinander. Dies gilt für mich allerdings nicht nur für asiatische Filme, sondern für nahezu jeden Streifen aus den jeweilig anderen Kulturzusammenhängen. Die Melodie der asiatischen Sprachen unterscheidet sich so dermaßen von der deutschen oder englischen Sprache. Asiaten sagen nicht "das ist ja fett, Mann" oder "let's have a blunt, Baby" um im übertriebener Form darzustellen, worum es mir geht und womit ich dann bei dem zweiten Problem bin. Auch die Untertitel die benötigt werden, da wahrscheinlich nur wenige nicht Asiaten japanisch, chinesisch oder koreanisch sprechen und/oder dieses verstehen, lassen häufig zu wünschen übrig. Zu der zweithäufigsten Ausrede, man könne die DarstellerInnen nicht auseinanderhalten kann ich nur sagen: Übung macht den Meister....und beende damit eine etwas zu lang geratene Einleitung.
In den letzten Jahren sind es vorzugsweise die asiatischen Revenge - Streifen, die mich vollkommen begeisterten und die so herrlich anders waren, als zum Beispiel die europäischen Produktionen gleichen Genres. Insbesondere Lee Byeong-woos
Mother, Jang Cheol-soos
Bedevilled - Zeit der Vergeltung, oder natürlich Park Chan-wooks
Oldboy (Einzel-DVD), um exemplarisch und nur zufälligerweise allesamt aus Korea stammende Filme, zu nennen, bereicherten das "Rache - Genre" und sorgten für einen, wenn auch nur kurzfristigen "Asia - Boom" und einen nicht immer nur plumpen europäischen oder amerikanischen Adaptionsversuch, hinsichtlich des filmischen Stils und der Umsetzung einer gnadenlosen Schwere, die die "asiatische Form der Rache" zu einer wahren Passion werden ließ.
Tetsuya Nakashimas Filme, wie
Kamikaze Girls und vor allem
Memories of Matsuko begeisterten mich schon über alle Maßen. Sowohl in Bezug auf die Grundidee und deren Umsetzung, der Überdrehtheit, als auch in der Nachhaltigkeit der erzählten Geschichten. "Confessions" reiht sich diesbezüglich nahtlos ein und ist erneut ein wirklich fast unbeschreibliches Meisterwerk geworden. Eine Sinnesexplosion in tausend Farben, künstlerisch betrachtet atemberaubend. Zeitlupen, Zeitraffer, Rückblenden als Stilmittel, Spiegelungen, unterschiedliche Kameraperspektiven, das Spielen mit Symbolen, der sparsame Gebrauch von expliziten Darstellungen, die reduzierte Verwendung von Musik und Klangcollagen als unterstützendes Element und insbesondere der dramaturgische Aufbau von "Confessions" beweisen, dass das Handwerk aus dem FF beherrscht wird. Hinzu kommt das schauspielerische Talent aller Beteiligten.
Der Film beginnt in einem japanischen Klassenzimmer. Die SchülerInnen sind unkonzentriert und zumeist mit sich selbst beschäftigt. Die Lehrerin Yuko Moriguchi beginnt einen minutenlangen Monolog und es dauert in der Tat eine ganze Weile, bis man vesteht, worum es geht. Sie versucht den SchülerInnen den Wert des Lebens zu vermitteln, jedoch bezieht sich der Gegenstand nicht auf eine vorbereitete Lehreinheit, sondern auf die Vergangenheit Yukos. Ihre Tochter wurde von zwei Schülern der Klasse ermordet. Man fand sie tot im schuleigenen Swimmingpool und Yuko weiss, wer die Täter sind. Sie nennt sie zunächst A und B. Yukos Ehemann verstarb zudem an AIDS, widerum eine tragische Geschichte, der genügend Platz eingeräumt wird, was auch notwendig ist. Denn Yuko sinnt nach Rache für den Tod der geliebten kleinen Tochter. Und der Plan ist perfide. A und B tranken Milch, in die Yuko, durch HIV infiziertes Blut füllte. In ihrem restlichen, noch verbleibenden Leben, sollen sich die Täter Gedanken über den Wert, nicht nur des eigenen Lebens machen. Sprachs und verschwindet, nicht ohne den SchülerInnen mitzuteilen, dass von nun an ein neuer Klassenlehrer den Unterricht übernhemen wird, in die Frühjahrsferien. Bis hierhin schon mal ein mächtiger Schocker, doch jetzt beginnt die Geschichte an Fahrt und Dynamik zuzulegen. Die beiden schuldigen Jungs, Schuya Wantanabe und Naoki Shimomura stehen im Mittelpunkt der nun folgenden Storyline. Beide nehmen ihr scheinbares Schicksal, bdeingt durch u.a. den sozialisatorischen Background, unterschiedlich wahr und auf. Beide Geschichten sind an Grausamkeit kaum zu überbieten. Die Bilder werden zunehmend ver- und zerstörender. In Rückblenden wird der Zuschauer in die Ursachen und in die Motivation der Tat eingeweiht, während der Film auf drei unterschiedlichen Ebenen weiterläuft. Sowohl Naokis, als auch Schuyas Familienkonstellationen werden beleuchtet, sowie ihre Reaktionen auf das vermeindliche Todesurteil. Auf einer dritten Ebene geht es um die anderen SchülerInnen der Klasse, um Mobbing, gegenseitige Schuldzuweisungen, Erniedrigungen und das Verhältnis zu dem neuen Klassenlehrer. Im Fokus dieser dritten Erzählkonstellation steht zunehmend die Schülerin Mitzuki Kitahara, die sich in einen der beiden Täter verliebt. Auf der mutmaßlichen Zielgeraden geht es um das Geständnis der jeweiligen Hauptakteure. Geständnisse, hinsichtlich des eigenen Lebens, welches zu dem feigen Mord führte, bzw. um den Plan, der schlußendlich in die Rache mündet. Und am Ende ist dann alles anders, als man es gedacht und erwartet hat und zurück bleibt die Feststellung, dass die Uhr zwar falsch herum laufen, die Zeit aber nicht zurückgedreht werden kann, was insbesondere Shuyas Geschichte zu einer Tragödie werden lässt.
Um es salopp auszudrücken, "Confessions" ist ein wirklicher Knaller und für mich Highlight des diesjährigen Kinosommers. Die Art und Weise, wie Tetsuya Nakashima unterschieldiche Darstellungsformen integriert, vom Theater und der Oper beeinflusste Settings und kamerspielartigen Sequenzen, ist atemberaubend. Viele, die seine Filme vorher schon mochten, werden auch "COnfessions" lieben und vielleicht sorgt dieser Film ja auch dafür, dass bisher "Asia - Unwillige" über ihren Schatten, in Bezug auf die einleitenden Gründe springen und diesem Juwel eine Chance geben. Vedient hätte er es allemal.
Natürlich bezieht sich diese Rezension nicht auf die deutsche DVD VÖ, dauert ja schließlich noch bis zum Winter diesen Jahres, bis "Confessions" auf dem hiesigen Markt releast wird. Grundlage ist die Kinofassung (Orginal mit UT) und damit sollte klar sein, dass es sich bei dieser Kritik um eine reine Filmkritik handelt. Einen Import aus u.a. England gibt es bereits.