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am 16. September 2005
Wie verständigen wir uns? Gibt es Regeln, wie Diskussionen und Gespräche vollzogen werden? Welche unterschiedlichen Formen von Gemeinschaft gibt es, und was sind ihre Entstehungsbedingungen? Wie machen wir Gemeinschaft?
Aglaja Przyborski, Universitäts-Assistentin am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien, beschäftigt sich in ihrer Dissertation mit diesen Fragen. Damit ist ihr eine hervorragende sozialwissenschaftliche Grundlagenarbeit gelungen und ein Lehrbuch für Fortgeschrittene.
Besonders bereichernd ist die konsequente Überwindung des Ein-Personen-Paradigmas, die in der Arbeit sowohl theoretisch als auch empirisch durchgehalten wird. Psychologie und Sozialwissenschaften sind, wenn sie das Individuum von der Gemeinschaft trennen, Produzenten eines Trugbildes. Denn die Gegenüberstellung trennt, was als Einheit zu betrachten ist. Karl Mannheim spricht von der „Primordialität des Kollektiven".
Kapitel 1 führt am Beispiel alltäglicher Gesprächsszenen in den Gegenstand und das Erkenntnisinteresse der Arbeit ein. Es folgt eine tief greifende Aufarbeitung soziolinguistischer Theorie, in der immer wieder auf das Problem der Reduktion auf das Individuum hingewiesen wird. Die Dokumentarische Methode, aufbauend auf Karl Mannheim und Ralf Bohnsack, wird als eine Methode vorgestellt, die der Reduktion auf das Individuum weder theoretisch noch empirisch aufsitzt. Mit diesem Schwerpunkt stellt Aglaja Przyborski auch die Entwicklung des Gruppendiskussionsverfahrens dar. Wo rutschen Methoden wie z.B. die Focus Groups oder psychoanalytische Ansätze immer wieder in die Auswertung individueller Phänomene ab? Das zentrale Erkenntnisinteresse der Arbeit ist es, formale Organisationsprinzipien von Diskursen in ihrer Bedeutung für die Inszenierung von Kollektivität empirisch zu rekonstruieren.
Das 2. Kapitel stellt die Dokumentarische Methode in ihren einzelnen Arbeitsschritten vor. Das Begriffsinventar wird sehr genau und nachvollziehbar erklärt und an einer Beispielinterpretation aus einer Gruppendiskussion forschungspraktisch angewendet. Insbesondere dieses Kapitel gibt ein sicheres und fundiertes Handwerkszeug für die Interpretation eigener Texte.
Im Kapitel 3 werden fünf verschiedene Diskursmodi als Organisationsprinzipien von Gesprächen empirisch rekonstruiert. Die drei bereits von Bohnsack entfalteten Diskursmodi wurden empirisch angereichert und zwei weitere Diskursmodi entdeckt.
Przyborski hat eine Typologie der Organisationsprinzipen von Gesprächen erstellt. Sie unterscheidet zunächst zwischen inkludierenden und exkludierenden Modi. Während die erstgenannten durch Gemeinsamkeit der Erfahrungen gekennzeichnet sind, liegt bei letzteren Unterschiedlichkeit von Erfahrungen und Orientierungen vor. Inkludierende Modi sind der parallele Modus, der antithetische und der univoke. Zu den exkludierenden Modi zählen der oppositionelle und der divergente. Ich möchte nun jene Diskursmodi herausgreifen, die Przyborski neu entdeckt hat, nämlich der univoke und der divergente Modus.
Der univoke Modus findet sich in Diskursen, deren Grundlage dieselbe Erfahrungsbasis ist. In der Diskussion kann gleichzeitig gesprochen werden, ohne dass die Beteiligten sich stören, vielmehr ist das gemeinsame Sprechen für den Diskurs förderlich. Beim divergenten Modus hingegen besteht nicht nur ein Gegeneinander von Orientierungen wie beim oppositionellen Diskurs, sondern die Widersprüche werden verdeckt und nicht anerkannt. Es kommt zu Falschrahmungen. In diesen Gesprächen geht es um Macht. Wer setzt sich durch?
Dieses Kapitel baut auf einer sehr großen Menge und Vielfalt an empirischem Material aus Gruppendiskussionen und Gesprächen auf. Schwerpunkt des Materials liegt auf Diskursen von Jugendlichen. Analysiert wurden gemischtgeschlechtliche Gruppen, weibliche und männliche Gruppen mit unterschiedlicher Migrationslagerung aus verschiedenen Milieus.
Im 4. Kapitel geht Aglaja Przyborski der Frage nach, wieso sich die Diskursorganisation innerhalb eines Gesprächs ändern kann. Wieso ist es z.B. möglich, dass eine Gruppe junger Frauen innerhalb eines Gesprächs sowohl inkludierende als auch exkludierende Modi einsetzt? In dieser Arbeit gelingt der empirische Beweis, dass die TeilnehmerInnen eines Gesprächs zugleich mehreren Erfahrungsräumen angehören und sich der Diskursmodus innerhalb einer Gruppe entsprechend verändern kann. Die Diskursorganisation variiert systematisch mit dem Verhältnis der Erfahrungsgrundlage.
Im Ausblick (5. Kapitel) reflektiert Aglaja Przyborski u.a., dass vor allem die Typologie der exkludierenden Modi durch weiteres, und vor allem anderes als in dieser Arbeit eingesetztes empirisches Material erweitert werden muss. Hier könnten Tischgespräche und Gespräche aus dem öffentlichen Leben und beruflichen Kontexten, also aus nicht freiwilligen Zusammensetzungen weiterführen.
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am 13. September 2005
Wie verständigen wir uns? Gibt es Regeln, wie Diskussionen und Gespräche vollzogen werden? Welche unterschiedlichen Formen von Gemeinschaft gibt es, und was sind ihre Entstehungsbedingungen? Wie machen wir Gemeinschaft?
Aglaja Przyborski beschäftigt sich auf der Basis von umfangreichem empirischem Material mit diesen Fragen. Damit ist ihr eine hervorragende sozialwissenschaftliche Grundlagenarbeit gelungen und ein Lehrbuch für Fortgeschrittene.
Besonders bereichernd ist die konsequente Überwindung des Ein-Personen-Paradigmas, die in der Arbeit sowohl theoretisch als auch empirisch durchgehalten wird. Psychologie und Sozialwissenschaften sind, wenn sie das Individuum von der Gemeinschaft trennen, Produzenten eines Trugbildes. Denn die Gegenüberstellung trennt, was als Einheit zu betrachten ist. Karl Mannheim spricht von der „Primordialität des Kollektiven".
Kapitel 1 führt am Beispiel alltäglicher Gesprächsszenen in den Gegenstand und das Erkenntnisinteresse der Arbeit ein. Es folgt eine tief greifende Aufarbeitung soziolinguistischer Theorie, in der immer wieder auf das Problem der Reduktion auf das Individuum hingewiesen wird. Die Dokumentarische Methode, aufbauend auf Karl Mannheim und Ralf Bohnsack, wird als eine Methode vorgestellt, die der Reduktion auf das Individuum weder theoretisch noch empirisch aufsitzt. Mit diesem Schwerpunkt stellt Aglaja Przyborski auch die Entwicklung des Gruppendiskussionsverfahrens dar. Wo rutschen Methoden wie z.B. die Focus Groups oder psychoanalytische Ansätze immer wieder in die Auswertung individueller Phänomene ab? Das zentrale Erkenntnisinteresse der Arbeit ist es, formale Organisationsprinzipien von Diskursen in ihrer Bedeutung für die Inszenierung von Kollektivität empirisch zu rekonstruieren.
Das 2. Kapitel stellt die Dokumentarische Methode in ihren einzelnen Arbeitsschritten vor. Das Begriffsinventar wird sehr genau und nachvollziehbar erklärt und an einer Beispielinterpretation aus einer Gruppendiskussion forschungspraktisch angewendet. Insbesondere dieses Kapitel gibt ein sicheres und fundiertes Handwerkszeug für die Interpretation eigener Texte.
Im Kapitel 3 werden fünf verschiedene Diskursmodi als Organisationsprinzipien von Gesprächen empirisch rekonstruiert. Die drei bereits von Bohnsack entfalteten Diskursmodi wurden empirisch angereichert und zwei weitere Diskursmodi entdeckt.
Przyborski hat eine Typologie der Organisationsprinzipen von Gesprächen erstellt. Sie unterscheidet zunächst zwischen inkludierenden und exkludierenden Modi. Während die erstgenannten durch Gemeinsamkeit der Erfahrungen gekennzeichnet sind, liegt bei letzteren Unterschiedlichkeit von Erfahrungen und Orientierungen vor. Inkludierende Modi sind der parallele Modus, der antithetische und der univoke. Zu den exkludierenden Modi zählen der oppositionelle und der divergente. Ich möchte nun jene Diskursmodi herausgreifen, die Przyborski neu entdeckt hat, nämlich der univoke und der divergente Modus.
Der univoke Modus findet sich in Diskursen, deren Grundlage dieselbe Erfahrungsbasis ist. In der Diskussion kann gleichzeitig gesprochen werden, ohne dass die Beteiligten sich stören, vielmehr ist das gemeinsame Sprechen für den Diskurs förderlich. Beim divergenten Modus hingegen besteht nicht nur ein Gegeneinander von Orientierungen wie beim oppositionellen Diskurs, sondern die Widersprüche werden verdeckt und nicht anerkannt. Es kommt zu Falschrahmungen. In diesen Gesprächen geht es um Macht. Wer setzt sich durch?
Dieses Kapitel baut auf einer sehr großen Menge und Vielfalt an empirischem Material aus Gruppendiskussionen und Gesprächen auf. Schwerpunkt des Materials liegt auf Diskursen von Jugendlichen. Analysiert wurden gemischtgeschlechtliche Gruppen, weibliche und männliche Gruppen mit unterschiedlicher Migrationslagerung aus verschiedenen Milieus.
Im 4. Kapitel geht Aglaja Przyborski der Frage nach, wieso sich die Diskursorganisation innerhalb eines Gesprächs ändern kann. Wieso ist es z.B. möglich, dass eine Gruppe junger Frauen innerhalb eines Gesprächs sowohl inkludierende als auch exkludierende Modi einsetzt? In dieser Arbeit gelingt der empirische Beweis, dass die TeilnehmerInnen eines Gesprächs zugleich mehreren Erfahrungsräumen angehören und sich der Diskursmodus innerhalb einer Gruppe entsprechend verändern kann. Die Diskursorganisation variiert systematisch mit dem Verhältnis der Erfahrungsgrundlage.
Im Ausblick (5. Kapitel) reflektiert Aglaja Przyborski u.a., dass vor allem die Typologie der exkludierenden Modi durch weiteres, und vor allem anderes als in dieser Arbeit eingesetztes empirisches Material erweitert werden muss. Hier könnten Tischgespräche und Gespräche aus dem öffentlichen Leben und beruflichen Kontexten, also aus nicht freiwilligen Zusammensetzungen weiterführen.
Mag.a Elisabeth Brousek
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